Lange zu leblos: Werder verliert auch gegen Duisburg

Fassungslos: Per Mertesacker und Naldo kassierten mit Werder die zweite Bundesliga-Heimniederlage in Folge.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der grün-weiße Abwärtstrend in der Bundesliga setzte sich sich auch gegen den MSV Duisburg unvermindert fort. Nach zwei völlig unterschiedlichen Spielhälften verlor Werder Bremen sein Heimspiel gegen den Tabellenletzten mit 1:2 (0:2). Die Schaaf-Elf spielte bis zur Pause erschreckend schwach und geriet verdient in Rückstand – Ivica Grlic per direktem Freistoß (32.) und Manasseh Ishiaku (42.) trafen. Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Bremer dann zwar wie ausgewechselt, kamen durch einen Diego-Freistoß aber nur noch zum Anschlusstreffer (58.). Alles Anrennen und zig Chancen in der Folge halfen nichts mehr – Werder kassierte die fünfte Niederlage im neunten Rückrundenspiel.

 

“Merte“, Jensen und Klasnic zurück in der Startelf

 

Dabei waren die personellen Voraussetzungen vor der Partie so gut gewesen wie lange nicht mehr. Alle Spieler bis auf Pierre Womé fit – Thomas Schaaf hatte schon bei der Berufung des 18er-Kaders die Qual der Wahl. Er entschloss sich zu drei Umstellungen seiner Startformation: Per Mertesacker kehrte nach abgelaufener Rotsperre in die Innenverteidigung zurück (für Petri Pasanen), im Sturm lief Ivan Klasnic neben Aaron Hunt auf (anstelle von Markus Rosenberg und dem nicht in den Kader berufenen Hugo Almeida). Außerdem spielte Daniel Jensen nach auskurierter Leistenzerrung im linken Mittelfeld und nahm die Position des nach vorne gerückten Hunt ein.

 

Fehlerhaft und ohne Leidenschaft

 

Chancenlos: Daniel Jensen und Co. zogen im Zweikampf gegen die tief stehende Duisburger Abwehr in der ersten Hälfte meist den Kürzeren.

Alles Maßnahmen, die auf Besserung nach den zuletzt enttäuschenden Auftritten hoffen ließen. Doch das Gegenteil trat zunächst ein. Selten hatten die knapp 40.000 Zuschauer im Weser-Stadion wohl einen lebloseren Auftritt ihrer Mannschaft gesehen wie in dieser ersten Hälfte gegen den Abstiegskandidaten aus Duisburg. Ohne Biss, ohne die nötige Konzentration und durchzogen von teilweise haarsträubenden Fehlern ging Werder zu Werke und wurde dafür zurecht bestraft. Nachdem Schlussmann Tim Wiese einen Kopfball von Adam Bodzek gerade noch so aus der rechten Ecke gefischt hatte (18.), zirkelte Ivica Grlic einen Freistoß aus 18 Metern zentraler Position über die Bremer Mauer hinweg direkt ins Tor (32.). Ein Schock für die Grün-Weißen, die zuvor selbst mehr oder minder stark auf die Führung gedrängt und durch Schüsse von Kapitän Frank Baumann (25.) und Daniel Jensen (28.) auch zwei Chancen zum 1:0 vergeben hatten.

 

Ishiaku sorgt für kollektiven Schock

 

Nach dem Gegentor aber klappte nichts mehr bei den nun verunsichert wirkenden Werderanern. Die Gäste aus dem Ruhrpott zeigten ihrem Gegner, wie man in der Defensive kompakt und aufmerksam arbeitet – und nach vorne mit blitzschnellen Kontern zum Erfolg kommen kann. Ein langer Ball von Verteidiger Björn Schlicke fand Stürmer Manasseh Ishiaku, der Naldo im Zweikampf düpierte und Wiese mit einem harten und platzierten Schuss ins rechte Eck keine Abwehrchance ließ – 0:2 (42.).

 

Mit einem Pfeifkonzert verabschiedeten die Bremer Fans ihr Team in die Kabine. Und dort tat sich so einiges. Thomas Schaaf entschied sich zu zwei mutigen Wechseln und brachte mit Markus Rosenberg und Boubacar Sanogo für Sebastian Boenisch und Frank Baumann zwei weitere Stürmer. Nominell tummelten sich nun vier Werder-Angreifer auf dem Platz, wobei Ivan Klasnic auf die linke Außenbahn und Aaron Hunt ins offensive Mittelfeld rückten.

 

Vehementes Drängen, aber nur Diego trifft

 

Harmlos: Naldo bedrängt Ishiaku im Laufduell nur zaghaft und muss zusehen, wie der bullige MSV-Stürmer das 0:2 erzielt.

Die Wechsel und wohl auch die Pausenansprache von Cheftrainer Schaaf verfehlten ihre Wirkung nicht. Werder präsentierte sich ausgewechselt, zeigte nun den vorher schmerzlich vermissten unbedingten Willen, Tore zu erzielen und das Spiel noch zu drehen. Chancen dazu erspielten sich die Grün-Weißen jetzt ebenfalls zuhauf. Doch in der Verwertung offenbarte sich einmal mehr eine Schwäche, die schon seit einigen Wochen bekannt ist. So scheiterte Klasnic am Duisburger Torwart Tom Starke, Rosenbergs aussichtsreicher Schuss wurde abgeblockt und Diego schoss aus spitzem Winkel über das Tor – um nur die besten Möglichkeiten der stürmischen Phase bis zur 58. Minute zu nennen.

 

Dann aber war es endlich soweit: Diego flankte einen Freistoß von der linken Außenbahn in den Strafraum, der Ball segelte an Freund und Feind vorbei und landete schließlich ohne weitere Berührung im Tor. Die Hoffnung auf den Ausgleich wurde größer, Werder drückte weiter. Doch ein zweites Tor wollte gegen die geschickt verteidigenden Duisburger nicht mehr fallen, die Hypothek des Zwei-Tore-Rückstands erwies sich letztlich trotz enormer Anstrengungen als zu groß.

 

Spannend bis zum Schluss blieb es im übrigen nur, weil der MSV es nicht verstand, beste Konterchancen durch Ishiaku (64.) und Niculescu (82.) zum entscheidenden dritten Tor zu nutzen. Was am Ende freilich egal war: Duisburg entführte nicht unverdient als zweite Gastmannschaft in Folge drei Punkte aus dem Weser-Stadion – und ließ einmal mehr tief enttäuschte Werderaner zurück.

 

von Kevin Kohues