Borowski-Tor bringt einen Punkt im Nordderby

Wehende Mähnen im Nordderby: Torsten Frings im Zweikampf mit HSV-Neuzugang Juan Pablo Sorin.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Punkteteilung im Nordderby: Werder Bremen hat beim Hamburger SV am 5. Bundesliga-Spieltag ein 1:1 (0:0)-Unentschieden erreicht. Tim Borowski brachte die Grün-Weißen nach toller Vorarbeit von Clemens Fritz in der 58. Minute in Führung. Der Hamburger Ausgleich fiel zehn Minuten später durch einen Kopfball von Bastian Reinhardt nach Ecke von Mehdi Mahdavikia. Der Iraner im HSV-Dress sah zudem nach einer rüden Attacke gegen Diego in der 74. Minute die Rote Karte.

 

Werder musste im Prestigeduell vor 57.000 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena erneut auf Torjäger Miro Klose verzichten, der immer noch an seiner Fußprellung laboriert. Auch Verteidiger Per Mertesacker ist weiterhin nicht einsatzbereit, so dass die Grün-Weißen mit der gleichen Startelf wie beim 2:3 gegen Stuttgart antraten.

 

Diego und Co. feiern Tim Borowski für sein Führungstor.

In der temporeichen Anfangsphase zeigte sich Werder engagierter also noch vor einer Woche, doch es fehlte die klare Linie im Spiel nach vorne. Kleinere Torchancen ergaben sich zunächst nur nach Distanzschüssen durch Hugo Almeida (10.), Naldo (14.) und Diego (25.), wobei die beiden letzteren HSV-Keeper Sascha Kirschstein einige Probleme bereiteten.

 

HSV mit den besseren Chancen

 

Der HSV war die spielstärkere und ballsicherere Mannschaft, kam aber auch erst nach 23 Minuten zum ersten Mal gefährlich vor das Bremer Tor. Sanogo profitierte bei einem Konter über links von einem Sturz von Petri Pasanen und passte im richtigen Moment zu Ljuboja, der mit einem Flachschuss an Werder-Schlussmann Tim Wiese scheiterte.

 

Sechs Minuten später die zweite „Hundertprozentige“ für die Hausherren. Ljuboja schlug eine gut getimte Flanke auf Kompany, der völlig frei fünf Meter vor dem Bremer Tor am Ball vorbeisegelte. Wieder Glück für die Werderaner, die in dieser Szene nur als Zuschauer auffielen. Die dritte Großchance der Hamburger hatte David Jarolim, der nach Sanogo-Zuspiel auch ins Tor traf, dabei aber knapp im Abseits gestanden hatte (35.).

 

Von den Grün-Weißen war bis zur Halbzeit nichts mehr zu sehen, so dass der Halbzeitstand von 0:0 durchaus glücklich ausfiel. Nach der Pause ersetzte Christian Schulz den enttäuschenden Pierre Womé und verlieh der Abwehrkette mehr Sicherheit, wenn auch Akzente nach vorne ausblieben.

 

Borowskis Führung stellt Spiel auf den Kopf

 

Überhaupt wirkte das Bremer Aufbauspiel weiterhin pomadig und wenig zielstrebig, so dass Hamburg die bessere Mannschaft blieb. Umso überraschender, dass in der 58. Minute die Werderaner jubeln durften. Eine starke Szene von Clemens Fritz, der es auf Rechtsaußen mit zwei Gegenspielern aufnahm und einen klugen Pass auf Tim Borowski spielte, bereitete die Bremer Führung vor. Borowski selbst fackelte nicht lange und zog vom rechten Eck des Fünfmeterraums flach ab, Sekundenbruchteile später zappelte der Ball im langen Eck – 0:1!

 

Freundschaftliches Verhältnis trotz eines hitzigen Spiels: Die beiden Trainerkollegen Thomas Schaaf (li.) und Thomas Doll.

Damit hatte Werder den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf gestellt oder – positiver formuliert – die einzige echte Torchance optimal ausgenutzt. In der Folge wurde das Spiel hitziger, wozu auch einige HSV-Fans ihren Beitrag leisteten. Mehrmals flogen kleine Schnaps-Flaschen aus der Nordkurve in Richtung Tim Wiese, der zum Glück nicht getroffen wurde.

 

Reinhardt gleicht aus

 

Die Grün-Weißen gewannen durch die Führung etwas mehr Sicherheit und hätten durch Almeida nach einer guten Fritz-Flanke erhöhen können (66.). Doch der Portugiese verpasste die mögliche Vorentscheidung und wurde in der 69. Minute gegen Ivan Klasnic ausgetauscht. Zu diesem Zeitpunkt stand es statt 2:0 bereits 1:1. Nach einer Ecke von Mehdi Mahdavikia stieg Bastian Reinhardt zum Kopfball hoch und ließ Wiese mit einem platzierten Ball ins rechte untere Eck keine Chance – alles war wieder offen (68.). Für den Hamburger Torvorbereiter war das Spiel kurz darauf vorbei. Mahdavikia stieg gegen Diego im Mittelfeld dermaßen hart ein, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark ihm zurecht „Rot“ zeigte – und auch Diego verletzt vom Platz musste.

 

Für den Brasilianer kam Aaron Hunt (76.). Der U21-Nationalspieler führte sich mit einem Freistoß, den Clemens Fritz beinahe ins Tor gelenkt hätte, prima ein (79.). Doch es blieb die letzte Torchance eines lebhaften Nordderbys, das am Ende keinen Sieger fand. Werder stoppte damit eine Negativserie von vier Pflichtspiel-Niederlagen in Folge und darf das Unentschieden in Hamburg eher als Punktgewinn denn als Punkteverlust verbuchen.

 

von Kevin Kohues