2:2 in Bochum: Werder verspielt Zwei-Tore-Vorsprung

Werder-Verteidiger Naldo kommt vor Bochums starkem "Zehner" Joel Epalle zum Kopfball.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat zum Auftakt der Bundesliga-Saison 2007/08 ein 2:2-Unentschieden beim VfL Bochum erreicht. Die Grün-Weißen gingen durch einen verwandelten Elfmeter von Diego in Führung, nachdem VfL-Torwart Jan Lastuvka Boubacar Sanogo zu Fall gebracht hatte (39.). Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff nutzte Sanogo eine gefühlvolle Freistoß-Hereingabe von Diego per Kopf zum 2:0. Doch nach der Pause schlugen die Bochumer zurück. Stanislav Sestak (47.) und Tommy Bechmann (49.) stellten innerhalb von nur zwei Minuten den Ausgleich her, bei dem es in einer fortan ausgeglichenen zweiten Hälfte bis zum Ende blieb.

 

Cheftrainer Thomas Schaaf änderte seine Mannschaft im Vergleich zum DFB-Pokal-Spiel in Braunschweig vor einer Woche auf zwei Positionen. Clemens Fritz ersetzte Peter Niemeyer auf der Position des rechten Verteidigers in der Viererkette, Leon Andreasen rückte für den verletzten Carlos Alberto (Leistenprobleme) ins Mittelfeld und kam als „Sechser“ vor der Abwehr zum Einsatz.

 

Starke Bochumer Anfangsphase

 

Der VfL Bochum legte vor eigenem Publikum einen frechen und temporeichen Auftritt hin, Werder musste sich in der Anfangsphase eines Bochumer Angriffs nach dem anderen erwehren. Die Heimmannschaft wirkte wacher und spritziger als die Grün-Weißen, besonders Joel Epalle, der als hängende Spitze genau wie Sturm-Neuzugang Stanislav Sestak sehr variabel agierte, zeigte sich in starker Form.

 

Die erste große Torchance für den VfL entstand dennoch eher zufällig, da Dennis Grote den Ball nach einem Seitenwechsel von Sestak auf dem linken Flügel gar nicht richtig traf, ehe er sich in hohem Bogen auf die Latte senkte (12.). Von Werders Offensive war bis dahin überhaupt nichts zu sehen, zu stark war der Bochumer Druck.

 

Das erste Werder-Tor der neuen Saison: Diego verwandelt einen Elfmeter gegen Bochums Torwart Jan Lastuvka.

Nach einer Viertelstunde gelang es der Schaaf-Elf jedoch, das bis dahin sehr hohe Spieltempo zu drosseln und die Partie mehr und mehr unter Kontrolle zu bekommen. Diego sorgte mit einem tückischen, weil flatternden Schuss für erste Torgefahr (16.). Erneut der Brasilianer hatte nach 21 Minuten die große Chance zur Führung auf dem Fuß. Markus Rosenberg legte nach einem Konter quer zu Diego, der aus 16 Metern stramm in Richtung rechtes unteres Eck abzog, doch VfL-Torwart Lastuvka lenkte den Schuss um den Pfosten. Den folgenden Eckstoß erwischte Abwehr-„Laterne“ Per Mertesacker mit dem Kopf, Grote schlug den Ball jedoch noch auf der Linie weg.

 

Jetzt zunehmend unter Druck, blieb Bochum dennoch weiter gefährlich. Rechtsverteidiger Matias Concha erkämpfte sich gegen Borowski den Ball und passte auf Epalle, der sich blitzschnell drehte und knapp am rechten unteren Eck des Werder-Tores vorbeizielte (31.).

 

Werders erstes Saisontor: ein Elfmeter

 

Der erste Treffer des Spiels blieb den Grün-Weißen vorbehalten. Voraus ging eine strittige Situation. Bochums Martin Meichelbeck brachte Lastuvka mit einem schlampigen Rückpass in Verlegenheit, Sanogo spritzte heran und kam im Duell mit dem Torwart zu Fall – Schiedsrichter Knut Kircher entschied auf Foul und Elfmeter. Ein Fall für Diego: Der Brasilianer schoss zwar nicht perfekt platziert, aber so hart, dass Lastuvka den Ball nicht mehr erfolgreich ablenken konnte – 0:1.

 

Und Werder legte nach, wieder nach einer Standardsituation. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte brachte Diego einen Freistoß von der linken Seite mit Effet in den Strafraum, wo Sanogo hochstieg und einnickte – sein erster Bundesligatreffer für Werder und zugleich der 0:2-Halbzeitstand.

 

Führung blitzschnell verspielt

 

Sahen sich häufig: Diego und sein "Bewacher", VfL-Kapitän Thomas Zdebel.

Eigentlich ein beruhigender Vorsprung beim erklärten „Lieblingsgegner“ der Grün-Weißen – so konnte man denken. Für die Schaaf-Schützlinge war er indes augenscheinlich zu beruhigend, denn sie kamen auffällig schläfrig aus der Kabine. Der VfL präsentierte sich dagegen wie schon zu Beginn der ersten Hälfte bissig, hochkonzentriert und hatte im Zweikampf meist die Nase vorn. So auch in der 47. Minute: Freigespielt von Epalle, versuchte es Sestak halbrechts im Strafraum mit einem Schuss aufs kurze Eck, den Christian Schulz abblockte. Doch Sestak setzte entschlossen nach und hämmerte den Ball vor dem hereingrätschenden Naldo zum 1:2 in die Maschen.

 

Und es kam noch dicker für Werder: Keine zwei Minuten später setzte sich der Ex-Bremer Christoph Dabrowski gegen Naldo durch und flankte auf Bechmann, der in der Mitte völlig frei einschießen konnte – Clemens Fritz und Wiese kamen zu spät.

 

Die Führung war verspielt, das Spiel wieder völlig offen. Die Grün-Weißen bemühten sich nun erfolgreich um eine erneute Beruhigung der Partie und dominierten das Spiel zumindest optisch, was 61% Ballbesitz unterstreichen. Richtig gute Torchancen gab’s allerdings erst in der Schlussphase wieder, und zwar auf beiden Seiten.

 

Mertesackers „Last-Minute“-Chance

 

Bochums Epalle (83.) und Maltritz (87.) scheiterten beide an Tim Wiese, während der für Rosenberg eingewechselte Kevin Schindler nach Diego-Pass in Lastuvka seinen Meister fand (90.). Ein Mertesacker-Schuss nach Diego-Ecke war die letzte Möglichkeit für Werder, den Auftakt mit einem „Dreier“ zu beenden, doch Lastuvka und Epalle retteten mit vereinten Kräften auf der Linie.

 

von Kevin Kohues