6:0-Schützenfest gegen Köln und Endspiel beim HSV

Die Welle als Dank für großartige Unterstützung: Die Werder-Akteure feiern den 6:0-Kantersieg im letzten Heimspiel der Saison mit der treusten Fans in der Ostkurve.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Das war ein Spieltag ganz im Sinne von Werder Bremen! Die Grün-Weißen siegten im letztes Saison-Heimspiel gegen den 1. FC Köln furios mit 6:0 (3:0) und werden nach der 2:4-Niederlage des HSV in Berlin in einer Woche zum „Endspiel“ um Platz zwei in Hamburg antreten.

 

Bedingt durch das Sportgerichtsurteil gegen Johan Micoud und die Gelbsperre von Patrick Owomoyela musste Cheftrainer Thomas Schaaf seine Mannschaft vor dem Anpfiff auf zwei Positionen umstellen. Petri Pasanen und Leon Andreasen rückten neu ins Team. Werder ging das Spiel gegen den Absteiger aus dem Rheinland bei bestem Fußball-Wetter mit viel Spielfreude an und übte von Beginn an Druck aus. Mit einem Schuss von Daniel Jensen nach Vorlage von Miro Klose (2.), einem Klose-Volleyschuss ans Außennetz (4.) und einem verunglückten Versuch von Tim Borowski nach Vorlage von Nelson Valdez (10.) besaßen die Grün-Weißen in der Anfangsphase gleich drei gute Möglichkeiten zur Führung. Auf der anderen Seite lief Lukas Podolski bei einem Konter Frank Fahrenhorst davon, doch Tim Wiese parierte den Schuss des Nationalstürmers sicher (8.).

 

Oft nur mit unfairen Mitteln zu stoppen: Werders junger Däne Leon Andreasen zeigte gegen Köln, welches Potenzial in ihm steckt - defensiv wie offensiv.

Das erste Tor in diesem munteren Schlagabtausch war nur eine Frage von ganz kurzer Zeit. Initiiert von Micoud-Vertreter Daniel Jensen, setzte sich Miro Klose auf der linken Seite gegen Lell durch und brachte den Ball technisch fein mit einem Außenrist-Pass vor das Tor – Borowski rutschte hinein und traf zum 1:0 (11.). Mit der Führung im Rücken spielte Werder locker und leichtfüßig weiter und profitierte dabei von Kölner Unzulänglichkeiten. In der 19. Minute bewies der designierte Torschützenkönig Klose erneut, in welch bestechender Form er sich derzeit befindet. In halblinker Position im Strafraum nahm er ein ungewolltes Zuspiel eines Kölner Verteidiger volley und knallte den Ball maßgenau rechts oben ins Eck – das 2:0 und ein absolutes Traumtor!

 

Glanzvolle Klose-Show: Zwei Tore, zwei Assists

 

Und die Klose-Show ging weiter. Nach Zuspiel von Jensen lupfte Werders Top-Torjäger den Ball erneut mit dem Außenrist ins Strafraum-Zentrum – wieder war Borowski da und köpfte das 3:0 (25.). Was folgte, erinnerte stark an das Spiel in Duisburg vor drei Tagen: Werder hatte sich schnell und souverän einen 3:0-Vorsprung herausgeschossen – und ruhte sich ab der 30. Spielminute darauf aus. Die La Ola schwappte über die Ränge, während das Bremer Spiel der Pause entgegen plätscherte. Die Kölner indes nutzten die sich plötzlich bietenden Räume zu einigen gefährlichen Vorstößen. Helmes prüfte Wiese (28.) und stand bei einem Treffer nach Hereingabe von Feulner knapp im Abseits (44.). Die dickste Chance vergab Carsten Cullmann, der eine Freistoßflanke von Podolski an den Pfosten köpfte (40.).

 

Im Gegensatz zum Duisburg-Spiel stand zur Pause die Null: „Glück gehabt“ hieß es aus Werder-Sicht. Im zweiten Durchgang zogen die Grün-Weißen das Tempo dann wieder an. Ivan Klasnic kam für Nelson Valdez und führte sich prächtig ein. Ecke Jensen, Fahrenhorst leitet weiter und Klasnic köpft ein – das 4:0 (50.)! Bei diesem Spielstand konnte es sich sogar ein Miroslav Klose einmal leisten, eine „Hundertprozentige“ auszulassen. FC-Torwart Bade wehrte einen Borowski-Schuss genau vor den linken Fuß des Werder-Torjägers ab, doch Klose schoss aus fünf Metern über das leere Tor.

 

Abschied von Lagerblom und van Damme

 

Vergebliches Unterfangen: Carsten Cullmann versucht, Torsten Frings zu stoppen.

Zu ihrem letzten Heimspiel-Einsatz im Dress der Grün-Weißen kamen Pekka Lagerblom, der in der 64. Minute den auffälligen Leon Andreasen ersetzte, und Jelle van Damme (ab 73. für Christian Schulz). Beide Wechsel änderten nichts an der Ausrichtung des Bremer Spiels: locker-leicht und mit viel Spaß nach vorne. Ein Konter wie aus dem Lehrbuch brachte die 42.000 Zuschauer im prall gefüllten Weser-Stadion zum fünften Mal zum Jubeln. Frings’ langen Ball auf Klasnic leitete der Kroate auf Jensen weiter. Der Däne legte an der Strafraumgrenze per Hacke für Klasnic auf, und der netzte schließlich mit einem perfekten Schuss in den rechten Winkel zum 5:0 ein – schon wieder ein Traumtor (69.)!

 

Und die Werderaner verwöhnten ihre Fans noch mehr – allen voran Miro Klose. Nachdem Borowski und Klasnic bereits zwei Mal getroffen hatten, durfte sich auch der Nationalstürmer nochmal in die Torschützenliste eintragen – zum insgesamt 24. Mal in dieser Saison. Klose umspielte Sinkiewicz und zirkelte den Ball zur Überraschung von Bade ins kurze Eck – das 6:0 (77.).

 

Als dann auch noch die Nachricht von der Hamburger Niederlage die Runde machte, kannte der Jubel im Weser-Stadion keine Grenzen mehr. Die Fans besangen das „Finale“ um die direkte Champions-League-Quali, das nächste Woche in Hamburg steigt. Ein perfektes letztes Heimspiel ist den Werderanern bereits gelungen. Ein Sieg beim großen Nordrivalen wäre der perfekte Abschluss einer tollen Saison.

 

von Kevin Kohues

 

 

 

Werder Bremen – 1.FC Köln 6:0 (3:0)

 

Werder Bremen: Wiese - Pasanen, Fahrenhorst, Naldo, Schulz (73. van Damme) - Frings, Andreasen (64. Lagerblom), D. Jensen - Borowski - Klose, Valdez (46. Klasnic); auf der Bank: Vander, Polenz

 

1. FC Köln: Bade - Lell, Sinkiewicz, Cullmann - Matip - Feulner (78. Grammozis), Cabanas - Helmes, Streit (87. Epstein) - Streller (27. Springer), Podolski

 

Tore: 1:0 Borowski (11.), 2:0 Klose (19.), 3:0 Borowski (25.), 4:0 Klasnic (50.), 5:0 Klasnic (69.), 6:0 Klose (75.)

 

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

 

Weser-Stadion: 42.000 Zuschauer

 

Gelbe Karten: Andreasen - Cabanas

 

Torschüsse: 19 : 12

 

Ecken: 4 : 5

 

Flanken: 20 : 9

 

Ballkontakte: 56% : 44%

 

Gewonnene Zweikämpfe: 58% : 42%

 

Fouls: 20 : 18

 

Abseits: 1 : 8

 

Die meisten Torschüsse: Borowski (7) – Helmes (4)

 

Die meisten Torschussvorlagen: Frings, Klose (4) – Podolski (5)

 

Die meisten Ballkontakte: Frings (90) – Cabanas (55)

 

Die Zweikampfstärksten: Schulz (77%) – Sinkiewicz, Matip (67%)