5:0-Sieg in Oldenburg mit Spielfreude und Kombinationslust

Mesut Özil spielte in der ersten Halbzeit zentral hinter den beiden Spitzen Harnik und Husejinovic. (Bilder: NPH)
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Gerade 18 Stunden samt einer weiteren Trainingseinheit am Samstagmorgen waren nach Werders Testspielauftakt in Ottersberg vergangen, als Schiedsrichter Peter Hatzler (Eversten) die zweite Partie der Saisonvorbereitung vor 5500 Zuschauern beim VfL Oldenburg anpfiff. Cheftrainer Thomas Schaaf hatte seine Mannschaft auf fast allen Positionen kräftig durchgewirbelt. Nur Kapitän Frank Baumann, Innenverteidiger Naldo und Mittelfeldspieler Daniel Jensen spielten wiederum von Anfang an.

 

Husejinovic' Tor mit der ersten Ballberührung

 

Martin Harnik bereitete das 1:0 vor.

Und wie auch am Freitag zeigten die Grün-Weißen sofort, wer der Bundesligist auf dem Rasen ist. Die Anfangsoffensive wurde durch das schnelle 1:0 belohnt. Martin Harnik hatte sich auf der Grundlinie durchgesetzt, VfL-Keeper Thomas Wegmann klatschte den Ball mit einer Hand direkt vor die Füße von Said Husejinovic und der kleine Bosnier vollendete mit seiner ersten Ballberührung aus Nahdistanz (4.). Dem Oberligisten gelang es in den Folgeminuten nicht ansatzweise dagegenzuhalten und er musste Angriff um Angriff über sich ergehen lassen. Sebastian Boenisch mit links aus 16 Metern (6.), Husejinovic' Solo (6.) und Özils Distanzschuss (13.) konnte der beste Oldenburger, Wegmann, allesamt parieren. Auch Martin Harnik scheiterte weitere zwei Mal.

 

Den bis dahin einzigen Torschuss der Gastgeber gab Routinier Christian Claassen bei einem indirekten Freistoss ab (19.), wobei die Kugel ihr Ziel um ein paar Höhenmeter verfehlte. Es war das Abschiedsspiel einer langen Karriere des Ex-Profis.

 

Naldos raumgreifende Schritte, Jensens Schlenzer

 

Torschütze Daniel Jensen im Duell mit Manuel Schicke.

Knapp fünf Minuten später holte Harnik kurz vor der Strafraumbegrenzung einen Freistoss heraus. Eine klare Angelegenheit für Naldo – dachten alle. Der Brasilianer lief bereits mit raumgreifenden Schritten an, stoppte aber plötzlich und ließ dem gleichzeitig gestarteten Daniel Jensen überraschend den Vortritt, der den Ball am verdutzten Torwart vorbei ins linke obere Eck schlenzte – 2:0. Bis zur Halbzeitpause kontrollierte der Champions-League-Teilnehmer souverän Ball und Partie, ohne weitere Tore folgen zu lassen.

 

Die im zweiten Spielabschnitt von Thomas Schaaf abermals grundveränderte Formation kam mit ungeheurer Kombinationslust aus der Kabine. Es dauerte acht Minuten bis Philipp Bargfrede ansatzlos aus gut 27 Metern das erste Ausrufezeichen setzte und die Kugel fast aus dem Stand halbhoch zum 3:0 in die Maschen drosch. Gerade die eingewechselten Nachwuchskräfte Bargfrede, Heider und Testroet wirbelten darauf fast nach Belieben durch die Oldenburger Defensiv-Reihen, denen ihr Kraftverlust immer deutlicher zu schaffen machte. Hier ein Hackentrick, dort eine Direkt-Passage. Das machte Spaß beim Zuschauen. Jurica Vranjes und Aaron Hunt lenkten das forsche Spiel der Jungspunde dabei intelligent aus der Tiefe. Den wohl schönsten Direkt-Spielzug des Spiels leitete Pascal Testroet über links ein, Bargfrede täuschte an und ließ das Leder durchlaufen, Heider tropfte ab, Vranjes steckte zu Aaron Hunt durch, der jedoch mit dem etwas schwächeren rechten Fuß aus fünf Metern über den bereits liegenden Keeper, aber auch über die Querlatte schoss (65.).

 

"Juri" Vranjes beweist Kaltschnäuzigkeit

 

Der Cheftrainer hat alles im Blick.

Nur Augenblicke später "leimte" Heider per Hackentrick seinen Gegenspieler, aber Testroet stand aus acht Metern der Pfosten im Weg. Allein die letzte Konzentration beim Abschluss fehlte. Kaltschnäuzigkeit bewies dagegen Routinier Jurica Vranjes (69.). Ohne in Schönheit zu sterben vollendete er sachlich aus 16 Metern zum 4:0 nach Vorarbeit von Bargfrede. Pascal Testroet schien sich ein Beispiel genommen zu haben. Boenischs flache, scharfe Eingabe von rechts drückte er gegen die Laufrichtung von Keeper Wegmann zum 5:0 über die Linie(73.). Es sollte der Endstand bleiben. Cheftrainer Thomas Schaaf hatte bei seiner Mannschaft viel Gutes gesehen: "Gegen einen Oberligsiten ist es nicht so einfach. Oldenburg hat ein gutes Team, ich kennen viele Gesichter, habe einige davon selbst trainiert. Da muss man erstmal so ein klares Spiel aufziehen, wie wir das heute getan haben. Wir waren heute dominanter und konzentrierter als gestern."

 

Gegen Ende der Partie schaffte es der VfL, sich das eine oder andere Mal aus der Defensive zu befreien. Die größte Chance der Gastgeber nach einer schönen Flanke des eingewechselten Robert Plichta besaß der quirlige Sebastian Wojzik, dessen Kopfball Werders Sebastian Prödl jedoch im letzten Augenblick abblocken konnte. Eine Belohnung für das engartierte Auftreten gab Schaaf zum Schluss dem Großteil seiner Truppe noch mit auf den Weg in den Sonntag: "Morgen gibt es einen Tag Ruhe für die Spieler, die heute im Einsatz waren." Die Werder-Profis werden ihn nutzen. Denn am Montag, 14.07.2008, geht es ins "berüchtigte" Trainingslager auf Norderney. Thomas Schaaf und sein Trainergespann können es jedenfalls kaum erwarten.

 

von Maximilian Hendel