Zwei Sieger im Nordderby zwischen Werder und dem HSV

Ivan Klasnic setzt sich gleich gegen zwei Hamburger durch.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Das gab es in der Geschichte der traditionellen Testspiele in Kropp noch nicht. Werder Bremen und der Hamburger SV gingen beide als Sieger aus dem Testspiel um den Holsten Cup am Sonntagnachmittag hervor. Nachdem es im Nordderby nach der regulären Spielzeit leistungsgerecht 2:2 (1:1) gestanden hatte, sollte die Entscheidung eigentlich im Elfmeterschießen fallen. Doch beim Stande von 7:7 und einem Pfostenschuss von Werders Keeper Andreas Reinke riss bei den zahlreichen jungen Autogrammjägern beider Teams der Geduldsfaden und sie überfluteten auf der Jagd nach den Unterschriften ihrer Lieblinge das komplette Spielfeld. Schiedsrichter Kai Voss hatte ein Einsehen mit den Fans, pfiff die Partie vorzeitig ab und erklärte beide Mannschaften zu den Gewinnern.

 

Dabei begann die Begegnung sehr geordnet. Die rund 6.500 Zuschauer konnten beiden Mannschaften anmerken, dass der Rückrundenauftakt immer näher rückt. Sowohl Werder als auch der Hamburger SV begannen sehr diszipliniert und engagiert. Obwohl die Hamburger mit einem Schuss von der Strafraumgrenze von Piotr Trochowski die erste Chance verbuchen konnten (8.), erwischte der deutsche Meister und Pokalsieger den besseren Start.

 

Die Bremer störten den HSV früh in der eigenen Hälfte und ließen das Team von Trainer Thomas Doll kaum zur Entfaltung kommen. Die offensiven Bemühungen sorgten auch bald für die ersten guten Tormöglichkeiten der Werderaner. Nach einer Ecke von Johan Micod von der linken Seite konnte Mannschaftskapitän Frank Baumann seinen Bewachern Raphael Wicky und Collin Benjamin entkommen und köpfte den Ball nur knapp über die Latte (9.). Noch enger wurde es für die Hamburger drei Minuten später. Erst setzte Valérien Ismael einen Freistoss aus 22 Metern an den Querbalken, Teamkollege Miroslav Klose erkannte die Situation am schnellsten und köpfte den Abpraller erneut auf das Hamburger Gehäuse. Doch der Nationalspieler zielte etwas zu genau und traf aus sechs Metern den rechten Pfosten.

 

HSV erzielte direkt nach Wiederanpfiff den Ausgleich

 

Wenige Minuten später machte es „Miro“ dagegen umso besser als er bei einer flachen Hereingabe von Ivan Klasnic schneller schaltete als seine Bewacher und zur Bremer Führung einschob (19.). Doch viel Zeit zur Freude über den Treffer blieb den Werderanern nicht. Direkt nach Wiederanstoß kam Piotr Trochowski wenige Augenblicke vor dem herausstürmenden Andreas Reinke am rechten Strafraumeck eher an den Ball und passte von der Torauslinie in die Mitte auf Naohiro Takahara, der den Ausgleich markierte (20.).

 

Die Hamburger gestalteten die Partie nun ausgeglichener. Ein Befreiungsschlag des HSV sorgte für die nächste Gefahr vor dem Bremer Tor. Torschütze Takahara leitete den Ball auf die linke Seite an den mitgelaufenen Sergej Barbarez weiter, der daraufhin in den 16er der Werderaner flankte. Doch der Kopfball vom heraneilenden Takahara landete in den Armen von Werders Schlussmann (24.). Auch bei den Schüssen von David Jarolim in der 32. Minute und Collin Benjamin (43.) zeigte sich Keeper Andreas Reinke in ausgezeichneter Form.

 

Aber auch die Bremer blieben gefährlich. Erst blieb nach einem Doppelpass zwischen Tim Borowski und Valérien Ismael der Schuss von „Boro“ aus fünf Metern in der Hamburger Hintermannschaft hängen und auch Ivan Klasnic fehlte im Abschluss das sogenannte Quäntchen Glück. Nach einer Hereingabe von Miroslav Klose drehte sich der Kroate um Gegenspieler Bastian Reinhardt und schoss aus spitzer Position auf den Kasten des HSV. Doch der Ball trullerte die Linie entlang am Tor vorbei (41.).

 

Viele Wechsel auf beiden Seiten im zweiten Durchgang

 

Zur Halbzeit änderte Cheftrainer Thomas Schaaf sein Team auf einigen Positionen. Frank Fahrenhorst kam für den angeschlagenen Frank Baumann in die Partie, Ümit Davala nahm den Platz von Paul Stalteri ein und Johan Micoud verließ für den auf die linke Mittelfeldseite rückenden Ludovic Magnin den Platz. Somit übernahm Daniel Jensen den offensiven Part in der Werder-Raute. Wenig später tauschte auch das Bremer Angriffsduo. Für Klose und Klasnic kamen Mohamed Zidan, der aufgrund einer Verletzung wenig später durch Francis Banecki ersetzt werden musste, und Nelson Valdez ins Spiel (60.). Auch der HSV wechselte. Für Daniel van Buyten betrat Björn Schlicke den Platz.

 

Die Partie verlor – auch bedingt durch die vielen Wechsel – an Tempo. Torchancen blieben zunächst auf beiden Seiten Mangelware. Einzig Naohiro Takahara, der von Sergej Barbarez gut in Szene gesetzt wurde, prüfte mit seinem Flachschuss die Reaktion von Andreas Reinke (55.). Somit fiel der erneute Führungstreffer für Werder mit tatkräftiger Mithilfe der Hamburger. Nach einem Rückpass rutschte HSV-Keeper Martin Pieckenhagen aus, Daniel Jensen nahm das Geschenk gerne an und schob ohne Probleme zum 2:1 ein (67.).

 

Doch auch dieses Mal gab die Mannschaft von Trainer Thomas Doll die passende Antwort. Sergej Barbarez verlängerte eine Ecke auf Collin Benjamin, der zum wiederholten Ausgleich einköpfte (69.). Auch in der Folgezeit kam es kaum noch zu nennenswerten Tormöglichkeiten. Lediglich der eingewechselte Vyacheslav Hleb fälschte nach einem Freistoss von Beinlich den Ball noch einmal gefährlich für Werders Keeper Andreas Reinke ab. Doch der Bremer parierte im Nachfassen (84.).

 

Somit kam es zum bereits erwähnten Elfmeterschießen, wo Schiedsrichter Kai Voss die Partie beim Stande von 7:7 aufgrund der zahlreichen Autogrammjäger auf dem Spielfeld beendete und beide Mannschaften zum Sieger erklärte.

 

Norman Ibenthal

 

Werder Bremen: Reinke – Stalteri (46. Davala), Baumann (46. Fahrenhorst), Ismael, Schulz – Borowski, Ernst, Micoud (46. Magnin), Jensen – Klasnic (60. Zidan (79. Banecki)), Klose (60. Valdez)

 

Hamburger SV: Pieckenhagen - Klingbeil (83. Donde), van Buyten (46. Schlicke), Reinhardt, Brecko - Wicky (80. Beinlich), Jarolim (72. Rahn), Benjamin (72. Mahdavikia), Trochowski (80. Takyi) - Barbarez (83. Lauth), Takahara (72. Hleb)

 

Tore: 1:0 Klose (19.), 1:1 Takahara (20.), 2:1 Jensen (67.), 2:2 Benjamin (69.)

 

 

Elfmeterschießen: 3:2 Valdez, 3:3 Hleb, Ismael verschießt, Lauth verschießt, 4:3 Borowski, 4:4 Beinlich, 5:4 Reinke, 5:5 Pieckenhagen, 6:5 Valdez, 6:6 Hleb, 7:6 Borowski, 7:7 Lauth

 

Gelbe Karten: Ismael (Werder) – Wicky (Hamburg)

 

 

Schiedsrichter: Kai Voss (Groß Herzdorf)

 

Zuschauer: 6.500