Aus 2:0 wird 2:3: Werder verliert gegen Stuttgart

Ratlose Blicke im Fünferpack: Naldo, Petri Pasanen, Frank Baumann, Tim Wiese und Tim Borowski (v.l.).
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

2:0 geführt und doch verloren: So erging es Werder Bremen am 4. Bundesliga-Spieltag beim 2:3 (2:1) gegen den VfB Stuttgart. Nach einem Eigentor von Hilbert (4.) und einem sehenswerten Treffer von Mohamed Zidan (33.) lagen die Grün-Weißen vorn, mussten aber noch vor der Halbzeit den Anschlusstreffer durch Hilbert (38.) hinnehmen. Pardo glich in der 58. Minute zum 2:2 aus, ehe Gomez drei Minuten vor Schluss das Siegtor für den VfB erzielte.

 

Klose fällt kurzfristig aus

 

Die erste Hiobsbotschaft des Tages ereilte Cheftrainer Thomas Schaaf schon Stunden vor dem Anpfiff. Miroslav Klose hatte sich im Abschlusstraining eine Fußprellung zugezogen und fiel aus. Damit war der „K&K“-Sturm komplett außer Gefecht gesetzt – auch Ivan Klasnic fehlte mit Knöchelproblemen. „Eine Chance für Hugo Almeida und Mohamed Zidan“, so Schaaf vor dem Spiel.

 

Der neuformierte „A-Z“-Sturm brauchte aber zunächst gar nicht einzugreifen, denn das erste Werder-Tor nach nur vier Minuten schoss ein Stuttgarter. Nachdem Torsten Frings den Ball aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum geflankt hatte, sorgte eine ungewollte Kopfballstafette von Tasci und Hilbert für die Bremer Führung.

 

Diese Erfrischung nutzte nicht viel: Tim Borowski und Mohamed Zidan mit Thomas Schaaf am Spielfeldrand.

Die Grün-Weißen kontrollierten das Spiel in den Anfangsminuten und hätten durch einen Kopfball von Naldo nach Diego-Freistoß auf 2:0 erhöhen können (6.). Die Gäste aus Stuttgart wurden nach 12 Minuten durch eine Direktabnahme von Mario Gomez erstmals gefährlich – Wiese parierte. Zwei Minuten später tauchte wieder Gomez vor dem Bremer Tor auf, köpfte aber diesmal vorbei.

 

Da Werder es nicht schaffte, seine Angriffe gegen die kompakt stehenden Schwaben bis in den Strafraum zu tragen, versuchte es Diego nach 25 Minuten mal aus der Distanz. Sein starker Schuss konnte von VfB-Torwart Hildebrand gerade noch zur Ecke gelenkt werden – diese brachte jedoch nichts ein.

 

Zidans toller Lupfer

 

Das Spiel plätscherte nun vor sich hin und war auf beiden Seiten geprägt von Ungenauigkeiten und Ideenlosigkeit. Dennoch fielen vor der Halbzeit quasi aus dem Nichts noch zwei Tore. Werder-Kapitän Frank Baumann überrumpelte die gesamte VfB-Mannschaft mit einem langen hohen Ball auf Zidan, der seinen Gegenspieler Boka abschüttelte und Hildebrand mit einem feinen Lupfer aus spitzem Winkel keine Chance ließ (33.).

 

Dass die Werder-Führung keineswegs so souverän war, wie es das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt ausdrückte, zeigte sich wenig später. Gomez spielte einen Steilpass auf den durchstartenden Hilbert, der seinen Fehler aus der Anfangsphase wieder gut machte und mit einem Flachschuss ins linke Eck verkürzte (38.).

 

Das Niveau der Partie vermochten auch die Pausenansprachen der Trainer nicht zu ändern – es blieb schwach. Dennoch boten sich Werder zwei gute Möglichkeiten, den alten Zwei-Tore-Vorsprung wieder herzustellen. Zunächst schickte Tim Borowski das Spielgerät völlig unbedrängt an der Strafraumgrenze in die Wolken (50.), dann hatte Diego Pech mit einem Lattentreffer (52.).

 

Werder wirkt platt

 

Pierre Womé konnte wie alle Werderaner gegen Stuttgart nicht überzeugen.

Stuttgart steigerte sich in der Folge etwas, stand nicht mehr so tief und störte früher – mit Erfolg. Ein Weitschuss von Pardo wurde von Borowski unhaltbar abgefälscht – das 2:2 (58.). Das Tor gab den Gästen weiteren Auftrieb, dem Thomas Schaaf mit der Stärkung der Offensive zu begegnen versuchte. Aaron Hunt kam für Petri Pasanen (62.) und agierte als dritter Stürmer neben den wirkungslosen Almeida und Zidan.

 

Die erhoffte Belebung blieb jedoch aus und konnte auch durch die späteren Einwechslungen von Christian Schulz (75., für Borowski) und Patrick Owomoyela (80., für Womé) nicht mehr erreicht werden. Die Grün-Weißen wirkten geistig und körperlich nicht mehr frisch genug, um noch einmal zurückzuschlagen.

 

Stattdessen setzte Stuttgart noch einen drauf. Bei einem Konter liefen die Bremer zu langsam zurück, so dass Streller in aller Ruhe Gomez bedienen konnte. Der VfB-Stürmer kam vor Clemens Fritz an den Ball und schoss zum 2:3 ein – Werders vierte Pflichtspiel-Niederlage in Folge war perfekt.

 

von Kevin Kohues