0:0 in Cottbus: Werder scheitert an der Lausitzer Mauer

Miro Klose hatte gegen die Cottbuser um Vragel da Silva einen schweren Stand.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen ist am 27. Spieltag der Fußball-Bundesliga nicht über ein torloses Unentschieden beim FC Energie Cottbus hinausgekommen. Trotz 90-minütiger Dominanz gelang es den Grün-Weißen nicht, den Ball im Tor der extrem defensiv eingestellten Gastgeber unterzubringen. Die Statistik aus Werder-Sicht: 73,2 % Ballbesitz, 22:8 Torschüsse, 4:0 Ecken. Damit ist eigentlich schon alles gesagt über ein Spiel, das einseitiger kaum hätte laufen können.

 

Hunt trifft, steht aber im Abseits

 

Dribbelnder Dreh- und Angelpunkt des Bremer Spiels: Diego, hier bedrängt von Cottbus-Kapitän Kevin McKenna.

Die erste strittige Situation ereignete sich in der sechsten Minute, als Diego einen feinen Pass aus dem Fußgelenk auf Miro Klose spielte, der anschließend im Duell mit Energie-Torwartlegende Tomislav Piplica zu Fall kam. Schiri Knut Kircher entschied: Kein Elfmeter. Werder, das mit einer personellen Änderung (Hunt für Almeida) begann, blieb in der Folge spielbestimmend, kam aber zu selten zum Abschluss. Die Cottbuser beschränkten sich darauf, mit zehn Mann den eigenen Strafraum zu bewachen – und das taten sie mit durchschlagendem Erfolg.

 

Die beste Chance der ersten Hälfte ergab sich in der 17. Minute. Piplica hielt einen Diego-Freistoß nicht fest, Klose legte den Abpraller für Hunt auf, der nur noch ins leere Tor einzuschieben brauchte. 1:0 für Werder? Denkste. Das Schiedsrichter-Gespann hatte eine Abseitsstellung von Hunt gesehen und erkannte den Treffer zurecht nicht an. Geschäftsführer Klaus Allofs fasste das bisher Gesehene zur Pause treffend zusammen: „Cottbus macht uns die Aufgabe hier sehr schwer. Aber wenn es Gerechtigkeit gibt im Fußball, fällt in der zweiten Hälfte das Tor auf der richtigen Seite.“

 

“Merte“ trifft, aber nur die Latte

 

Doch Gerechtigkeit sollte Werder an diesem Samstag im gut gefüllten Stadion der Freundschaft nicht widerfahren. Denn in der zweiten Halbzeit sahen die 20.344 Zuschauer das gleiche Bild wie zuvor. Cottbus stand tief, Werder drückte und drückte, doch der letzte Tick im Abschluss fehlte.

 

Bot gemeinsam mit Per Mertesacker erneut eine souveräne Vorstellung in der Innenverteidigung: Naldo.

Chancen ergaben sich gegen die kompakte Energie-Abwehr weiterhin nur sporadisch: Diego setzte in der 55. Minute Aaron Hunt ein, doch dem Jungstürmer versprang der Ball – da Silva konnte klären. Und Miroslav Klose war einmal mehr ein Synonym für Pech. Sein gut angesetzter Kopfball nach Eckball von Frings wurde abgeblockt (62.), einen schönen Jensen-Pass bekam er in den Rücken (68.). Die größte Möglichkeit der Werderaner aber hatte Per Mertesacker, und zwar mit dem Kopf. Doch die Latte verhinderte nach einer weiteren Frings-Ecke das erlösende Führungstor.

 

Wechsel ohne Wirkung

 

Werder steckte zwar nicht auf, doch mit zunehmender Spielzeit mischte sich mehr und mehr Ratlosigkeit in die Aktionen des Tabellenzweiten. Auch durch die Hereinnahme der Stürmer Hugo Almeida (73., für Vranjes) und Markus Rosenberg (81., für Klose) vermochte Thomas Schaaf keine Entscheidung mehr herbeizuführen. Stattdessen musste Tim Wiese in der 89. Minute erstmals (!) richtig eingreifen und rettete gegen den auf Cottbuser Seite eingewechselten Jiayi Shao zumindest den einen Punkt. Nach dreiminütiger Nachspielzeit war es dann amtlich: 0:0 in Cottbus, die Lausitzer Mauer war für Werder einfach nicht zu überwinden.

 

von Kevin Kohues