3:1 gegen Köln: Hugos Donnerschlag mit 124 Km/h

Ausgelassen freut sich Diego über seinen Führungstreffer, Hugo Almeida setzte später mit einem wunderschönen Fernschuss den Schlusspunkt.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen ist am 13. Spieltag der Bundesliga in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Im ausverkauften Weser-Stadion gelang den Grün-Weißen ein verdienter 3:1-Heimsieg gegen den 1. FC Köln. Mittelfeldspieler Diego erzielte per Foulelfmeter (15.) die Führung, Naldo (45.) köpfte wenige Augenblicke vor dem Halbzeitpfiff die vermeintlich beruhigenden 2:0-Vorsprung. Kurz nach Wiederanpfiff ließ Milivoje Novakovic’ Anschlusstor noch einmal Hoffnung beim Aufsteiger keimen, ehe Hugo Almeida mit einem fulminanten Fernschuss (55.) das Spiel entschied. Werder macht damit einen großen Sprung zurück in die erste Tabellenhälfte auf Platz sieben.

 

Über den Wolken: Naldo köpft das 2:0.

14 Minuten bis zur ersten Lücke

 

Für den am Oberschenkel verletzten Sebastian Boenisch rutschte Sebastian Prödl auf die rechte Außenverteidigerposition der Startformation, zudem ersetzte Aaron Hunt den gesperrten Mesut Özil in der Mittelfeld-Raute. Kölns Trainer Christoph Daum vertraute weiter der bislang so erfolgreichen taktischen Variante mit einer der Defensive zusätzliche Stabilität verleihenden Dreierkette im Mittelfeld, die vor der eigentlichen Viererkette agiert und mit Kapitän Milivoje Novakovic als einzigem etatmäßigen Stürmer.

 

Dementsprechend tief und massiert stand der Defensivverbund der Domstädter, lauernd auf Fehler im Aufbau der Grün-Weißen. Doch auch Werder agierte äußert konzentriert gegen den Ball, Novakovic war zu Beginn bei den zwei Türmen Mertesacker und Naldo gut aufgehoben.

 

Es dauerte 14 Minuten, bis die erste Lücke der Kölner Hintermannschaft gefunden war. Aaron Hunt passte zum ständig anspielbereiten Pizarro, der gedankenschnell den Ball zum gestarteten Frank Baumann durchsteckte: Im Strafraum angekommen, legten Torwart Faryd Mondragon und Ex-Werderaner Pierre Wome in gemeinschaftlicher Tat den Bremer Kapitän. Diego ließ sich die Chance nicht entgehen, verlud Mondragon gekonnt und hob das Leder halbhoch ins rechte Eck zur Führung (15.). Erleichterung ja, dennoch überwog die Vorsicht in der Folge. Es galt, keinen Konter zu riskieren, da sich Köln trotz des Rückstandes kaum locken ließ. Darunter litt der spielerische Fluss beider. Symbolisch, dass im ersten leichten Anflug von Torgefahr der Gäste Pierre Womes Freistoss aus 25 Metern in der Bremer Mauer seinen Meister fand und der bis dahin nahezu beschäftigungslose Tim Wiese die Kugel locker aufnehmen konnte.

 

Claudio Pizarro traf selber nicht, musste sich aber nicht verstecken.

Köln wittert seine Chance, aber Naldo sticht zu

 

Aufgrund fehlender Zielstrebigkeit Werders in der Offensive witterte Köln in der Schlussphase der ersten Halbzeit Möglichkeiten. Die Grün-Weißen zogen sich zurück, ließen dem Gegner mehr Raum. Mit klugen Pässen schwangen Petit und Antar das Zepter im Kölner Mittelfeld. Aus dem bis dato schönsten Spielzug der Partie über Antar und Vucicevic kam Novakovic allein gelassen an den Ball, scheiterte aber am glänzend reagierenden Wiese, der sich mit vollem Risiko in den freien Weg schmiss (39.). Doch was im Jargon nun gern den Titel „psychologisch wichtiger Zeitpunkt“ verliehen bekommt, ließ den FC in der Nachspielzeit der ersten Hälfte aus allen Wolken fallen. Torsten Frings, der in der Aktion zuvor von Mohamad durchaus elfmeterreif gelegt worden war, hob die nachfolgende Ecke in die Gefahrenzone, am langen Pfosten stand Naldo bereits eine Etage höher in der Luft als Gegenspieler Geromel und köpfte zielgenau zum 2:0 ins Eck.

 

In der Sicherheit des beruhigenden Vorsprungs wurden die Grün-Weißen kurz nach Wiederanpfiff eiskalt erwischt. Vucicevic hebelte mit einem Pass in die Gasse die Defensivreihe aus, Novakovic verlud Mertesacker im entscheidenden Zweikampf und schob den Ball am machtlosen Tim Wiese vorbei zum Anschlusstreffer ins Netz (47.). Es sollten die entscheidenden und zugleich rasantesten Minuten der Partie folgen. Fast im Gegenzug zwang Aaron Hunt nach Vorlage von Diego Mondragon zu einer Parade und nur zwei Minuten später war Petit allein über die rechte Seite durchgebrochen – dem Portugiesen gelang jedoch kein gezielter Abschluss, da Wiese sich groß machte und klug den Winkel verkürzte.

 

Kölns Cheftrainer Christoph Daum.

Almeidas Donnerschlag

 

Nur einen einzigen Augenblick in der 55. Minute brauchte es, einen Ausbruch von Genialität, um das Spiel endgültig zu Gunsten Werders zu entscheiden. Denn einen auf halber Strecke verunglückten Befreiungsschlag von Kölns Innenverteidiger Geromel nagelte Hugo Almeida mit seinem vor Urgewalt nur so strotzenden linken Dropkick-Donnerschlag (genau gemessene 124 Km/h) unter die Latte zum erlösenden 3:1. Den Kölner Hoffnungen war der Zahn gezogen.

 

Der nun entfesselt aufspielende und unermüdlich rackernde Almeida prägte den Schlussakt. Keine Minute nach seinem Tor wurde er von Diego auf der rechten Seite geschickt und bediente genial mit dem linken Außenrist Angreifer-Kollege Claudio Pizarro, der nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Außerdem nahm der Portugiese noch Aaron Hunts hohes Anspiel in den Strafraum auf halblinker Position technisch perfekt mit der Brust an, um aus gut 17 Metern per Außenrist-Volley den Ball äußerst knapp am Dreiangel vorbei zu jagen (69.).

 

Nachdem sich Almeida gut zehn Minuten vor Abpfiff den wohlverdienten Applaus vom Publikum abholen durfte, war es dem für den Portugiesen eingewechselten Markus Rosenberg nicht vergönnt, das Ergebnis noch weiter auszubauen. Erst rettete Mondragon mit einer Glanztat den Kopfball des Schweden nach Flanke von Tosic (83.) und auch zwei Minuten vor Schluss scheiterte er nur knapp.

 

 

von Maximilian Hendel