Werder verliert durch Micoud-Tor 0:1 gegen Bordeaux

Clemens Fritz liefert sich einen harten Zweikampf mit Jean-Claude Darcheville.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat sein letztes Testspiel der Saisonvorbereitung gegen Girondins Bordeaux mit 0:1 (0:1) verloren. Das entscheidende Tor erzielte ausgerechnet der Ex-Werderaner Johan Micoud, der bei seiner Auswechslung in der zweiten Hälfte mit stehenden Ovationen des Publikums verabschiedet wurde.

 

Vor 12.000 Zuschauern im Oldenburger Marschweg-Stadion erarbeiteten sich die Werderaner nach acht Minuten die erste Torchance. Nachdem Bordeaux-Torwart Ulrich Ramé einen Fernschuss von Daniel Jensen nicht festhalten konnte, kam Mohamed Zidan beim Versuch, den Abpraller zu erreichen, zu Fall. Eine strittige Szene, die Schiedsrichter Sascha Thielert jedoch nicht für elfmeterreif erachtete. Nach einer Viertelstunde gelangte ein Freistoß von Jensen, der für den mit muskulären Problemen pausierenden Diego als Spielmacher agierte, aus halbrechter Position nach links zu Ivan Klasnic. Doch der Kroate fabrizierte weder einen Torschuss noch eine Flanke, so dass der Ball als sichere Beute in den Armen von Ramé landete. Und auch die dritte Torchance des Spiels hatten die Grün-Weißen. Nach einer Kopfballvorlage von Klasnic auf Zidan zappelte der Ball sogar erstmals im Netz, doch das Tor fand wegen Abseitsstellung Zidans zurecht keine Anerkennung (21.).

 

“Joe“ trifft gegen seine alten Kollegen

 

Jurica Vranjes trennt Florian Marange mit einem beherzten Tackling vom Ball.

Zwei Minuten später stand es jedoch tatsächlich 1:0 – allerdings für die Gäste aus Bordeaux. Nach einem feinen Lupfer auf Johan Micoud war Frank Baumann nicht eng genug bei ihm, so dass „Joe“ aus spitzem Winkel an der linken Strafraumbegrenzung einfach abzog. Tim Wiese streckte sich vergeblich, und der Ball schlug im langen Eck ein (23.). Werder ließ sich zwar nicht beeindrucken und zeigte eine bessere Spielanlage als bei den vorausgegangenen Niederlagen gegen Kaiserslautern und Piräus, agierte aber bei seinen Offensivbemühungen meist erfolglos nach dem Motto „Ab durch die Mitte“. Insbesondere Linksverteidiger Pierre Womé zeigte sich sehr bemüht und nahm eine wichtige Rolle im Spielaufbau der Grün-Weißen ein, wagte aber ebenso wie sein Gegenüber Patrick Owomoyela kaum einmal einen Vorstoß nach vorne.

 

Zwei kleinere Klasnic-Chancen (28., 42.) und ein harmloser Distanzschuss von Christian Schulz, der diesmal im linken Mittelfeld rackerte, vervollständigten die kargen „Höhepunkte“ vor der Pause. Die neue Mannschaft von Johan Micoud indes hätte nach einer Konfusion in der Bremer Abwehr beinahe noch ein zweites Tor nachgelegt, doch Francias Schuss wurde abgeblockt (37.).

 

Dann war Feierabend für Tim Wiese, Patrick Owomoyela und Ivan Klasnic (er tauschte sein Trikot mit Micoud) – zur zweiten Hälfte kamen Andi Reinke, Clemens Fritz und Hugo Almeida. Mohamed Zidan blieb auf dem Feld und hatte fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff die große Chance zum Ausgleich auf dem Fuß. Der Ägypter lauerte nach einer Jensen-Ecke am langen Pfosten, brachte den Ball jedoch aus kurzer Distanz nicht kontrolliert aufs Tor. Und auch Zidans neuer Sturmpartner Hugo Almeida hätte das 1:1 erzielen können. Eine scharfe Freistoß-Hereingabe von Schulz prallte von einem Franzosen vor die Füße von Almeida, der sich den Ball in aller Ruhe zurecht legen konnte, aber rechts am Tor vorbei zielte (59.).

 

Micouds Auswechslung als Höhepunkt in schwacher zweiter Hälfte

 

Sichtlich bewegt bedankte sich Johan Micoud nach seiner Auswechslung bei den Werder-Fans.

Der Höhepunkt der schwachen zweiten Hälfte gebührte erneut Johan Micoud, auch wenn es sich diesmal nur um seine Auswechslung handelte. In der 64. Minute durfte „Le Chef“ vom Feld und wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen verabschiedet. Danach plätscherte das Spiel dem Ende entgegen. Während die Franzosen mit der Führung im Rücken und mit Micoud auf der Bank nur noch das Nötigste taten, fehlten Werder die Ideen, um die dicht gestaffelte Defensive des französischen Vize-Meisters zu durchbrechen. Lediglich Andi Reinke durfte sich noch einmal auszeichnen, als er in der 81. Minute per Fußabwehr einen Schuss des eingewechselten Darcheville klärte.

 

Nach der dritten Testspielniederlage in Folge ruhen die Hoffnungen für das Halbfinale im Premiere-Ligapokal (Dienstag, 20.30 Uhr im Weser-Stadion) nun vor allem auf der Rückkehr der Nationalspieler Torsten Frings, Tim Borowski und Miro Klose, deren Fehlen sich gegen Bordeaux einmal mehr bemerkbar machte.

 

von Kevin Kohues