Werder verliert Testspiel gegen FC Saturn Moskau Region

Aaron Hunt zeigte zu Beginn der zweiten Halbzeit einige gute Szenen. Am Ende reichte das nicht, um die russischen Kontrahenten zu besiegen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Mit 1:5 hat Werder Bremen das Testspiel gegen den russischen Erstligisten FC Saturn Moskau Region verloren. Cheftrainer Thomas Schaaf schickte dabei eine außergewöhnlich junge Bremer Mannschaft auf das Spielfeld. Insgesamt vertraute er sechs Nachwuchskräften. Die erlebten in 90 Minuten, wie abgezockt die russischen Gegner ihre Chancen verwerteten. Eiskalt nutzte das Team des Fünften der russischen Premier Liga fast jede sich bietende Möglichkeit. Im Gegensatz dazu

strichen die deutlichen Gelegenheiten der Grün-Weißen teilweise um Haaresbreite am Tor vom FC Saturn vorbei. Für Geschäftsführer Klaus Allofs war dies jedoch keine Entschuldigung für das schmerzende Resultat: „Egal in welcher Formation man spielt, solche Ergebnisse sollten verhindert werden“, betonte er nach der Partie.

 

Dabei hatte die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Schaaf genug Möglichkeiten, dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken. So verpassten Aaron Hunt (5.) und Leon Andreasen (13./15.) mit ihren sehenswerten Schüssen gleich mehrfach das Ziel. In Kürze können sich Werder-Fans im Spielbericht auf WERDER.TV davon überzeugen, wie knapp einige Schüsse daneben gingen. Auf der Gegenseite folgte das erste Beispiel eines trockenen Abschlusses: Ein Fehler in der Abwehr brachte die Russen in aussichtsreiche Position und Ivanov hatte keine Probleme, einzuschieben (21.). Torwart Nico Pellatz blieb keine Abwehrmöglichkeit. Nachdem erneut der stark aufspielende Andreasen einen Ball knapp neben das Moskauer Gehäuse setzte, konterten die in blau auflaufenden Gegner. Zunächst zeigte Pellatz bei einem Kopfstoß des früheren Bundesligastürmers Marco Topic noch einen unglaublichen Reflex, indem er den Ball über die Querlatte fingerte. Doch bei der anschließenden Ecke blieb auch dem Keeper keine Abwehrchance mehr. Wieder war es Topic, doch dieses Mal mit dem Fuß - und der Schuss saß (32.). 2:0 für den FC Saturn, der die Führung mit in die Pause nahm, was aufgrund der stärkeren Physis verdient war.

 

Der "Killer" folgt seinem Instinkt

 

„Der Trainer hat in der Pause dann darauf hingewiesen, dass wir energischer in die Zweikämpfe gehen müssen“, berichtet Klaus Allofs von der Kabinenansprache des Coaches, der zur zweiten Halbzeit mit Sebastian Mielitz im Tor, Max Kruse, Ivan Klasnic und John Jairo Mosquera neue Kräfte brachte. Sein Gegenüber auf der Trainerbank, Gadzhi Gadzhiev, wechselte gleich das komplette Team. Mit diesem neuen Gegner kamen die Bremer zu Beginn der zweiten Halbzeit gut zurecht. Allofs beobachtete nun eine Werder-Elf, die entschlossener zu Werke ging und die Vorgaben des Trainers umsetzte. „Das war am Anfang recht gut aber dann ist die Ordnung auseinander gebrochen“, analysierte der frühere Topstürmer und befand: „Das war ärgerlich.“

 

Das Gleiche hat neben Werders Geschäftsführer Klaus Allofs wohl auch Ivan Klasnic gedacht, als Saturn-Torwart Botviniev in der 53. Spielminute seinen Elfmeter parierte. Mosquera war zuvor gefoult worden, Schiedsrichter Karayakplu hatte auf Strafstoß entschieden. Kurze Zeit später tauchte wieder Klasnic vor dem Tor der Russen auf; und wieder vergab der Kroate (57.). Es dauerte bis zur 62. Minute, ehe der „Killer“ dann endlich seinem Instinkt folgte: Hunt, der ein gutes Spiel machte, setzte sich energisch im Strafraum durch und passte auf Kruse, der den Ball gleich weiter auf den freistehenden Klasnic schob. Ein strammer und gezielter Schuss vollendete die Kombination zum 1:2-Anschlusstreffer.

 

Fehler eiskalt ausgenutzt

 

Waren die Werderaner ihren Kontrahenten nun überlegen, so blieb die Auswertung ihrer Möglichkeiten das klare Manko an diesem Nachmittag. Das, was Werder selbst verpasste, vorne zu bestrafen, gelang den Russen. Kleine Ungenauigkeiten im Abspiel nutzten sie sofort aus. Einen Rettungsschlag von Sebastian Mielitz konnte Sandro Stallbaum nicht schnell genug unter Kontrolle bringen – der Ball fiel einem Blauen vor die Füße, der den Überfall mustergültig mit einer scharfen Hereingabe einleitete. Im 16er hatte Jakubko dann keinerlei Probleme die Kugel im Netz unterzubringen (72.). Auch das 1:4 entstand aus einem kleinen aber folgenschweren Fehler. Frank Baumann hatte 20 Meter vor dem eigenen Tor gefoult. Den platziert getretenen Freistoß parierte Mielitz zunächst stark, konnte aber lediglich abklatschen lassen. Vorobiev reagierte am schnellsten und staubte ab (79.).

 

Dem 5:1 für Saturn, erneut durch Vorobiev, stellte sich dann kaum noch Bremer Gegenwehr. Jurica Vranjes suchte später nach Erklärungen für die allzu deutliche Niederlage: „Die Russen waren frischer als wir. Man hat schon gesehen, dass wir müde vom Trainingslager waren und dass die Beine schwer geworden sind.“ Gleichzeitig verweist er aber auch auf die verbleibende Zeit, die dem Schaaf-Team noch in Belek und auch in Deutschland bleibt, um sich wieder in Wettkampfform zu bringen. „Wir bekommen das alles in den Griff“, äußerte sich der Mittelfeldmann positiv. Vielleicht wusste er da ja auch schon, was sein Landsmann Klasnic kurz darauf verkündete: „Im Endeffekt habe ich in der Türkei immer nur verloren und danach haben wir in der Rückrunde gewonnen“, erinnerte sich der Angreifer mit einem Lächeln an die zurückliegenden Aufenthalte in Belek.

 

von Felix Ilemann