Entspannte Anreise zur besonderen UEFA-Cup-Mission

Cheftrainer Thomas Schaaf wird Espanyol Barcelona nicht unterschätzen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Schon im Flugzeug wurde deutlich, dass die Reise nach Barcelona etwas ganz besonderes ist. So lang konnten die Werder-Profis ihre Beine noch nicht ausstrecken, auf einer der zurückliegenden Auswärtstouren dieser Saison. In der Maschine der Austrian Airlines wartete ein geräumiger First Class Bereich mit viel Beinfreiheit und Liegesesseln. Der Pilot begrüßte die Mannschaft und wünschte nicht nur wie üblich im Namen seiner Crew, sondern auch im Auftrag der Flugsicherheit sowie der Luftwaffe der Bundeswehr, viel Glück für die anstehende Mission. Zwei Flugstunden und fünf Minuten Entspannung pur vor dem großen Trubel, Besinnung auf die letzte Reise vor dem angestrebten UEFA-Cup-Finale in Glasgow. Mit Ruhe und Konzentration gehen die Bremer ihr Ziel an, erstmals nach 1992 wieder ein Europapokalfinale zu erreichen.

 

"Wenn es einen Titel zu vergeben gibt, wollen wir immer dabei sei, egal in welchem Wettbewerb, aber so ein Europapokal ist schon etwas ganz Besonderes", sinniert Cheftrainer Thomas Schaaf, der 1992 dabei war, als Werder in Lissabon 2:0 gegen den AS Monaco gewann. "Das ist ja schon ein gewisse Zeit her. Aber die Erinnerungen hat man immer wieder vor Augen. Da sind schöne Gedanken dabei." Kein Wunder, dass der Coach diesen Coup wiederholen möchte. "Es ist toll, wenn wir es unseren Fans bieten könnten wieder in so ein Finale einzuziehen. Wenn wir es uns selbst erfüllen könnten, wieder so ein Finale zu spielen. Aber davor müssen wir noch eine ganz schwere Runde überstehen."

 

Genau diese Gedanken sind es, mit denen der Trainer sein Team konfrontiert. "Wir wissen was da auf uns zukommt. Keiner wird den Gegner unterschätzen. In der Liga sind sie nur Zehnter, aber sie haben im UEFA-Cup für Furore gesorgt. Zuletzt Benfica Lissabon ausgeschaltet, die in diesem Jahr eine sehr gute Mannschaft haben." Doch auch schon vorher sorgte Espanyol mit erfolgreichen Fußball für Aufsehen. Mit vier Siegen und 11:2 Toren überstanden sie ihre Vorrundengruppe locker, ließen Ajax Amsterdam mit Leichtigkeit hinter sich und setzten sich dann gegen Livorno und Haifa durch.

 

Schaaf befürchtet nicht, dass sein Team den Gegner unterschätzt. Auch dass es diesmal nicht in den Fußball-Tempel des großen FC Barcelona geht, sondern ins Olympiastadion auf dem Berg Montjuic hält Schaaf nicht für kontraproduktiv. "Da wird trotzdem noch ein Menge los sein, außerdem ist es auch gar nicht so klein. Immerhin größer als das Weser-Stadion."

 

Schaaf lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er weiß zwar um die Stärken des Gegners, aber auch um die Qualität des eigenen Teams. Diese lag zuletzt in der Defensive. Die Grundlagen für den Einzug ins Halbfinale wurden durch zwei Spiele ohne Gegentore in Vigo und Alkmaar gelegt. "Die Defensive muss gut funktionieren. Dort holt man sich die Stärke", führt Schaaf aus und sagt weiter: "Die Erfahrung zeigt, dass ein Abwehrverbund im Verlauf einer Saison reift. Das konnte man auch dieses Jahr bei uns sehen."

 

Der gereifte Defensivverbund trifft auf eine umtriebige Espanyol-Offensive. Die Katalanen erzielten bislang die meisten Tore dieser UEFA-Cup-Saison. "Jetzt fehlt ihnen mit Luis Garcia zwar ein wichtiger Mann, aber in Ivan de la Pena haben sie einen erfahrenen, kreativen Spieler, der immer gefährliche Dinge initiieren kann", erklärt Schaaf. Besonders motiviert werden die Spanier gegen ein deutsches Team sein, gegen die es zuletzt zwei schmerzliche Niederlagen gab. Schalke 04 bezwang die Katalanen in der vergangenen Spielzeit gleich zwei Mal (3:0 auswärts, 2:1 zu Hause). Noch schmerzlicher dürfte den Anhängern das UEFA-Cup-Endspiel von 1988 in Erinnerung geblieben sein, als Bayer Leverkusen mit Werders Co-Trainer Wolfgang Rolff eine 0:3 Auswärts-Niederlage noch umbog und im Elfmeterschießen gewann.

 

Wie bitter dieser Moment für die damaligen Espanyol-Profis gewesen sein muss, kann sich Jurica Vranjes gut vorstellen. Auch der Kroate entspannte sich auf dem Flug nach Barcelona. Er will diese Runde gegen Espanyol unbedingt erfolgreich hinter sich bringen. "Juri" will unbedingt nach Glasgow. "Ich habe dort mit Leverkusen bereits das Champions-League-Finale 2002 bestritten, saß aber nur auf der Bank. Trotz der Niederlage gegen Real Madrid habe ich auch schöne Erinnerungen an eine tolle Stadt und an ein sehr schönes Stadion. Nur diesmal möchte ich natürlich das Ganze mit einem Erfolgserlebnis abschließen."

 

von Michael Rudolph