2:2! Mertesacker egalisiert im letzten Augenblick

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Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Dank eines Kopfballtores von Innenverteidiger Per Mertesacker in der Nachspielzeit erreichte Werder Bremen am Sonntagabend im ausverkauften Weser-Stadion ein 2:2 (1:1) gegen Tabellenführer Bayer Leverkusen. In einem vor allem von der Taktik geprägten Spiel sahen effektive Gäste lange Zeit wie der Sieger aus. Eren Derdiyok überraschte schier aus dem Nichts in der 29. Minute mit einem direkten Freistoßtor ins linke Eck. Nur fünf Minuten später staubte Claudio Pizarro zum Ausgleich ab, nachdem René Adler zuvor einen scharfen Freistoß von Naldo nicht festhalten konnte. Die erneute Führung der Gäste gelang Mittelfeldspieler Toni Kroos mit einem Fernschuss (57.). Die hielt so lange, ehe Mertesacker ein letztes Mal im Fünfmeterraum hochstieg und vielumjubelt einnickte.

 

René Adler rutschte der Freistoß von Naldo durch die Beine...

Aggressive Deckungsreihen ließen keinen Raum

 

Einen Tausch in seiner ersten Elf vollzog Cheftrainer Thomas Schaaf. Tim Borowski komplettierte das Mittelfeld nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Aaron Hunt. Wie es Bayers Trainer Jupp Heynckes schon angekündigt hatte, trafen sich wahrlich zwei Teams auf Augenhöhe. Die Sicherheit stand bei beiden Kontrahenten zunächst im Vordergrund, das Risiko in den Angriffsaktionen bekam einen überschaubaren Raum zugesprochen, auch weil aggressive Deckungsreihen in Grün-Weiß und Schwarz-Rot kaum Zentimeter zum Entfalten ließen. Die erste Initiative ergriff der wieselflinke Marko Marin. Gegenspieler Daniel Schwaab verschätzte sich, Marin dribbelte vorbei, schlug von der Grundlinie eine scharfe halbhohe Eingabe, die allerdings im dicht besiedelten Strafraum keinen Abnehmer fand (8.). Drei raumöffnende Flugbälle sollten in den anschließenden Minuten Mesut Özil (2x) und Torsten Frings erreichen, unterbrochen nur von der jeweils in kniffligster Situation gehobenen Fahne. Im Zweifel für den Angreifer.

 

Die Grün-Weißen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, verlagerten das Pressing bis weit in die gegnerische Hälfte. So zwang Peter Niemeyer Vidal vor dem Leverkusener 16er energisch zum Ballverlust, tankte sich bis zur linken Strafraumgrenze durch und wollte flanken, was sich allerdings als gefährliche Torgelegenheit entpuppte, die Adler gerade noch mit den Fingern über die Latte spitzelte. Einen ersten ausgiebigeren Einsatz von Tim Wiese verhinderte derweil Per Mertesacker, der seinen Kopf in einen Volley-Aufsetzer von Toni Kroos hielt und mögliche Gefahr bereits im Keim erstickte. Auch nach Barnettas Schlenzer auf Ablage von Kießling brauchte sich Werders Schlussmann nicht strecken, der Schweizer zirkelte aus 14 Metern weit am anvisierten Kreuzeck vorbei. Kurz zuvor flog Naldos Kopfball zwei Meter zu hoch. Mehr wurde nicht zugelassen, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite, Konzentration, Fehlerlosigkeit und Kopfballstärke der zentralen Defensiven überwogen.

 

... den Claudio Pizarro darauf über die Linie drückte.

Wie so oft halfen Standardsituationen

 

Um dies zu ändern halfen – wie so oft – nur noch Standardsituationen weiter. Niemeyer foulte, um den ruhenden Ball versammelte sich eine ganze Bayer-Schaar – wohl nur, um Spezialist Kroos auf die Schulter zu klopfen. Denkste! Eren Derdiyok lief an, schoss aus 24 Metern und der Ball senkte sich genau ins linke Eck zur Führung (29.). Den Grün-Weißen sollte die ähnliche Möglichkeit aus unweit größerer Distanz nur fünf Minuten darauf zur Verfügung stehen. Hier versuchte sich allerdings kein unverhoffter Schütze. Naldos wie immer hart getretener Ball flatterte, setzte auf, flog Bayers Torwart René Adler an die Brust, von dort glitt er dem 25-Jährigen durch die Beine, sprang auf der Linie, wo Claudio Pizarro ihn mit der Pike ins Netz tippte. Nur Augenblicke vor der Pause ging Adler mit der Faust am langen Pfosten dann auf Nummer sicher. Dort hatte Borowski nach Naldos Kopfballverlängerung einer Marin-Flanke bereits gelauert.

 

Die zweite Halbzeit schien das beinah identische Spielgeldbild der ersten 45 Minuten annehmen zu wollen. Kaum Torchancen, wenig Strafraumszenen, noch weniger Fehler. Im Mittelfeld wogte es hin und her, nur neutralisierten sich beide damit. Doch wenn Bayer etwas an den Tag legte, dann eiskalte Effizienz. Werder ließ nur in zwei aufeinander folgenden Szenen etwas zu viel Raum. Der flinke Barnetta zog im schnellen Dribbling von der rechten Seite aus nach innen, legte quer zu Toni Kroos, der konnte sich den Ball vorlegen und aus 27 Metern abziehen: Ein zweites Mal flog das Leder am ansonsten so gut wie gar nicht geprüften Tim Wiese vorbei ins Netz (57.). Die Ausgangssituationen hätte für den Tabellenführer nun komfortabler nicht sein können. Während Leverkusen auf Konter lauern durfte, musste Werder zwangsläufig öffnen, aktiv werden. Aber der vor ihnen errichtete schwarz-rote Wall war alles andere als einfach zu überwinden. Marin trieb kurz durch die Mitte an, schickt Tim Borowksi – von Reinartz angestrengt verfolgt -, aber Adler war im Herauslaufen aufmerksam zur Stelle (64.).

 

Aymen Abdennour umarmt Last-Minute-Torschütze Per Mertesacker

Als es keiner mehr für möglich hielt, köpfte Mertesacker

 

Die Zeit lief gegen die bemühten Grün-Weißen, Thomas Schaaf setzte auf totale Offensive und wechselte Hugo Almeida und Debütant Onur Ayik gegen Niemeyer und Borowski. Und Bayer? Wollte – wenn möglich – die Entscheidung. Torschütze Derdiyok fing einen Befreiungsschlag Wieses am Mittelkreis ab, versuchte den Kunstschuss, aber Werders Torhüter war schnell wieder in seinen Strafraum geeilt (75.). Acht Minuten später hielt er die Partie offen. Der eingewechselte Renato Augusto initiierte einen sehenswerten Konter mit einem tollen Solo über die rechte Außenbahn, bediente von der Grundlinie aus punktgenau Stefan Kießling, der aus 16 Metern den Ball voll mit der Spanne traf und Wiese zu einer Glanztat nötigte. Ein Volley aus 18 Metern über die Latte von Onur Ayik schien dann vier Minuten vor dem Ende die letzte Chance gewesen zu sein. Bis Marko Marin ein letztes Mal eine Eingabe in den Fünfmeterraum hob und Per Mertesacker – als es keiner mehr für möglich hielt – den Ball in die Maschen köpfte.

 

von Maximilian Hendel