0:0 gegen Stuttgarter Abwehr-Bollwerk

Trauriger Höhepunkt der Nullnummer in Stuttgart: Andreas Reinke musste nach einem schweren Zusammenprall mit Martin Stranzl ins Krankenhaus gebracht werden. Die erschütternde Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma und mehrere Frakturen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat am 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga ein 0:0 beim VfB Stuttgart erreicht. In einem insgesamt schwachen Spiel waren die Grün-Weißen zwar die optisch überlegene Mannschaft, konnten aber aus ihren wenigen Tormöglichkeiten nichts Zählbares herausholen. Bitter aus Bremer Sicht war die Verletzung von Torwart Andreas Reinke, der nach einem schweren Zusammenprall mit Stuttgarts Martin Stranzl ausgewechselt und mit einer stark blutenden Wunde am Kopf ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Cheftrainer Thomas Schaaf veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum 4:2-Sieg gegen Mainz auf drei Positionen. Jurica Vranjes und Daniel Jensen kamen im Mittelfeld für die gelb-gesperrten Frank Baumann und Tim Borowski zum Zuge, Christian Schulz nahm nach abgelaufener Sperre den Platz von Jelle van Damme in der Viererkette ein.

Dominante Abwehrreihen, wenig Torraumszenen

Schwache Vorstellung: Daniel Jensen, hier im Duell mit Silvio Meißner, konnte sich gegen Stuttgart selten so in Szene setzen wie vor vier Tagen gegen Mainz.

Gegen bekannt defensiv eingestellte Stuttgarter, die in der Rückrunde noch kein Tor erzielen konnten, waren die Bremer zwar von Beginn an feldüberlegen, kamen aber kaum gefährlich vor das gegnerische Tor. Die Platzherren tappten bei ihren Offensivbemühungen ein ums andere Mal in die Abseitsfalle der aufmerksamen Werder-Abwehr. Dennoch verzeichneten sie in der 16. Minute die erste Chance des Spiels. Soldo brachte Gomez per Kopf in Schussposition, doch dem jungen Stürmer, der den Vorzug vor dem dänischen Nationalspieler Jon Dahl Tomasson erhalten hatte, sprang der Ball zu weit vom Fuß.

Beinahe postwendend sorgte auch Werder erstmals für Aufregung im mit 30.000 Zuschauern gefüllten Gottlieb-Daimler-Stadion. Nelson Valdez setzte einen Kopfball nach Freistoß von Frings weitgehend unbedrängt um einige Meter neben das Tor (18.). Begünstigt durch eine Unsicherheit von Andreas Reinke kamen die Stuttgarter in der 33. Minute zu einer weiteren Chance. Der Werder-Schlussmann ließ einen 30-m-Schuss von Hitzlsperger nach vorne abprallen, machte seinen Fehler aber sofort wieder gut, indem er den Nachschuss von Tiffert bravourös hielt. Wieder war Werder um eine prompte Antwort bemüht, und beinahe wäre diesmal der Führungstreffer dabei herausgesprungen. Eingeleitet von Johan Micoud, betätigte sich Ivan Klasnic auf der rechten Außenbahn als Vorbereiter für Nelson Valdez, doch der Paraguayer verpasste die Hereingabe und somit das fast sichere 1:0 frei vor Hildebrand um Zentimeter.

Hildebrand hält zwei Mal gegen Schulz

Starke Vorstellung: Christian Schulz, in dieser Szene gegen Christian Tiffert, agierte in der Defensive aufmerksam und sorgte mit seinen Vorstößen für Belebung in der Offensive.

Torlos ging es in die Pause, danach änderte sich nichts am mäßigen Spiel beider Mannschaften. Sowohl die Trapattoni-Elf als auch Werder standen hinten sicher, versprühten aber auch nur wenig Ideen im Spiel nach vorne. Thomas Schaaf erkannte die Defizite im Mittelfeld und versuchte, das Spiel seiner Mannschaft durch die Hereinnahme von Patrick Owomoyela für Jurica Vranjes (59.) zu beleben. Und tatsächlich wurde seine Mannschaft nach gut einer Stunde stärker. Linksverteidiger Christian Schulz, der sich einige Male wirkungsvoll in die Offensive einschaltete, scheiterte nach Vorlage von Klasnic an Hildebrand, den Nachschuss setzte Valdez über das Tor (63.). Neun Minuten später verpasste Klasnic eine Hereingabe von Micoud nach einer schönen Kombination über Pasanen und Owomoyela nur um Haaresbreite, einen weiteren Schuss des starken Schulz nach Vorlage von Frings lenkte Hildebrand zur Ecke (73.). Die Stuttgarter Aktionen dagegen wurden von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) insgesamt 14 Mal wegen Abseitsstellung abgepfiffen - so auch in der 69. Minute, als der inzwischen eingewechselte Tomasson nach Kopfballvorlage von Tiffert ins Tor getroffen hatte.

Trauriger Höhepunkt: Reinke erleidet Schädel-Hirn-Trauma mit mehreren Brüchen

Statt Toren hatte die Partie nur noch einen traurigen Höhepunkt zu bieten. Werders Nr. 1 Andi Reinke verletzte sich bei einem Zusammenprall mit Martin Stranzl, der ohne Absicht mit voller Wucht in ihn hinein gerutscht war, und musste mit blutüberströmten Gesicht ins Krankenhaus gebracht werden. Die erste Diagnose fiel niederschmetternd aus: Schädel-Hirn-Trauma mit mehreren Brüchen. Der 37-Jährige wurde sofort operiert. Unter diesen traurigen Umständen kam Tim Wiese zu seinem Debüt im Werder-Dress und hielt seinen Kasten in der Schlussphase sauber, da ein weiteres Tor der Stuttgarter ebenfalls keine Anerkennung fand – Soldo hatte sich vor seinem Kopfball bei Pasanen aufgestützt (90.). Die letzte Chance des Spiels besaßen die Grün-Weißen, doch Nelson Valdez scheiterte nach Owomoyela-Flanke per Kopf am glänzend reagierenden Timo Hildebrand.

von Kevin Kohues


Unglückliche Vorstellung: Nelson Valdez ließ gegen Stuttgart die zuletzt gezeigte Effektivität vermissen und vergab zwei hochkarätige Möglichkeiten.

VfB Stuttgart – Werder Bremen 0:0

VfB Stuttgart: Hildebrand - Hinkel (70. Stranzl), Fernando Meira, Delpierre, Magnin - Meißner, Soldo - Tiffert, Hitzlsperger (65. Gentner) - Ljuboja, Gomez (60. Tomasson)

Werder Bremen: Reinke (82. Wiese) - Pasanen, Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Frings - Vranjes (59. Owomoyela), D. Jensen - Micoud - Valdez, Klasnic; auf der Bank: Andreasen, van Damme, Polenz

Tore: Fehlanzeige

Schiedsrichter: Stark (Landshut)

Gottlieb-Daimler-Stadion: 30.000 Zuschauer

Gelbe Karten: Meißner, Delpierre, Hildebrand - Naldo, Owomoyela

Torschüsse: 4 : 19

Ecken: 2 : 5

Flanken: 7 : 9

Ballkontakte: 45% : 55%

Gewonnene Zweikämpfe: 53% : 47%

Fouls: 20 : 30

Abseits: 14 : 2

Die meisten Torschüsse: Magnin, Hitzlsperger, Tiffert, Gomez (1) – Valdez (5)

Die meisten Torschussvorlagen: Hitzlsperger (2) – Frings (6)

Die meisten Ballkontakte: Magnin (89) – Pasanen (96)

Die Zweikampfstärksten: Delpierre (73%) – Fahrenhorst (75%)