Valdez-Dreierpack beim 5:0-Kantersieg gegen Hannover

Duell der Ideengeber: Werders Johan Micoud gegen Hannovers Jiri Stajner.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Dank eines Dreierpacks von Nelson Valdez, einer glänzenden Torwart-Leistung von Tim Wiese und einer enormen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit feierte Werder Bremen am 27. Bundesliga-Spieltag einen 5:0-Kantersieg gegen Hannover 96. Damit beendeten die Grün-Weißen eine Durststrecke von drei sieglosen Spielen in Folge und eroberten den dritten Tabellenplatz von Schalke 04 zurück.

 

Cheftrainer Thomas Schaaf hatte seine Mannschaft nach der 1:3-Niederlage in Nürnberg auf drei Positionen verändert. Der wiedergenesene Johan Micoud ersetzte Jurica Vranjes, Petri Pasanen und Nelson Valdez spielten für die zuletzt formschwachen Patrick Owomoyela und Ivan Klasnic.

 

Einmal mehr war das Weser-Stadion in dieser Saison der Schauplatz eines völlig verrückten Fußballspiels mit zwei gänzlich unterschiedlichen Halbzeiten. Die Bremer bemühten sich von Beginn an um Wiedergutmachung für die zuletzt enttäuschenden Leistungen, taten sich aber aufgrund eigener Unkonzentriertheiten im Spielaufbau gegen kompakt stehende, aggressivere und ballsichere Hannoveraner sehr schwer. Dennoch verbuchten die Grün-Weißen die ersten beiden Möglichkeiten des Spiels für sich. In der vierten Minute steckte Valdez auf Klose durch, doch Zuraw trennte den Bremer Top-Torjäger im letzten Moment vom Ball. Eine Minute später wäre eine Freistoßflanke von Christian Schulz an Freund und Feind vorbei beinahe ins Tor gesegelt.

 

Tim Wiese unter Dauer-Beschuss

 

Miroslav Klose wird von Per Mertesacker unsanft gestoppt.

Die erste Großchance der Begegnung aber besaßen die Gäste aus Hannover. Nachdem Fahrenhorst den Ball im Gewühl gegen Balitsch verloren hatte und Dabrowski allein auf das Bremer Tor zulief, konnten sich die Werderaner bei Tim Wiese bedanken, dass es beim 0:0 blieb. Der 24-Jährige tauchte blitzschnell ab und parierte den Flachschuss des Ex-Werderaners Dabrowski. Damit war der Startschuss für einen Sturmlauf der 96er gefallen, der Wiese zum meist beschäftigten Werderaner der ersten Halbzeit werden ließ. Der Bremer Torwart lenkte einen Dabrowski-Kopfball über das Tor (17.), hielt einen Brdaric-Schuss sicher fest (21.), boxte einen Mertesacker-Kopfball an die Latte (22.) und faustete einen Tarnat-Freistoß zur Ecke (27.).

 

Ungute Erinnerungen an die letzten Spiele wurden wach, da die Hintermannschaft der Werderaner zu diesem Zeitpunkt wieder mächtig ins Schwimmen geriet. Viele Fehlpässe und Unsicherheiten im Mittelfeld verhinderten Entlastung nach vorne. Dazu kam, dass der angeschlagene Kapitän Torsten Frings wie gegen Nürnberg früh verletzt ausgewechselt werden musste. Für ihn kam in der 33. Minute Jurica Vranjes.

 

Erst zehn Minuten vor der Pause gelang es den Bremern mal wieder, die bis dahin souverän agierende Abwehrkette der Hannoveraner zu durchbrechen. Ein klasse Pass von Miro Klose brachte Tim Borowski im Strafraum in gute Schussposition, doch nach Enkes guter Parade setzte Borowski den Abpraller aus spitzem Winkel an den Außenpfosten.

 

Dass die Werderaner zwei Minuten vor der Pause trotzdem in Führung gingen, stellte den bisherigen Spielverlauf völlig auf den Kopf. Micoud kam nach Schulz-Pass über links und brachte den Ball flach in den Strafraum. Klose, Mertesacker und Zuraw kamen nicht an den Ball, doch hinter ihnen lauerte Valdez, der nur noch ins leere Tor einzuschieben brauchte.

Johan Micoud setzte mit dem zweiten Tor in der Nachspielzeit noch einen drauf. Die kuriose Entstehungsgeschichte: Schiedsrichter Kinhöfer aus Herne entschied nach einem Klose-Schuss trotz Handspiels von Per Mertesacker im Strafraum auf Weiterspielen. Der Ball prallte von Mertesackers Arm zu Micoud, der aus 18 Metern einfach draufhielt und die allgemeine Verwirrung um Kinhöfers Entscheidung zum 2:0 nutzte.

 

Frühe Entscheidung dank Klose und Valdez

 

Christian Schulz im Zweikampf mit Hanno Balitsch.

Die schmeichelhafte Pausenführung gab den Bremern ein Stück der zuletzt vermissten Sicherheit zurück, flüssigeres Kombinationsspiel war die Folge. Zwar konnte Daniel Jensen einen Konter nach Zuspiel von Klose noch nicht erfolgreich abschließen (48.), doch die beiden folgenden Chancen nutzten die Werderaner konsequent. Micoud bediente Klose, der uneigennützig auf Nebenmann Valdez passte, und der Paraguayer traf aus spitzem Winkel zum 3:0 (52.). Nur zwei Minuten später machte Miro Klose selbst mit seinem 19. Saisontor den Doppelpack perfekt. Der 27-Jährige setzte sich gegen Mertesacker durch und überwand Enke mit einem perfektem Schlenzer zum 4:0.

 

Damit war Hannover geschlagen, obwohl die Gäste die Köpfe nicht hängen ließen und durch Mertesackers Kopfball (61.), Tarnat nach einem missglückten Abwurf von Tim Wiese (64.) und Stajners Schuss, den Fahrenhorst auf der Linie klärte (65.) noch einige Chancen zur Ergebnisverbesserung besaßen. Doch das Toreschießen blieb an diesem Tag einzig den Werderanern vorbehalten. Nelson Valdez krönte seine überragende Leistung nach einem weiteren Konter mit seinem dritten Tor in der 82. Minute – der Schlusspunkt. Obwohl das Ergebnis in Anbetracht der schwachen ersten Hälfte zu hoch ausfiel, war der Sieg der Grün-Weißen im Nordderby am Ende hoch verdient. Werder Bremen hat sich im Kampf um die Champions-League-Plätze eindrucksvoll zurückgemeldet.

 

von Kevin Kohues

 

 

 

Werder Bremen – Hannover 96 5:0 (2:0)

 

Werder Bremen: Wiese - Pasanen, Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Frings (33. Vranjes) - D. Jensen, Borowski - Micoud (70. Owomoyela) - Klose (79. Klasnic), Valdez; auf der Bank: Vander, Andreasen, Lagerblom, van Damme

 

Hannover 96: Enke - Cherundolo (46. Schröter), Mertesacker, Zuraw, Tarnat - Lala (71. Sousa) - Balitsch, Dabrowski - Stajner - Hashemian, Brdaric

 

Tore: 1:0 Valdez (43.), 2:0 Micoud (45+2.), 3:0 Valdez (52.), 4:0 Klose (53.), 5:0 Valdez (81.)

 

Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)

 

Weser-Stadion: 41.646 Zuschauer

 

Gelbe Karten: Vranjes - Mertesacker, Tarnat, Brdaric, Balitsch

 

Torschüsse: 15 : 15

 

Ecken: 2 : 13

 

Flanken: 8 : 12

 

Ballkontakte: 53% : 47%

 

Gewonnene Zweikämpfe: 49% : 51%

 

Fouls: 20 : 17

 

Abseits: 6 : 5

 

Die meisten Torschüsse: Borowski (5) – Mertesacker, Dabrowski, Balitsch (3)

 

Die meisten Torschussvorlagen: Klose (5) – Tarnat (6)

 

Die meisten Ballkontakte: Schulz (83) – Stajner (84)

 

Die Zweikampfstärksten: Frings (80%) – Schröter (80%)