Rot für Diego - zehn Werderaner scheitern an Nikolov

Ivan Klasnic sorgte in der zweiten Halbzeit für einen arbeitsreichen Tag bei seinem Gegenspieler Sotirios Kyrgiakos. Obwohl sich Werders Stürmer öfter durchsetzte, schaffte er nicht mehr den Ausgleich.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Sebastian Boenisch stand gegen Frankfurt das erste Mal überhaupt in einer Werder-Startelf.

Mit 0:1 unterlag Werder Bremen im Auswärtsspiel am Samstag, 23.02.2008, bei der Frankfurter Eintracht. Vor 51.500 Zuschauern in der Commerzbank-Arena zeigte sich Werder lange Zeit spielbestimmend, zum Ende dieser überlegen geführten ersten Halbzeit erhielt aber Diego von Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer wegen einer Tätlichkeit die rote Karte (40.). Nach der Pause nutzte Ioannis Amanatidis dann eine Unachtsamkeit im Spielaufbau der Grün-Weißen zur Eintracht-Führung (58.), ehe Werder auch in Unterzahl das Spiel wieder an sich nahm. Dabei kamen die Bremer zwar immer wieder zum Torabschluss, doch der Keeper der Gastgeber, Oka Nikolov parierte mehrmals in höchster Not und rettete damit seiner Mannschaft die drei Punkte.

 

Der Beginn dieser Partie war allerdings weniger aufregend, als die Schlussphase. Die Reisestrapazen nach dem UEFA-Cup-Spiel in Braga am späten Donnerstagabend waren den Bremern in der Anfangsphase deutlich anzumerken. Auch dass Cheftrainer Thomas Schaaf mit Boubacar Sanogo, Ivan Klasnic und Sebastian Boenisch drei frische Leute brachte, verlieh dem Bremer Spiel zunächst keine Spritzigkeit, da das Mittelfeld zu verhalten agierte. Dort stand der Brasilianer Diego nach seiner Pause im UEFA-Cup wieder zur Verfügung.

 

Die rote Karte gegen Diego: Ergebnis von Provokationen, aber eine vertretbare Entscheidung.

Im Gegensatz zu ihren Gästen begannen die Frankfurter einsatzfreudiger. Gleich in der zweiten Minute fiel Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis die erste Chance auf den Fuß - ein Querschläger landete beim völlig frei stehenden Griechen, der sofort abzog, doch Tim Wiese parierte mit einem glänzenden Reflex. In der Folge übernahm Werder dann gemächlich Regie. Doch in einer Halbzeit mit häufigen Unterbrechungen durch Nickeligkeiten vor allem auf Eintracht-Seite entstanden kaum Strafraumszenen. Denn sobald sich Diego ins Offensivspiel seines Teams einschaltete, standen ihm die Frankfurter, allen voran der Japaner Inamoto auf den Füßen.

 

Daraus ergab sich dann die erste Möglichkeit für Werder, doch der zugesprochene Freistoß von Naldo aus 30 Metern Torentfernung strich knapp am linken Pfosten vorbei (20.). Die nächste Torchance ergab sich eher zufällig. Klasnic war auf der linken Seite durchgebrochen und wollte den im Zentrum lauernden Sanogo einsetzen. Inmitten des Flugs änderte die Flanke allerdings die Richtung und tropfte an den rechten Innenpfosten (26.). Von der Eintracht war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts mehr zu sehen. Das lag an einer konzentrierten Leistung der Werder-Hintermannschaft, die die zwei schnellen Stürmer der Hessen – Amanatidis und Martin Fenin - immer wieder ins Abseits laufen ließen.

 

Um die Werder-Stürmer auf der Gegenseite kümmerte sich derweil Sotirios Kyrgiakos. Immer wieder stieg er gegen Klasnic und Sanogo forsch ein. Auch an der entscheidenden Szene der ersten Halbzeit war der Grieche beteiligt. Nachdem er zunächst Diego fair vom Ball getrennt hatte gab er dem kleinen Brasilianer noch einige Worte mit auf den Weg. Dieser revanchierte sich mit einem Bodycheck. Schiedsrichter Fleischer beobachtete den Vorfall und nach Absprache mit seinem Assistenten schickte er Diego mit der roten Karte vom Feld. Es ist der erste Platzverweis für Werders Nummer zehn überhaupt.

 

Eintracht-Torwart Oka Nikolov wurde zum entscheidenden Mann für sein Team.

Nach der Pause begannen die Gastgeber wie erwartet mit mehr Spielanteilen. Die sich durch die Überzahl bietenden Freiräume nutzte Eintracht allerdings schlecht. Erst ein Lapsus im Spielaufbau Werders brachte Amanatidis in Position. Boenisch, der insgesamt ein gutes Debüt von Beginn an gab, legte den Ball in die Mitte, wo ein Frankfurter dazwischenspritzte und das Leder in den Lauf von Amanatidis schickte. Der hatte keine Probleme, den weit vor seinem Kasten stehenden Wiese zu überwinden und schoss zur Führung ein (58.).

 

Werder bewies nun aber, dass es auch mit zehn Mann in der Lage ist, sich gefährlich vor das Gästetor zu kombinieren. Nur drei Minuten nach dem Gegentreffer begannen die Grün-Weißen mit einem wahren Sturmlauf, der den Gastgebern kaum noch Entlastung ließ. Zunächst griffen mit Klasnic, Borowski und Sanogo nur drei Grün-Weiße offensiv ein, dann aber drängten die Bremer mit Übermacht in den Frankfurter Strafraum. Dort erwartete sie allerdings ein prächtig aufgelegter Schlussmann Oka Nikolov. Egal, welcher der Bremer es probierte – erst Klasnic (61., 63.), dann Boenisch (65.) und Borowski (73.), Nikolov fischte einen Ball nach dem anderen heraus. Schließlich probierte es Naldo (78.). Mit Urgewalt hämmerte er einen Freistoß aus 25 Metern ins rechte obere Eck. Doch wieder flog Nikolov richtig und entschärfte auch diesen Torschuss. So blieb es bei einem letztlich schmeichelhaften Frankfurter Sieg.

 

von Felix Ilemann