Bittere 0:6-Klatsche gegen effizienten VfB Stuttgart

Stuttgart oben auf, Werder am Boden: Der Zweikampf zwischen dem Torschützen Ciprian Marica und Werder-Kapitän Torsten Frings ist sinnbildlich für den aus Werder-Sicht rabenschwarzen Sonntagabend.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat das vierte Pflichtspiel in Folge verloren. Beim überdeutlichen 0:6 (0:3) gegen den VfB Stuttgart hatten die Grün-Weißen ordentlich begonnen, das Spiel jedoch nach einer rassigen ersten Halbzeit mit vielen Chancen auf beiden Seiten bereits frühzeitig verloren. Gerade in der ersten Hälfte blieb die Elf von Cheftrainer Thomas Schaaf zwar die feldüberlegene Mannschaft, leistete sich aber zu viele Fehler im Defensivverhalten und fing sich immer wieder gefährliche Konter, die die effizienten Schwaben gnadenlos ausnutzten. Auch in der zweiten Halbzeit trafen nur die Stuttgarter, die – genau wie Torsten Frings in der ersten Hälfte – sogar einen Elfmeter verschossen hatten.

 

Ciprian Marica war von der Werder-Defensive in der ersten Hälfte einfach nicht in den Griff zu bekommen.

Schaaf baute seine Startformation gegenüber dem Champions-League-Spiel gegen Enschede in allen Mannschaftsteilen um. Im Tor begann der wiedergenesene Nationaltorwart Tim Wiese für Sebastian Mielitz. In der Viererkette rückte Mikael Silvestre auf die Linksverteidigerposition, während Wesley auf der anderen Seite und Sebastian Prödl als Innenverteidiger begann. Im Mittelfeld musste Philipp Bargfrede weichen, da Kapitän Torsten Frings auf seine etatmäßige Position zurückkehrte. Im Angriff erhielt Sandro Wagner den Vorzug gegenüber Hugo Almeida.

 

Offener Schlagabtausch zu Beginn, Marica trifft

 

Trotz des aufgeweichten Bodens in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena suchten beide Teams von Beginn an mit viel Tempo den Weg nach vorne. Schon nach zwei Minuten kamen die Stuttgarter in Person von Marica zur ersten Gelegenheit, doch der Rumäne köpfte das Leder aus fünf Metern über das Tor. Im direkten Gegenzug kam Werder zur ersten Ecke und Wagner im Gewühl nach Pizarro-Pass zum Schuss, doch Ulreich hatte keine Probleme damit, den abgefälschten Ball zu fangen (3.).

 

Nach zehn Minuten eroberten die Schwaben den Ball im Mittelfeld, Gebhart behauptete das Leder nach einem Solo und legte nach rechts in den Strafraum auf Marica ab. Der VfB-Angreifer zog aus spitzem Winkel sofort ab und setzte den Ball unhaltbar für Wiese in die lange Ecke (10.). Fünf Minuten nach dem 0:1 blieb der Werder-Keeper Sieger im Duell mit Marica, der wieder aus spitzem Winkel abgezogen hatte.

 

Frings vergibt vom Punkt die Chance aufs 1:1

 

Torsten Frings' Elfer-Serie ist in Stuttgart gerissen. Der Kapitän hatte seit sechseinhalb Jahren keinen Strafstoß mehr verschossen.

In der Folge übernahmen die Grün-Weißen die Spielkontrolle und entwickelten zusehends Torgefahr. Nach einem Eckball von Aaron Hunt hatte Molinaro Claudio Pizarro zunächst klar umgerissen, bevor Prödl am langen Pfosten ans Leder herankam, den Ball aber vorbeiköpfte (21.). Den gerade noch verwerten Elfmeter bekam Werder dann aber nur zwei Minuten später zugesprochen. Nachdem Daniel Jensen Hunt auf die Reise geschickt hatte, prallte dieser an der rechten Strafraumkante mit dem herausgeeilten VfB-Keeper Ulreich zusammen und Schiedsrichter Kinhöfer zeigte auf den Punkt. Torsten Frings trat an, schoss aber zu mittig, so dass der Keeper seinen Fehler wieder gutmachen konnte und den Ball festhielt (24.).

 

Während Bremen das spielbestimmende Team blieb und auf den Ausgleich drückte, schalteten die Gastgeber immer wieder blitzschnell um und kamen zu besten Kontergelegenheiten. Nach 28 Minuten verhinderte Wiese mit einer Weltklasseparade das 0:2, nachdem Cacau einen der vielen schnellen Gegenangriffe abgeschlossen hatte (28.). Drei Minuten später machte es der Nationalstürmer jedoch besser. Nachdem Marica sich wiederholt über die rechte Seite durchgesetzt hatte und in die Mitte passte, konnte Cacau sich aus acht Metern Torentfernung die Ecke aussuchen und markierte das 0:2 (31.). Unmittelbar vor der Pause kam es noch dicker für die Schaaf-Elf: Nach einem weiteren über Marica eingeleiteten Konter war es wieder Cacau, der frei zum Schuss kam und nach Gebhart-Vorlage zum 0:3 einnetzte (45.).

 

Werder hat nach dem 0:3 zur Pause nichts mehr entgegenzusetzen

 

Tim Wiese hatte sich seine Rückkehr ins Werder-Tor anders vorgestellt. Der Keeper war an allen Gegentreffern schuldlos und hielt sogar einen Elfer.

Die zweite Hälfte begann deutlich weniger schwungvoll als die erste. Aufregung gab es erst nach einer Stunde wieder. Der für Hunt eingewechselte Leon Balogun foulte Gebhart im Sechzehner, doch auch die Gastgeber verwandelten den fälligen Strafstoß nicht. Doppeltorschütze Cacau scheiterte an Wiese, der klasse parierte (61.). Kurz darauf kamen die Bremer zu ihren einzigen echten Torgelegenheiten in der zweiten Hälfte, doch weder Wesleys Fernschuss (66.), noch Pizarros Großchance (67.) landeten im Netz.

 

Stattdessen legte der VfB nach: Nur eine Minute nach dem möglichen 1:3 erhöhte Gentner aus 10 Metern halblinker Position auf 0:4. Beim Schuss versperrte der im Abseits stehende Ex-Bremer Martin Harnik dem Werder-Keeper die Sicht (68.). Wenig später konnte Marica völlig unbedrängt von links in den Sechzehner flanken, wo Niedermeier den Ball am einmal mehr machtlosen Wiese vorbei in die kurze Ecke köpfte (73.). Das halbe Dutzend komplettierte Boka vier Minuten vor dem Ende – abermals nach einem Konter. Der Ivorer war von Kuzmanovic per Steilpass geschickt worden, tauchte allein vor Wiese auf, umkurvte den Keeper und schob das Leder zum bitteren 0:6-Endstand ins leere Tor (86.).

 

Christoph Muxfeldt