Grün-weißes Powerplay wird belohnt

Ivan Klasnic küsst seinen Ring nach dem Tor zum 2:1.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat seinen Rekordstart in der Bundesliga weiter ausgebaut. Die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Schaaf schlug Borussia Dortmund hoch verdient mit 3:2 (1:1) und feierte damit am 5. Spieltag bereits den vierten Saisonsieg.

Es war allerdings ein hartes Stück Arbeit für die Werderaner, die kurzfristig auf Petri Pasanen verzichten mussten. Der Finne klagte am Samstagmorgen erneut über Kopfschmerzen - eine Folge seiner Gehirnerschütterung aus dem CL-Qualifikationsrückspiel gegen Basel - und wurde von Leon Andreasen vertreten.
Die erste Aktion des Spiels gehörte den Gästen aus Dortmund. David Odonkor scheiterte von rechts aus spitzem Winkel an Andi Reinke (2.). Nachdem Werder durch einen Schuss von Tim Borowski aus halblinker Position nach schönem Lupfer von Johan Micoud auch seine erste "Duftmarke" gesetzt hatte, folgte ähnlich wie in der Champions League gegen Barcelona der frühe Rückstand. Florian Kringe setzte sich gegen Tim Borowski und Christian Schulz durch, passte auf Odonkor, der den Ball scharf in den Strafraum gab und Ebi Smolarek fand, welcher mutterseelenallein zum 0:1 einschießen konnte (8.).

Werder erzeugt nach frühem Rückstand Dauerdruck

Werders Leon Andreasen auf gleicher (Kopfball-)Höhe mit Dortmunds Ebi Smolarek.

Werder zeigte sich jedoch nicht geschockt, sondern antwortete prompt. Nach Vorarbeit von Micoud prüfte Torsten Frings seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Roman Weidenfeller per Flachschuss (11.). Die Gäste hätten durch eine weitere Koproduktion des quirligen, starken Odonkor und Smolarek beinahe ein zweites Tor erzielt (20.), ehe Werder das Heft ab Mitte der ersten Hälfte komplett in die Hand nahm und ein Powerplay aufzog, das Chancen in Hülle und Fülle produzierte. Die 23. Minute: Kapitän Frank Baumann spielt den Ball von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr, wo Micoud ihn freistehend rechts neben das Tor schießt – es fehlen nur Zentimeter. Die 25. Minute: Der wieder einmal glänzend aufgelegte Weidenfeller fischt einen 16-m-Schuss von Christian Schulz noch aus der linken Ecke, um wenig später einen Borowski-Schuss im Nachfassen zu halten. Die 30. Minute: Ein Naldo-Kopfball verfehlt sein Ziel nach Flanke von Micoud knapp. Die 33. Minute: Micoud wird nach einem Schulz-Einwurf von Kehl und Degen im Strafraum zu Fall gebracht, doch Schiedsrichter Dr. Franz-Xaver Wack versagt den Werderanern den fälligen Elfmeterpfiff. Die 37. Minute: Ein dynamischer Vorstoß von Innenverteidiger Leon Andreasen leitet den mehr als verdienten Ausgleich ein. Nach tollem Zusammenspiel mit Borowski zieht der junge Däne von halbrechts ab, Metzelder rettet zunächst auf der Linie, doch den Abpraller knallt Miro Klose aus 13 Metern volley in die Maschen – endlich das 1:1! Ein von Metzelder abgefälschter Borowski-Freistoß an die Querlatte (39.) oder ein Klasnic-Kopfball nach Ecke von Schulz (40.) hätten noch die Führung bringen können, bevor der Halbzeitpfiff den Dauerdruck der Grün-Weißen unterbrach.

Traumkombination von Micoud und Klasnic bringt die Führung

Nach dem Wechsel ging es zunächst etwas verhaltener weiter, bis eine Traumkombination von Johan Micoud und Ivan Klasnic die 40.840 Zuschauer im Weser-Stadion von ihren Sitzen riss. Werders französischer Spielmacher hebelte mit einem wunderschönen Lupfer die staunende BVB-Abwehr aus, Dedé hob das Abseits auf, so dass Klasnic den Ball in halblinker Position allein vor Weidenfeller aufnehmen und über den Torwart hinweg in die Maschen heben konnte. Danach gelang es Werder bei weiteren Möglichkeiten durch Frings (57.), Klose (62.) und Klasnic (65.) nicht, den "Sack" vorzeitig zuzumachen. Stattdessen glich Dortmund überraschend aus: Der für Lars Ricken eingewechselte Sturmtank Jan Koller kam nach einem langen Ball von Dedé vor Andi Reinke an den Ball und legte per Kopf für Ebi Smolarek ab, der mit einem Schuss aus der Drehung seinen zweiten Treffer erzielte.

So viele Finger wie Tore: Ivan Klasnic jubelt über seinen fünften Saisontreffer zum zwischenzeitlichen 2:1.

Werder wirkte zunächst geschockt, bewies aber Moral und bemühte sich weiter um Druck nach vorne. In der 78. Minute wurde die Schaaf-Elf für ihren tollen Einsatz belohnt: Ein eigentlich als Pass gedachter Ball von Johan Micoud segelte vom linken Strafraumeck an Freund und Feind vorbei ins rechte untere Eck des BVB-Tores. In der Schlussphase verteidigten die Grün-Weißen den hochverdienten Sieg, wobei der BVB durch einen Kopfball von Kringe nach Ecke des eingewechselten Kruska in letzter Minute beinahe noch das 3:3 erzielt hätte.

Doch Werder hatte das Glück des Tüchtigen und festigte mit nunmehr 13 Punkten den zweiten Tabellenplatz hinter Bayern München (1:0 gegen Hannover, 15 Punkte) und vor dem Hamburger SV (1:1 gegen Frankfurt, 11 Punkte).

von Kevin Kohues