Wie im Hinspiel: Werder mit 5:0-Kantersieg gegen Frankfurt

Frankfurts Keeper Markus Pröll musste fünf Mal hinter sich greifen, Doppeltorschütze Torsten Frings und Claudio Pizarro bejubeln ihre Treffer.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit und einer überlegenen zweiten Hälfte verdient mit 5:0 (0:0) gewonnen. Dass die Bremer damit das Hinspielergebnis, das die Grün-Weißen im November im Weser-Stadion erreichten, wiederholen konnten, war vorher und auch nach 45 Minuten nicht zu erwarten.

 

Vor dem Spiel stellte Cheftrainer Thomas Schaaf die Mannschaft im Vergleich zum letzten Bundesligaspiel gegen den HSV auf insgesamt sechs Positionen um. Aus der Viererkette der letzten Woche blieb nur Innenverteidiger Sebastian Prödl übrig, den verletzten Naldo ersetzte Kapitän Frank Baumann und auf den Außenbahnen kehrten die zuletzt gelbgesperrten Sebastian Boenisch und Clemens Fritz zurück. Im Mittelfeld begann Alexandros Tziolis auf der linken Seite und Torsten Frings rückte für Frank Baumann auf die Sechser-Position. Die Raute komplettierten Peter Niemeyer und Mesut Özil, im Angriff begannen Claudio Pizarro (anstelle von Hugo Almeida) und Markus Rosenberg.

 

Chancen, aber keine Tore in Halbzeit eins

 

Peter Niemeyer präsentierte sich sehr bissig und fiel durch einige starke Zweikämpfe auf.

Das Spiel begann unspektakulär, ehe Torsten Frings nach tollem Zuspiel von Claudio Pizarro urplötzlich auf das Tor von Markus Pröll zulief, aber nur das Außennetz traf (6.), nachdem er sich den Ball einen Tick zu weit vorgelegt hatte. Die Eintracht kam in den Anfangsminuten selten gefährlich vor das Werder-Tor. Die Angriffe, die häufig über Christoph Spychers linke Seite vorgetragen wurden, verpufften zunächst meist schon im Ansatz. Beim ersten Frankfurter Torschuss durch Inamoto aus rund 20 Metern musste Tim Wiese nicht eingreifen. Anders als wenige Minuten später, als Alex Meier einen Kopfball aus wenigen Metern Torentfernung genau auf den Werder-Torwart setzte.

 

Im Gegenzug hatte Werder seine zweite größere Torgelegenheit, Mesut Özil schickte Markus Rosenberg auf der linken Seite, doch der Schwede schob den Ball aus spitzem Winkel an der langen Ecke vorbei (14.). Nur drei Minuten später vergab Pizarro die bis dato beste Chance, als er nach einer Boenisch-Flanke per Kopf am stark parierenden Eintracht-Schlussmann genauso scheiterte, wie Markus Rosenberg beim Abpraller. Die Grün-Weißen zogen sich nun wieder ein wenig zurück und standen für Werder-Verhältnisse relativ tief, so dass die Frankfurter in Ruhe ihr Spiel aufbauen konnten.

 

Die Hessen hatten nun ihre beiden dicksten Tor-Gelegenheiten des Spiels. Martin Fenin passte auf Alex Meier, dessen Abseitsposition der Schiedsrichter-Assistent übersehen hatte und der den Ball an Tim Wiese vorbei ein Richtung Tor schob. Gut, dass Boenisch aufgepasst hatte und den Ball für seinen geschlagenen Torhüter per Grätsche von der Linie kratzte (24.). Zwölf Minuten später scheiterte Fenin aus 14 Metern dann am blitzartig herauseilenden Tim Wiese, nachdem Liberopoulos den Tschechen mit einem "No-Look-Pass" klasse frei gespielt hatte. Viel Spektakuläres passierte daraufhin nicht mehr in der ersten Hälfte: Pizarro (27.) und Özil (41.) vergaben noch zwei Torchancen und der Brasilianer Chris holte sich nach rüder Attacke gegen Peter Niemeyer die gelbe Karte ab (39).

 

Vier Tore in zwölf Minuten

 

Die Proteste von Bellaid, Spycher und Co. nützten wenig: Sippel blieb nach Ochs' Notbremse keine andere Wahl, als Rot zu zücken.

Auch wenn es im Nachhinein kaum zu glauben ist, kamen die Frankfurter zunächst besser aus der Kabine als Werder und zogen bis zur 49. Minute ein kleines Powerplay um den Werder-Strafraum auf. Liberopoulos (47.) scheiterte dabei freistehend am einmal mehr unüberwindbaren Wiese. Als sich die Bremer dann befreien konnten, drang Özil nach Spitzen-Doppelpass mit Pizarro in den 16er ein, stand frei vor Pröll und wurde, bevor er schießen konnte, von Patrick Ochs am linken Bein getroffen. Der Frankfurter sah zurecht Rot und Werder bekam einen Foul-Elfmeter, den Torsten Frings unhaltbar in die linke obere Ecke drosch (51.). Nur fünf Minuten später war es erneut Frings, der mit einem gar nicht so scharfen, aber sehr platzierten Flachschuss von halbrechts in die lange linke Ecke zielte und auf 2:0 erhöhte (56.). Nun klappte bei den Grün-Weißen fast alles: Özil schlug einen Freistoß von links in den Strafraum und Tziolis köpfte den Ball zum 3:0 in die lange Ecke (60.), Rosenberg war zuvor wurde unweit der Eckfahne umgestoßen worden. Die Eintracht wusste in Unterzahl nun kaum noch, wie ihr geschah und Werder legte eiskalt nach: Nur zwei Minuten später konnte sich auch Claudio Pizarro in die Torschützenliste eintragen. Tziolis spielte einen langen Ball auf Özil, der legte den Ball mustergültig quer und Pizarro vollstreckte per Volley-Schuss aus naher Distanz zum 4:0 (62.).

 

Wie zuvor Frings gegen Vranjes (59.) wurde auch Pizarro direkt nach seinem Treffer gegen Hugo Almeida (63.) ausgewechselt. Werder ließ es nach den vier Treffern in etwas mehr als zehn Minuten nun ruhiger angehen, ließ Ball und Gegner laufen und kontrollierte das Spiel völlig. In einer trotz der roten Karte überwiegend fairen Partie sah der eingewechselte Almeida Gelb, nachdem er Bellaid unwirsch von den Beinen geholt hatte (70.). Dieser revanchierte sich einige Minuten später 30 Meter vor dem Eintracht-Tor und sah ebenfalls eine längst überfällige gelbe Karte. Den fälligen Freistoß übernahm der Gefoulte selbst – und wie! Almeida knallte das Leder mit 105 km/h mittig aufs Gehäuse. Torwart Pröll konnte die Arme nicht mehr rechtzeitig nach oben reißen und es stand aus Frankfurter Sicht 0:5 (77.).

 

Bundesliga-Debüt für Andersen

 

Mesut Özil zeigte einmal mehr eine überragende Leistung und bereitete drei Tore vor. Hier gratuliert er Almeida zu seinem Freistoß-Hammer zum 5:0-Endstand.

Eine Minute zuvor wurde Kapitän Frank Baumann ausgewechselt und übergab die Binde an Jurica Vranjes. Eingewechselt wurde U 23-Spieler Niklas Andersen, der seine ersten 14 Minuten Bundesliga-Erfahrung sammelte. In der Schlussviertelstunde passierte nicht mehr viel, die Werderaner vergaben noch ein, zwei Chancen, wobei die größte ein gut gehaltener Distanzschuss von Sebastian Boenisch in der Schlussminute war.

 

Wie im Hinspiel gewann Werder auch auswärts mit 5:0 gegen Frankfurt und hat nach dem drittletzten Spieltag nun 45 Punkte bei 62:42 Toren auf dem Konto. Kurios: Der Sieg in Frankfurt war erst der zweite Auswärtssieg in dieser Bundesliga-Saison, auch beim ersten traf Werder fünffach (5:2 in München). Die Eintracht hätte am 32. Spieltag den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen können, hat aber als Tabellen-13. dennoch beruhigende sechs Punkte Vorsprung auf Rang 16 und braucht nur noch einen Zähler, um sich endgültig zu sichern.

 

von Christoph Muxfeldt