Verdientes 3:2 gegen Hertha: Werder setzt sich oben fest

Gewohntes Bild in den letzten Wochen: Hugo Almeida und Diego klatschen nach einer gelungenen Aktion ab - hier nach dem 1:0 gegen Hertha BSC.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Fünf Mal in Folge ungeschlagen, drei Mal hintereinander gewonnen und in der Tabelle vorerst auf Platz zwei vorgerückt: Werder Bremen setzt seine Erfolgsserie in der Bundesliga mit einem hoch verdienten 3:2-Erfolg gegen Hertha BSC Berlin fort.

Nach torloser erster Hälfte drehten die Grün-Weißen auf und kamen durch Hugo Almeida zum Führungstor (57.). Dem schnellen Ausgleich durch Gilberto (61.) folgte prompt das 2:1 von Markus Rosenberg (62.). Leon Andreasen sorgte mit seinem Treffer zum 3:1 für die Vorentscheidung (74.). Und Solomon Okoronkwos Anschlusstreffer in der Nachspielzeit brachte den Bremer Sieg nicht mehr in Gefahr.

 

Wiese wieder auf dem Rasen

 

Nordlichter unter sich: Werders Finne Petri Pasanen attackiert Herthas Schweden Tobias Grahn.

Nach der Länderspielpause wartete Cheftrainer Thomas Schaaf mit zwei personellen Änderungen im Vergleich zum 3:1-Sieg in Duisburg auf. Der wiedergenesene Tim Wiese kehrte für Christian Vander ins Tor zurück, und Hugo Almeida spielte für Markus Rosenberg im Sturm neben Boubacar Sanogo.

 

Die Grün-Weißen brauchten einige Minuten zum „Warmwerden“, kamen dann aber immer besser ins Spiel. Viel lief durch die Mitte – wie gewohnt mit Diego als Dreh- und Angelpunkt – aber auch die Außen Petri Pasanen (links) und Clemens Fritz (rechts) unternahmen zahlreiche Vorstöße in die gegnerische Hälfte. Da Hertha gut stand und in der Defensive aufmerksam agierte, endeten die Bremer Kombinationen in der ersten Hälfte jedoch meist vor dem Strafraum.

 

Nennenswerte Torchancen gab es auf beiden Seiten kaum. 61 Prozent Ballbesitz verdeutlichten nach einer halben Stunde zwar die Bremer Dominanz, mehr als ein gefährlicher Freistoß von Diego (27.) war jedoch nicht dabei herausgekommen. Die beste Chance vor der Halbzeit hatte die Hertha mit einem Konter. Nach Zuspiel von Pal Dardai sprintete Tobias Grahn über die rechte Außenbahn und legte den Ball nach innen zu Gilberto, der frei vor Wiese über den Ball trat (44.).

 

Mehr Druck nach der Pause

 

Personell unverändert, aber deutlich zielstrebiger und druckvoller kamen die Werderaner aus der Kabine. Die Kombinationen wurden schneller, die Angriffe zwingender, Chancen im Minutentakt waren die Folge. Hugo Almeida machte mit einem Rechtsschuss den Anfang – Hertha-Keeper Jaroslav Drobny hielt im Nachfassen (46.). Es folgte eine klasse Ablage von Daniel Jensen auf Diego, doch Gäste-Kapitän Arne Friedrich bekam ein Bein in den Schuss und klärte zur Ecke (48.). Dann legte Sanogo per Hacke für Fritz auf, der knapp mit einem Schlenzer scheiterte (50.). Werder war zu diesem Zeitpunkt sehr weit aufgerückt – die Innenverteidiger Naldo und Per Mertesacker agierten auf Höhe der Mittellinie – und dominierte die Hertha nach Belieben.

 

Die bis dahin größte Chance des Spiels erspielte sich die Schaaf-Elf in der 51. Minute. Torsten Frings setzte Diego ein, der Brasilianer hämmerte den Ball aus 17 Metern an die Querlatte, und auch der Nachschuss von Tim Borowski war einen Tick zu ungenau. Weiter nur 0:0, langsam wurde es ärgerlich. Zumal die Hertha inzwischen mitspielte und zunehmend selbst ihr Heil in der Offensive suchte.

 

Almeidas historisches Tor

 

Hohes Niveau: Vor allem in der zweiten Hälfte lieferten sich Werder - hier mit Daniel Jensen - und Hertha - hier mit Gilberto - einen offensiven Schlagabtausch.

Prompt fiel das erste Tor – für Werder und durch einen Konter. Diego setzte Almeida ein, der sämtliche Hertha-Verteidiger hinter sich ließ und den Ball alleine vor Drobny mit einem flachen, wuchtigen Linksschuss versenkte – 1:0 (57.). Allerdings währte die Freude über Werders 2500. Tor in der Bundesligageschichte nicht allzu lange. Denn nur vier Minuten belohnten sich die Berliner für ihre jetzt mutigere Spielweise. Patrick Ebert lupfte die Kugel zu Gilberto, der sie vor dem herausstürzenden Wiese mit der Fußspitze erwischte und ins Tor hob – 1:1.

 

Werder zeigte sich indes ebenso wenig beeindruckt wie zuvor die Hertha – und legte unmittelbar nach Wiederanpfiff ein zweites Tor nach. Hugo Almeida verlängerte einen Diego-Pass per Kopf zum gerade eingewechselten Markus Rosenberg, der mit einer klasse Direktabnahme ins kurze Eck traf – 2:1.

 

Andreasen macht alles klar

 

Die Bremer blieben dran, wollten die Führung nicht nur verteidigen, sondern weiter ausbauen. Frings (67.) und Naldo per Freistoß (72.) scheiterten noch an Drobny, doch mit dem ebenfalls eingewechselten Leon Andreasen stach auch Schaafs zweiter „Joker“. Nach Zuspiel von Frings setzte sich der Däne stark gegen Hertha-Verteidger Steve von Bergen durch und kam vor Friedrich zum Schuss. Ein entschlossener und platzierter Abschluss ins linke Eck – und es stand 3:1.

 

Das Tor hatte vorentscheidenden Charakter. Hertha war fortan auf Schadensbegrenzung aus, Werder glänzte vor allem durch den einmal mehr überragenden Diego mit spielerischer Leichtigkeit. Und hätte ohne Weiteres noch mehr Treffer erzielen können. Die besten Möglichkeiten in der Schlussphase vergaben Daniel Jensen (81.) und Diego (84.). Statt 4:1 oder 5:1 hieß es so am Ende „nur“ 3:2, da die Berliner durch Solomon Okoronkwo in der Nachspielzeit noch zu einem zweiten Tor kamen. Doch am hoch verdienten Bremer Sieg änderte dies nichts mehr.

 

von Kevin Kohues