Vorbereitung: Werder schlägt den FC Hambergen mit 13:1

Werder konnte auch sein zweites Testspiel im Bremer Umland siegreich gestalten und den Fans einige Tore bieten (Bild: NPH)
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Am Montag bricht Werder ins zweite Trainingslager nach Donaueschingen auf, vorher stand am Samstagnachmittag die Partie gegen den FC Hambergen auf dem Programm. Gegen den Bezirksligisten konnte die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Schaaf in einer entspannten Partie mit 13:1 (5:0) auf der Sportanlage Bornreihe (Vollersode) gewinnen.

 

Unter den Torschützen stachen besonders Pascal Testroet mit drei Treffern sowie Marko Arnautovic und Said Husejinovic hervor, die jeweils doppelt trafen. Werders Österreicher erzielte dabei mit seinem zweiten Streich das wohl schönste Tor des Tages.

 

Prödl: Zuerst gescheitert, dann den Torreigen eröffnet

 

Zweifacher Torschütze gegen den FC Hambergen: Marko Arnautovic (Bild: NPH)

Bei sommerlichen Temperaturen ließ Thomas Schaaf seine Mannschaft mit Sebastian Mielitz im Tor, Timo Perthel, Petri Pasanen, Sebastian Prödl und Clemens Fritz in der Abwehr sowie Tim Borowski, Peter Niemeyer, Philipp Bargfrede und Onur Ayik im Mittelfeld beginnen. Im Sturm fingen Markus Rosenberg und Neuzugang Marko Arnautovic an.

 

Anders als beim letzten Test gegen Kickers Emden am vergangenen Donnerstag hatte Werder gleich zu Beginn hochkarätige Torchancen: Niemeyer traf bereits in der dritten Minute per Kopf das Lattenkreuz, Prödls Versuch nach Ecke Ayik wurde auf der Linie geklärt (5.Spielminute). Bei den nächsten Gelegenheiten konnte sich der Schlussmann der Hamberger, Christoph Marquardt, sowohl gegen Philipp Bargfrede (Flachschuss aus 24 Metern, 8.) als auch gegen Marko Arnautovic auszeichnen (Schuss von der linken Seite, 16.). Erst Sebastian Prödl vermochte mit seinem zweiten Versuch den Ball im Tor der Gastgeber unterbringen: Erneut war der großgewachsene Abwehrmann nach einem Eckball zur Stelle und köpfte unhaltbar in der 18.Spielminute ein. Nur eine Minute später eine Kopfball-Stafette über Tim Borowski und Onur Ayik, aber dessen Kopfball ging über die Latte. Glück hatte Werder bei dem anschließenden Angriff des FC Hambergen: Constantin Czielich spielte den Ball mustergültig in den Lauf von Dennis Heineke, der alleine vor Sebastian Mielitz aufgetaucht wäre, hätte Schiedsrichter Hüller nicht zuvor eine Abseitsstellung gesehen. Und so sorgte Marko Arnautovic auf Werder-Seite mit einem strammen Schuss ins linke Eck (20.) für die 2:0-Führung.

 

Werder hatte das Spiel anschließend mehr unter Kontrolle und hätte durch Rosenberg (20.) und Bargfrede (30.) die Führung ausbauen können, bei einer Konterchance des FC konnte Perthel allerdings erst im letzten Moment vor Züge retten (23.). Ein Doppelschlag durch Tim Borowski (32.) und dem zuvor noch glücklosen Markus Rosenberg (34.) sorgte dann für das 4:0, welches den Amateuren vollends die Motivation hätte nehmen können. Aber von Resignation keine Spur, Hambergen spielte weiter munter mit den Profis mit. Weder Czielich (36.) aus spitzem Winkel noch Heineke (40. und 43.) konnten allerdings den gut reagierenden Sebastian Mielitz im Werder-Tor überwinden, ein Freistoß von Torben Prigge war ein kleines Stück zu hoch angesetzt. Was folgte, war ein absolut sehenswerter Treffer von Werders neuem Supertechniker Marko Arnautovic: Von rechts dribbelte er durch den Strafraum an seinen Gegenspielern vorbei, schaute kurz auf und lupfte den Ball dann gefühlvoll über den machtlosen Marquardt; der Ball prallte gegen den Innenpfosten und von dort ins Tor (44.). Es blieb bei der 5:0-Halbzeitführung, da ein Treffer von Tim Borowski unmittelbar vor dem Anpfiff aufgrund einer Abseitsstellung nicht gegeben wurde.

 

Werders "junge Wilde" treffen auch gegen Hambergen

 

Bildete mit Juan Barros in der zweiten Hälfte eine "peruanische Flügelzange": Aldo Corzo (Bild: NPH)

Wie gewohnt wechselte Werder zu Beginn der zweiten 45 Minuten kräftig durch: Hunt, Husejinovic, Kroos, Futacs, Thy, Testroet, Barros und Corzo kamen in die Partie, einzig Mielitz, Prödl und Pasanen, der die Kapitänsbinde von Clemens Fritz übernahm, blieben auf dem Feld. Es dauerte aber bis zur 60-Minute, bis auch die jungen Einwechselspieler ihr erstes Tor bejubeln konnten: Corzo, Thy und Testroet kombinierten sich von links durch den Strafraum, Pascal Testroet schließlich schiebt den Ball über die Linie. Zuvor konnte der eingewechselte Philipp Prigge, der wie auch sein Torwartkollege Marquardt eine gute Leistung bot, mehrfach für den Bezirksligisten retten. Doch mit dem Tor kam auch der Bremer Spielfluss besser in Fahrt, Barros köpfte nach einem Freistoß von Felix Kroos zum 7:0 (66.) ein, Testroet buchsierte bei seinem zweiten Tor den Ball mit dem Knie über die Linie (70.). Auch Lennart Thy wollte zeigen, dass er über Gefühl in den Füßen verfügt, und schloß ein schönes Dribbling durch die gesamte Hamberger Abwehr mit einem trockenen Schuss zum 9:0 ab (72.). Die Chancenauswertung blieb dennoch verbesserungswürdig, viele hochkarätige Einschussmöglichkeiten wurde zum Teil auch innerhalb des Strafraums vergeben. Futacs nach schönem Abspiel von Thy (78.) und Said Husejinovic mittels Alleingang (80.) über die linke Seite schraubten das Ergebnis dennoch auf 11:0 hoch.

 

Eine Minute später ertönte großer Jubel auf der Sportanlage Bornreihe: Von der linken Seite wurde FC-Spieler Marcel Konoppa bedient, und der Stürmer schob unhaltbar für Sebastian Mielitz ins rechte Ecke zum Ehrentreffer ein. Der Jubel der Hamberger war fast grenzenlos, die Schlusspunkte der Partie waren aber Werder vorbehalten: Futacs legte auf für Pascal Testroets dritten Treffer (87.), und eine Minute später hätte der 19-jährige sogar fast noch seinen vierten Treffer markiert. Erst Husejinovic konnte jedoch per Nachschuss für den 13:1-Endstand sorgen (88.).

 

Schaaf:"Seit heute schätzen uns einige anders ein"

 

Durchaus zufrieden zeigte sich Cheftrainer Thomas Schaaf im Anschluss an das dritte Vorbereitungsspiel seiner Mannschaft: "Es ist schön, dass wir uns wieder im Bremer Umfeld unseren Fans zeigen konnten, so wie letzte Woche in Leer oder am kommenden Samstag in Delmenhorst. Natürlich wäre heute etwas mehr drin gewesen, der ganz große Spielrhythmus war nicht da. Aber es war auch nicht so leicht. Der Platz war eng und die Trainingswoche hart. Trotzdem haben wir einige Tore gesehen." Dass einige der Hamberger Spieler treue Dauerkartenbesitzer bei Werder sind, hatte auch Schaaf im Vorfeld der Partie mitbekommen: "Für die Spieler war es sicher ein tolle Situation, sich gegen die beweisen zu können, die sie sonst im Weser-Stadion anfeuern oder auch kritisieren. Ich bin sicher, seit heute schätzen einige Spieler und Leistungen etwas anders ein."

 

Aus Vollersode berichtet Paul Hüsing