Erster Saisonsieg: Werder siegt im Nordderby

Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der SV Werder Bremen hat am zweiten Spieltag der Saison den ersten "Dreier" eingefahren: Angelos Charisteas und Holger Wehlage sorgten mit ihrem jeweils ersten Bundesliga-Treffer für den 2:1 (1:1)-Sieg der Grün-Weißen im Nordderby gegen den Hamburger SV.

Pünktlich zum Anpfiff setzte in Bremen der große Regen ein. Doch der SV Werder ließ sich davon nicht beeindrucken, startete furios und kam vor 32.000 Zuschauern im Weser-Stadion bereits in der 9. Minute zur Führung. Angelos Charisteas, der mit Markus Daun das Sturmduo bildete, wurde von Ivica Banovic auf der linken Seite mit einem schönen Pass auf den Weg geschickt. Im Strafraum ließ der Grieche kurzerhand HSV-Abwehrspieler Ingo Hertzsch stehen und erzielte mit einem herrlichen Schuss in die lange Ecke das 1:0. Ein Traumtor des 22-Jährigen, das auch Werder-Cheftrainer Thomas Schaaf begeisterte – wie die gesamte Leistung des neuen Stürmers: "Hary hat nicht nur bei diesem Treffer gezeigt, welch großes Talent in ihm steckt", lobte der Coach nach der Partie und war sich sicher: "Wir werden noch sehr viel Freude an ihm haben."

Freude über Werder-Führung währt nur kurz

Die Gäste von der Elbe zeigten sich jedoch vom frühen Rückstand zunächst unbeeindruckt, nutzten immer wieder die Lücken in der Werder-Abwehr und kamen vor allem über die linke Seite zu gefährlichen Angriffen. Der 1:1-Ausgleich resultierte aber, wie der erste Gegentreffer der Grün-Weißen in Bielefeld, aus einer Standardsituation. Nach einer Ecke von Martin Groth von der rechten Seite köpfte Tomas Ujfalusi unbedrängt ein. "Wir hatten eine klare Zuteilung in der Deckung, die bei diesem Treffer absolut nicht funktioniert hat", ärgerte sich Thomas Schaaf über das unnötige Gegentor, bei dem Charisteas Ujfalusi nicht energisch genug gestört hatte. Schaaf nahm den Fehler des Griechen nach der Begegnung mit Humor: "Er hat heute sowohl vorne als auch hinten für Aufregung gesorgt." Bis zum Halbzeitpfiff blieben klare Torchancen zunächst Mangelware. Zwei Minuten vor dem Seitenwechsel schreckte Ivica Banovic die Fans noch einmal auf. Der Kroate setzte einen Fernschuss jedoch knapp neben das HSV-Gehäuse.

Der zweite Durchgang begann fast wie der erste. Der Unterschied: Der SV Werder brauchte noch vier Minuten weniger, um zu seinem Treffer zu kommen. Zunächst hatte sich Markus Daun auf der linken Seite durchgesetzt, doch seine Flanke in den Strafraum fand keinen Abnehmer. Stattdessen stand auf der anderen Seite Holger Wehlage völlig frei. Trotz spitzem Winkel zum Tor hielt der Ex-Paulianer einfach drauf und hatte Erfolg. Freundliche Unterstützung erhielt Wehlage bei seinem 2:1 in der 50. Minute von HSV-Keeper Martin Pieckenhagen, der den Ball unglücklich passieren ließ.

Verlaat überzeugt als Abwehrchef

HSV-Trainer Kurt Jara reagierte auf den Rückstand seiner Ellf und brachte mit Erik
Meijer einen weiteren Stürmer. Die Angriffsbemühungen der Gäste wurden jedoch von der umsichtigen Werder-Abwehr um Kapitän Frank Verlaat, der eine starke Leistung ablieferte, im Keim erstickt. Stattdessen hatten die Grün-Weißen gleich mehrmals die Entscheidung auf dem Fuß. In der 60. Minute hatte zunächst wiederum Charisteas nach einem Klasse-Konter über Daun und Tim Borowski das 3:1 vor Augen. Doch Pieckenhagen regierte hervorragend und lenkte das Leder im letzten Moment zur Ecke. Diese trat Banovic und leitete damit eine weitere Großchance ein. Verlaat und erneut Charisteas konnten die Konfusion im HSV-Strafraum aber nicht nutzen und scheiterten am HSV-Keeper.

Turbulente Schlussphase

Der SV Werder hatte das Spiel auch in der Folgezeit gut im Griff und ließ sich auch von der verletzungsbedingten Auswechslung Banovic‘ nicht aus dem Konzept bringen. Der Kroate musste nach einem schmerzhaften Zweikampf das Feld verlassen. Für ihn kam Marco Reich. Erst in der Schlussphase hätten sich die vergebenen Chancen fast noch gerächt. Die Werder-Abwehr geriet nun einige Male in Bedrängnis. In der Nachspielzeit wurde einem Treffer von Bernardo Romeo wegen einer Abseitsstellung die Anerkennung verwehrt. Es blieb beim verdienten 2:1, so dass Thomas Schaaf nach dem Abpfiff zufrieden resümmierte: "Auch wenn es noch an einigen Ecken gehakt hat, ist uns heute ein sehr ordentliches Spiel gelungen. Ich bin sehr zufrieden, dass die Mannschaft durch den Sieg für ihre gute Leistung belohnt wurde."

Übrigens: Im bemerkenswert fairen Prestigeduell der beiden Nordklubs sah erst in der 77. Minute der Ex-Bremer und jetzige Hamburger Raphael Wicky nach einem Foul an Marco Reich die erste Gelbe Karte. Eine weitere erhielt in der Schlussphase Erik Meijer, der lautstark seinem Unmut gegenüber Schiedsrichter Edgar Steinborn Luft gemacht hatte. Der Referee hatte die Partie zu jeder Zeit gut im Griff.

Martin Lange

SV Werder Bremen: Borel, Verlaat, Skripnik, Krstajic, Stalteri, Lisztes, Banovic (68. Reich), Wehlage, Borowski, Charisteas (87. Klasnic), Daun (76. Ailton).

Hamburger SV: Pieckenhagen, Hertzsch, Baur, Ujfalusi, Wicky (80. Kitzbichler), Groth (56. Meijer), Albertz, Hollerbach (68. Antar), Ledesma, Romeo, Heinz.

Tore: 1:0 Charisteas (9.), 1:1 Ujfalusi (20.), 2:1 Wehlage (50.)
Gelbe Karten Werder: -
Gelbe Karten HSV: 77. Wicky, 90. Meijer
Schiedsrichter: Edgar Steinborn (Sinzig)
Weser-Stadion: 33.000 Zuschauer

Torschüsse: 16:13
Ecken: 5:5
Flanken: 3:17
Ballkontakte: 42%:58%
Gewonnene Zweikämpfe: 55%:45%
Fouls: 10:21
Abseits: 2:6

Die meisten Ballkontakte: 61 x Wehlage (Werder), 100 x Ujfalusi (HSV)
Die Zweikampfstärksten: Lisztes (Werder) 72% gewonnen; Ujfalusi (HSV) 62 % gewonnen