Rassiges Nordderby endet 1:1

Johan Micoud, hier in einem Zweikampf mit dem Ex-Bremer Raphael Wicky, brachte Werder mit einem herrlich geschossenem Freistoß in Führung.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

90 Minuten Rasse, Klasse und Hochspannung im 83. Nordderby endeten mit einem 1:1 (1:0)-Unentschieden zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Im Duell der besten Offensive gegen die beste Defensive der Bundesliga brachte Cheftrainer Thomas Schaaf Petri Pasanen für den kurzfristig an einem Magen-Darm-Virus erkrankten Frank Fahrenhorst in der Startelf. Werder ging hochkonzentriert und ehrgeizig in die Partie und dominierte die Anfangsphase.

Zahlreiche Torchancen waren die Folge: Nach einem Freistoß von Johan Micoud übersprang Miroslav Klose die HSV-Abwehr und köpfte aus zwölf Metern auf das rechte Eck, doch Hamburgs Wächter-Vertreter Sascha Kirschstein parierte glänzend (5.). Eine Minute später knallte Torsten Frings einen als Querpass ausgeführten Freistoß von Micoud aus 20 Metern knapp über das Tor. Der vor Selbstvertrauen und Einsatzwillen strotzende Miroslav Klose zwang Kirschstein mit einem 16-m-Schuss quasi aus dem Stand zu einer weiteren Rettungstat (11.). Und auch Kloses Sturmkollege Nelson Valdez hatte das Führungstor nach einer Micoud-Flanke auf dem Fuß, fand aber aus spitzem Winkel ebenfalls seinen Meister im starken Hamburger Schlussmann (14.).

Werder-Powerplay bleibt lange unbelohnt

Ende einer einseitigen ersten Halbzeit: Johan Micoud, Torsten Frings und Leon Andreasen bejubeln das hochverdiente 1:0.

Der HSV kam in den ersten 20 Minuten kaum einmal über die Mittellinie hinaus und fand nicht zu seinem Spiel. Erst ein Freistoß von Piotr Trochowski sorgte nach 22 Minuten für erste Gefahr, doch Andi Reinke lenkte den Ball über die Latte. Überhaupt sorgten die Standardsituationen hüben wie drüben immer wieder für besonders aufregende Szenen. Die kurioseste ereignete sich in der 25. Minute, als ein Freistoß von Torsten Frings aus sage und schreibe 48 Metern an den linken Innenpfosten segelte, und vom Kopf von Torwart Kirschstein zurück ins Feld prallte. Diesmal hatte der HSV-Torwart Glück, bei weiteren Freistößen von Pasanen (29.) und Naldo (31.) zeigte er hingegen wieder sein ganzes Können.

Kirschstein stand auch in der 38. Minute im Mittelpunkt. Nach einem weiten Pass auf Miroslav Klose wollte der Keeper den Ball ins Aus gehen lassen, ließ ihn sich dabei jedoch von Werders Torjäger abluchsen und brachte Klose anschließend zu Fall. Der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) war völlig berechtigt, eine Karte für Hamburgs Torhüter blieb allerdings aus. Mit dem folgenden Strafstoß setzte Johan Micoud der mangelhaften Chancenverwertung der Werderaner die Krone auf und scheiterte an Kirschstein.

Erlösendes 1:0 mit dem Pausenpfiff

Praktisch mit dem Halbzeitpfiff fiel trotzdem noch das erlösende 1:0. Micoud zirkelte einen Freistoß von der linken Strafraumkante an den rechten Innenpfosten, von wo der Ball ins Tor sprang (45.). Nach der Pause blieb das Nordderby weiter spannend und heiß umkämpft, was insgesamt acht gelben Karten (fünf für Werder, drei für Hamburg) verdeutlichen. Der HSV steigerte sich nun deutlich, doch Werder hätte gerade in der Drangphase der Gäste ein zweites Tor nachlegen müssen. Torsten Frings schnappte David Jarolim den Ball weg und ging allein auf Kirschstein zu, aber der HSV-Keeper lenkte den Ball mit den Fingerspitzen neben den rechten Pfosten zur Ecke (56.).

Das erneute Auslassen einer Großchance – es sollte sich wieder einmal rächen für Werder. Nachdem Andreas Reinke einen Kopfball von Sergej Barbarez aus kurzer Distanz noch sensationell gehalten hatte (62.), war der 36-Jährige fünf Minuten später machtlos. Das gerade eine Minute zuvor eingewechselte Sturmduo Takahara und Kucukovic schloss eine Koproduktion nach Pass von Mahdavikia zum 1:1 ab: Takahara passte vom rechten Flügel nach innen, wo Kucukovic aus fünf Metern traf.

Eines von vielen verbissenen Duellen: Torsten Frings und David Jarolim.

Danach unterbanden zahlreiche Unterbrechungen durch Fouls und aufkommende Hektik den Spielfluss der Werderaner. So musste die Schaaf-Elf am Ende sogar froh sein, dass es bei der Punkteteilung blieb, nachdem sich der Ex-Bremer Raphael Wicky in der 88. Minute gegen drei Abwehrspieler durchsetzte, letztlich aber an der Fußspitze von Andreas Reinke scheiterte.

von Kevin Kohues



Werder Bremen – Hamburger SV 1:1 (1:0)

Werder Bremen: Reinke - Owomoyela, Pasanen, Naldo, Andreasen - Baumann - Frings, Vranjes (80. Jensen) - Micoud - Valdez (71. Klasnic), Klose

Hamburger SV: Kirschstein - Mahdavikia, Demel, van Buyten, Atouba - Wicky - Jarolim (87. Klingbeil), Beinlich - Trochowski (66. Takahara) - Lauth (66. Kucukovic), Barbarez

Tore: 1:0 Micoud (45.), 1:1 Kucukovic (67.)

Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)

Weser-Stadion: 42.100 Zuschauer (ausverkauft)

Gelbe Karten: Klose, Naldo, Owomoyela, Baumann, Pasanen - Atouba, Barbarez, Demel

Bes. Vorkommnis: Kirschstein hält Foulelfmeter von Micoud (39.)

Torschüsse: 20 : 12

Ecken: 6 : 6

Flanken: 6 : 11

Ballkontakte: 49% : 51%

Gewonnene Zweikämpfe: 51% : 49%

Fouls: 27 : 27

Abseits: 2 : 10

Die meisten Torschüsse: Frings (5) – Wicky, Trochowski, Kucukovic (je 2)

Die meisten Torschussvorlagen: Micoud (6) – Beinlich (4)

Die meisten Ballkontakte: Owomoyela (73) – Atouba (76)

Die Zweikampfstärksten: Vranjes (71%) – Demel (65%)