Fahrenhorst und Reinke sichern 1:0 in Bielefeld

Nelson Valdez, Torschütze Frank Fahrenhorst, Ivan Klasnic und Vorbereiter Johan Micoud bejubeln das Siegtor gegen Bielefeld.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Zwei oft Gescholtene waren maßgeblich daran beteiligt, dass Werder Bremen das Auftaktspiel der Bundesliga-Rückrunde bei Arminia Bielefeld mit 1:0 (0:0) gewann. Verteidiger Frank Fahrenhorst erzielte in der 72. Minute das „goldene Tor“ per Kopfball, nachdem Johan Micoud zuvor einen Freistoß ans Lattenkreuz geschossen hatte. Die Bielefelder sorgten zwar für eine beeindruckende Schlussoffensive, scheiterten aber ein ums andere Mal an Werder-Torwart Andreas Reinke, der mehrere Großchancen vereitelte und seiner Mannschaft damit den Sieg rettete.

Bei Werder lief im Sturm erwartungsgemäß Nelson Valdez für den verletzten Miroslav Klose auf und spielte neben Geburtstagskind Ivan Klasnic, das seinen 26. Geburtstag feierte. Die Grün-Weißen brachten das Spiel von Beginn an unter ihre Kontrolle und ließen den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen. Bielefeld indes stand tief und kompakt und machte es den Bremern schwer, gefährlich vor das Tor zu kommen. Dies gelang den Gästen in der ersten Halbzeit lediglich ein Mal, als Tim Borowski von der linken Seite auf Torsten Frings flankte, der den Ball direkt aus der Luft nahm und am glänzend reagierend Bielefelder Schlussmann Mathias Hain scheiterte (9.).

Pech für die Arminia: Kobylik verschießt Foulelfmeter

Seite an Seite kämpfen Tim Borowski und Bielefelds "Oldie" Detlev Dammeier um den Ball.

Die Gastgeber brauchten 14 Minuten für ihre erste nennenswerte Torgelegenheit. Ein Kopfball des auffälligen Isaac Boakye nach einer Freistoßflanke von Kobylik flog allerdings noch weit am Bremer Tor vorbei. Anders stellte sich die Situation neun Minuten später dar. Fatmir Vata schlug einen klasse Pass auf Boakye, Fahrenhorst brachte den Ghanaer im Strafraum ungestüm zu Fall, so dass Schiedsrichter Dr. Wack korrekterweise auf Elfmeter entschied. Doch die große Führungschance für die Arminen blieb ungenutzt: David Kobylik schoss den Ball an die Latte.

Bielefeld zeigte sich nicht geschockt, sondern erspielte sich knapp zwei Minuten später bereits die nächste Chance. Boakye gewann das Laufduell gegen Naldo, sein Abschluss verfehlte das Werder-Tor nur um wenige Zentimeter. Nach einer weiteren Möglichkeit durch Tobias Rau (28.) beruhigten die Grün-Weißen das Spiel wieder etwas und ließen bis zur Halbzeit nur noch eine weitere Chance der Platzherren zu. Kobylik legte für den in der Winterpause aus Berlin auf die „Alm“ zurückgekehrten Artur Wichniarek auf, doch der Pole verzog (34.). Werder war und blieb zwar die optisch überlegene Mannschaft, ließ aber jegliche Durchschlagskraft in der Offensive vermissen.

Das Angriffsspiel lahmte auch nach der Pause. Obwohl die Schaaf-Elf den Druck erhöhte, blieben ihre Bemühungen zunächst ideen- und wirkungslos. Der Sturm um Ivan Klasnic und Nelson Valdez war völlig aus dem Spiel. Nach 65 Minuten holte der beste Grün-Weiße, Torsten Frings, den ersten Eckball des Spiels heraus. Christian Schulz, der sich kurz zuvor seine fünfte gelbe Karte abgeholt hatte und demnach im Heimspiel gegen Mainz 05 fehlen wird, verfehlte das Tor im Anschluss an die Ecke mit einem Distanzschuss um einige Meter.

Fahrenhorsts erstes Werder-Tor bringt den Sieg

Es brauchte eine weitere Standardsituation für Werder, um doch noch ein Tor zu erzielen. In der 72. Minute war es soweit. Marcio Borges foulte Nelson Valdez, es gab Freistoß für Werder, zentrale Position, Torentfernung 23 Meter – die perfekte Distanz für Johan Micoud. Und der Franzose erwischte einen seiner genialen Momente, zirkelte den Ball ans rechte Lattenkreuz. Der aufgerückte Frank Fahrenhorst erwischte den Abpraller und köpfte ihn trotz Rücklage platziert ins linke Eck – das erste Werder-Tor für den 28-jährigen Verteidiger.

Kapitän Frank Baumann gewinnt einen Zweikampf gegen Isaac Boakye.

Es sollte ein ganz wichtiger, weil siegbringender Treffer werden. Arminia Bielefeld antwortete zwar mit einer wütenden Schlussoffensive, scheiterte aber ein ums andere Mal an Andreas Reinke, der einen absoluten Sahne-Tag erwischt hatte. Erst lenkte er einen Kopfball von Boakye nach Freistoß von Kobylik über die Latte (77.), dann parierte er einen Westermann-Schuss aus kurzer Distanz (88.), schließlich präsentierte er sich aufmerksam bei einem Heber von Dalovic (89.).

Der 37-Jährige rettete seiner Mannschaft damit ein Erfolgserlebnis, das in Bielefeld Seltenheitswert besitzt. Es war der erste Werder-Sieg auf der „Alm“ seit über 21 Jahren. Damals, in der Saison 1984/1985, landeten die Grün-Weißen am Ende übrigens auf Platz zwei hinter Bayern München. Und genau da stehen sie durch den Sieg in Bielefeld auch jetzt wieder.

von Kevin Kohues



Arminia Bielefeld – Werder Bremen 0:1 (0:0)

Arminia Bielefeld: Hain - Korzynietz, Westermann, Borges, Rau (78. Dalovic) - Fink, Dammeier (75. Kauf) - Vata, Kobylik - Boakye, Wichniarek (67. Masmanidis)

Werder Bremen: Reinke - Owomoyela, Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Baumann (67. D. Jensen) - Frings, Borowski - Micoud (85. Vranjes) - Valdez, Klasnic

Tor: 0:1 Fahrenhorst (72.)

Schiedsrichter: Dr. Franz-Xaver Wack (Biberbach)

Schüco-Arena: 24.196 Zuschauer

Gelbe Karten: Rau - Micoud, Schulz, Klasnic

Bes. Vorkommnis: Kobylik schießt Foulelfmeter an die Latte (24.)

Torschüsse: 11 : 10

Ecken: 1 : 2

Flanken: 7 : 8

Ballkontakte: 43% : 57%

Gewonnene Zweikämpfe: 50% : 50%

Fouls: 26 : 30

Abseits: 4 : 3

Die meisten Torschüsse: Boakye (2) – Micoud, Frings, Klasnic (je 2)

Die meisten Torschussvorlagen: Kobylik (6) – Micoud (5)

Die meisten Ballkontakte: Korzynietz (52) – Owomoyela (95)

Die Zweikampfstärksten: Borges (65%) – Fahrenhorst (68%)