Feuerwerk zum Fest: Werder – Leverkusen 5:2

Anfangs unauffällig, später gewohnt genial: Diego. Das Tor zum 2:1 war schon der neunte Saisontreffer des Brasilianers.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Sie trugen Tannenbäume auf ihren Trikots, doch die Leistung der Werder-Profis erinnerte eher an Silvester. Denn die Grün-Weißen brannten beim 5:2 im Spitzenspiel gegen Bayer 04 Leverkusen ein Feuerwerk vom Feinsten ab.

Zwar schoss Tranquillo Barnetta die forsch aufspielenden Gäste schon nach sechs Minuten in Führung. Doch mit zunehmender Spielzeit fand Werder immer besser in die Partie und kam nach einer halben Stunde zum verdienten Ausgleich durch Ivan Klasnic. Nach der Pause schossen Diego (50.), Clemens Fritz (57.), erneut Klasnic (63.) und Markus Rosenberg (69.) die Grün-Weißen in furioser Manier zum Sieg. Stefan Kießlings Tor zum 2:5 (77.) war nur noch Ergebniskosmetik.

 

Vier Tage nach dem bitteren Champions-League-Aus in Piräus lösten bei Werder zwei Wiedergenesene zwei neuerlich Verletzte ab. Ivan Klasnic kam für Boubacar Sanogo (Bluterguss) zu seinem Heim-Comeback in der Startelf, während Per Mertesacker in der Innenverteidigung für Frank Baumann (Adduktorenprobleme) auflief.

 

Bayer mit dem besseren Start

 

Kurzer Arbeitstag: Tim Borowski - hier im Zweikampf mit Stefan Kießling - wurde bereits nach 31 Minuten ausgewechselt.

Das mit Spannung erwartete Duell zwischen dem Tabellenzweiten Werder und dem Tabellenvierten Bayer begann so gar nicht nach dem Geschmack der Grün-Weißen. Bayer begann kess, profitierte beim frühen Führungstor allerdings von einem Fehlpass der Bremer. Nach einem Mertesacker-Ballverlust in der Vorwärtsbewegung spielte Paul Freier einen blitzschnellen Pass auf den durchstartenden Tranquillo Barnetta, der dem herausstürmenden Tim Wiese aus 16 Metern keine Chance ließ (6.).

 

Zwar hatte Tim Borowski schon vier Minuten später den Ausgleich auf dem Fuß, doch insgesamt war Bayer in der ersten halben Stunde besser. Die Gäste überzeugten sowohl technisch als auch taktisch, nahmen die Bremer Offensivabteilung um Diego zunächst völlig aus dem Spiel. In der 28. Minute besaß Stefan Kießling die große Chance zum 0:2, scheiterte nach einem Fehler von Daniel Jensen aber an Tim Wiese.

 

Klasnic’ Weihnachtsmärchen

 

Etwas überraschend, aber klasse vorbereitet fiel in der 30. Minute der Ausgleich. Diego setzte mit einem gefühlvollen Heber Borowski ein, dessen Schuss von Bayer-Schlussmann René Adler nur abgeklatscht werden konnte. Die Chance für Ivan Klasnic, der genau da stand, wo ein Torjäger stehen muss. Der Kroate schaltete schnell, schob den Ball über die Linie – und erzielte damit sein erstes Tor nach der Nierentransplantation. Die lange Leidenszeit – endgültig vergessen!

 

Trotz des Ausgleichstors überraschte Cheftrainer Thomas Schaaf unmittelbar danach mit gleich zwei Wechseln, nahm Kapitän Borowski und Jurica Vranjes vom Feld und brachte dafür Aaron Hunt und Leon Andreasen. Werder wurde nun immer stärker und hatte vor der Pause noch zwei gute Gelegenheiten zur Führung – beide Male durch Ivan Klasnic (35., 45.). Zudem verweigerte Schiedsrichter den Grün-Weißen nach einem Foul des bereits verwarnten Karim Haggui an Markus Rosenberg den fälligen Strafstoß (42.).

 

Furios: vier Tore in 19 Minuten

 

Nur Fliegen ist schöner: Diego nach dem 2:1.

Doch die Werderaner brauchten sich nicht lange zu ärgern. Halbzeit hin, Halbzeit her – fortan wirbelte nur noch Grün-Weiß. Und die 40.000 Zuschauer wurden einmal mehr mit tollen Toren regelrecht verwöhnt. Diego machte in der 50. Minute den Anfang, traf nach starkem Einsatz von Jensen und Vorlage von Rosenberg aus halbrechter Position per Flachschuss ins linke untere Toreck. Top-Techniker Jensen spielte auch sieben Minuten eine entscheidende Rolle. Mit einem Steilpass auf Clemens Fritz leitete er das 3:1 ein, das der deutsche Nationalspieler aus ähnlicher Position wie zuvor Diego erzielte.

 

Doch Werder hatte noch längst nicht genug – am wenigsten Ivan Klasnic, der wie seine Mitspieler nun durch eine explosive Mischung aus Spielfreude, Einsatz und Leidenschaft zu begeistern wusste. Und das Weihnachtsmärchen des Kroaten fand in der 63. Minute seine Fortsetzung. Eigentlich wollte Klasnic per Hacke auf Andreasen passen, doch Barnetta ging dazwischen und legte damit ungewollt für den Werderaner mit der Nummer 17 auf, der direkt abzog und den Ball präzise im linken Eck versenkte. Eine Traumkombination über Jensen, Diego und Klasnic brachte weitere sechs Minuten gar das 5:1. Rosenberg vollendete die furiose Ballstafette mit seinem fünften Saisontor.

 

Stehende Ovationen für Ivan

 

Klar, das Spiel war nun endgültig und deutlich entschieden. Anlass für die Werderaner, etwas nachzulassen. Leverkusen schlug noch einmal zurück, doch letztlich blieb Kießlings Treffer zum 2:5 ohne Bedeutung. Stattdessen feierten die Werder-Fans zunächst Ivan Klasnic bei seiner Auswechselung in der 85. Minute mit stehenden Ovationen, nach dem Schlusspfiff dann die ganze Mannschaft.

 

von Kevin Kohues