2 Mann verloren, 3 Punkte gewonnen: HSV – Werder 0:1!

Kampf um jeden Zentimeter: Tim Borowski im Duell mit Hamburgs Bestem, Rafael van der Vaart.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Ein hart umkämpftes und bis zur letzten Sekunde nervenaufreibendes Nordderby endete mit einem 1:0-Sieg für Werder Bremen. Hugo Almeida schoss das entscheidende (Traum-)Tor (50.), Frank Baumann (Gelb-Rot, 57.) und Jurica Vranjes (Rot, 90.) flogen vom Platz, Schiri Wagner verteilte insgesamt sieben gelbe Karten – das ewig junge Duell zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen bot einmal mehr Emotion pur.

 

Schon vor dem Anpfiff tat sich einiges bei den Grün-Weißen. Weil Torsten Frings eine Gelbsperre absitzen musste, kehrte Frank Baumann zurück auf die Sechserposition. Der wiedergenesene Diego verdrängte Mesut Özil, und im Sturm liefen Hugo Almeida und Markus Rosenberg anstelle von Ivan Klasnic und Boubacar Sanogo auf.

 

Packende erste halbe Stunde

 

Szenen eines denkwürdigen Derbys: Daniel Jensen sieht eine von insgesamt sieben gelben Karten...

Das Nordderby packte jeden einzelnen der 57.000 Zuschauer im ausverkauften Hamburger Stadion von der ersten Minute. Beide Mannschaften spielten mit großem Einsatz, schnell und offensiv – auch wenn es in der Anfangsphase auf beiden Seiten noch zu keiner großen Torchance kam. Die erste hatte in der 18. Minute Paolo Guerrero. Allein vor Tim Wiese fand der HSV-Stürmer aus halblinker Strafraumposition seinen Meister. Drei Minuten später: Der blendend aufgelegte Rafael van der Vaart spielt einen Traumpass auf David Jarolim, doch Wiese reagiert blitzschnell und ist den entscheidenden Tick schneller am Ball als der Hamburger.

 

Werder hätte sich zu diesem Zeitpunkt über einen Rückstand freilich nicht beschweren können. Der HSV präsentierte sich in der Vorwärtsbewegung geordneter und kreativer – vor allem dank van der Vaart. Dennoch kam auch Werder nach 27 Minuten zur ersten großen Tormöglichkeit. Eine optimal getimte Flanke von Diego fand den Kopf von Almeida, doch Frank Rost lenkte den Ball über die Latte.

 

Viele Nickligkeiten und ein spektakuläres Foul

 

Nach einer halben Stunde stellten beide Mannschaften das Fußballspielen dann leider weitgehend ein. Immer hektischer, immer unfairer wurde die ohnehin sehr bissig geführte Partie, und immer öfter musste Schiedsrichter Lutz Wagner unterbrechen. Zwei Szenen waren besonders unschön: Vincent Kompany verpasste Diego im Zweikampf bewusst einen Schlag mit dem Arm an den Kopf und sah dafür nicht einmal Gelb (32.). Noch mehr Glück hatte allerdings Werder-Torwart Tim Wiese, der zehn Minuten für ein grobes Foul an Ivica Olic – Wiese traf ihn mit dem Fuß am Kopf – mit einer Verwarnung bestens bedient war.

 

Almeida knallt den Ball unter die Latte

 

...Tim Wiese sieht für dieses Foul an Olic auch nur "Gelb"...

Der Spielfluss ging angesichts der zahllosen Fouls und Nickligkeiten völlig verloren. Erst nach der Pause schienen sich die Gemüter ein wenig beruhigt zu haben. Werder, inzwischen mit Patrick Owomoyela für Petri Pasanen (muskuläre Probleme), spielte jetzt wieder Fußball. Und wie: Markus Rosenberg behauptete den Ball im Strafraum gegen Bastian Reinhardt, legte ihn mit Übersicht zurück an die Strafraumgrenze – und dort holte Hugo Almeida den Hammer raus. Mit voller Wucht knallte der Portugiese die Kugel in den rechten Torgiebel – rumms, 0:1!

 

Die Freude wich indes bald der Ernüchterung. Nach einem Trikotzupfer gegen van der Vaart sah der bereits verwarnte Kapitän Baumann in der 57. Minute die Ampelkarte. Nun drohte das Spiel zu kippen. Die Grün-Weißen, fortan mit dem defensiveren Jurica Vranjes anstelle von Hugo Almeida, zogen sich ungewohnt tief in die eigene Hälfte zurück und gerieten unter Dauerdruck der Hamburger. Große Chancen kamen dabei allerdings kaum zustande, zu planlos wirkte das Anrennen.

 

Trotzdem stockte manchem Werder-Fan noch mehrmals der Atem. Doch Wiese war gegen van der Vaart zur Stelle (71.), Mertesacker warf sich in einen Olic-Schuss (73.), Sorin verfehlte eine Atouba-Flanke (74.) – und kurz vor Schluss segelte ein abgefälschter Trochowski-Freistoß äußerst knapp am Bremer Tor vorbei (87.).

 

...und Hugo Almeida erzielt das Tor des Tages.

Das war’s – zumindest, was die Torchancen betrifft. Den Schlusspunkt bildete ein weiterer Platzverweis: Vranjes geriet mit Atouba aneinander, ließ sich provozieren und fasste seinem Gegenspieler schließlich ins Gesicht – Rot (90.). Nach dreiminütiger Nachspielzeit pfiff der Schiedsrichter ab und die verbliebenen neun Grün-Weißen fielen sich in die Arme. Die Champions-League-Ränge sind Werder Bremen nach diesem Sieg nicht mehr zu nehmen.

 

von Kevin Kohues