0:1 beim FC Twente: Werder nutzt die Chancen nicht

Twentes Wout Brama grätscht Marko Marin den Ball vom Fuß. Werder verlor das Europa-League-Hinspiel mit 0:1.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Kein Auswärtstor in der Europa-League-Zwischenrunde. Werder Bremen verlor das Europapokal-Hinspiel vor 22.000 Zuschauern beim niederländischen Tabellenzweiten Twente Enschede mit 0:1 (0:1). Der einzige Treffer des Abends blieb dabei Mittelfeldspieler Theo Janssen vorbehalten, der sechs Minuten vor der Pause einen fulminanten Distanzschuss genau ins rechte Eck hämmerte. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte Werder wesentlich mehr Spielanteile und Tormöglichkeiten, wusste nur keine davon zu nutzen. Die größte vergab Angreifer Claudio Pizarro, als er nach einem kapitalen Fehler in Twentes Hintermannschaft völlig allein mit vollem Risiko Torwart Sander Boschker anschoss (34.).

 

Werder verdichtet die Räume und agiert deutlich überlegen

 

Torwart Sander Boschker und Verteidiger Peter Wisgerhof hatten allen Grund zur Freude.

Never change a winning team. Zum bereits vierten Mal in Folge ließ Cheftrainer Thomas Schaaf die gleichen elf Spieler in der identischen Formation auflaufen. Der spielstarke Tabellenzweite aus den Niederlanden vertraute derweil auf ein gewohnt offensives 4-3-3-System, aus dem Mittelfeld angetrieben von Perez und Janssen und an deren Spitze die Reihe Ruiz-Nkufo-Stoch für Torgefahr sorgen sollte. Dies wusste Werder allerdings von Beginn an effektiv zu verhindern. Die Grün-Weißen verdichteten in der Defensive klug die Räume, verhinderten somit vor allem Twentes gerne praktiziertes Kurzpassspiel. Darüber hinaus schnappt die Abseitsfalle – in die vor allem Blaise N’Kufo ein ums andere Mal tappen sollte – fehlerlos zu. Und nicht nur er. In der elften Minute hatte N’Kufo die Kugel bereits über die Linie geschoben, jedoch stand Passgeber Miroslav Stoch vorher einen Meter zu weit vorn und wurde vom portugiesischen Unparteiischen Batista berechtigt zurückgepfiffen.

 

Bremen dagegen tankte in dieser Anfangsphase Mut aus weiterer Entfernung. Torwart Sander Boschker lenkte Naldos Schuss aus gut 23 Metern zur Ecke (13.) und hielt Fritz‘ Versuch fest (15.). Deutlich unachtsamer agierte der Schlussmann dagegen sieben Minuten darauf. Frings energischer Antritt endete mit einem scharfen, aber unplatziertem Schuss, Boschker ließ urplötzlich prallen, Marin reagierte flink, nur ohne letzte Konsequenz und verfehlte aus unbedrängter Position im Nachsetzen. Dennoch fingen die Grün-Weißen in der Defensive die wiederholt versuchten Steilpässe der Gastgeber stetig ab und agierten offensiv deutlich feldüberlegen. Hunt spielte Pizarro auf Außen frei, der passte den Ball hauchzart in die Gefahrenzone, wo ihn Marin clever durch die eigenen Beine rollen ließ, was Enschedes gesamte Hintermannschaft verwirrte, allerdings kam der nach vorn geeilte Petri Pasanen am langen Pfosten um eine Schuhspitze zu spät (24.).

 

Twentes Torschütze Theo Janssen gegen Marko Marin.

Twente bedankt sich für das „Verschontbleiben“

 

Erst in der 27. Minute schickte sich Twente an, im Angriff für Aufmerksamkeit zu sorgen - dafür umso eindringlicher. Als alle mit Theo Janssens Freistoßflanke rechneten, zirkelte der das Leder von der äußeren Strafraumgrenze auf den Kasten; Wiese lenkte den frechen Schuss, der genau unter die Latte gepasst hätte, per Glanzparade gerade noch ans Aluminium. Sieben Minuten später vergab Claudio Pizarro auf der anderen Seite die Riesenmöglichkeit zur Führung. Außenverteidiger Tiendalli klärte einen aufsetzenden Ball in die falsche Richtung, dem mutterseelenallein postierten Pizarro fiel dieser auf die Füße, aber der Peruaner schloss per Spannstoß brachial ab, statt überlegt zu schieben und traf nur Boschker und nicht das Tor.

 

Die Twente-Elf bedankte sich für dieses „Verschontbleiben“ auf ihre ganz eigene Art, sie bestrafte Werder. Nahe der Mittellinie setzte Theo Janssen ungestört und ohne Gegenspieler weit und breit zu einem Solo an, traf den Ball 23 Meter vor dem Kasten aus halblinker Position punktgenau, der schlussendlich am machtlosen Tim Wiese vorbei ins linke Eck zur vollkommen überraschenden Führung krachte. Werder reagierte, wollte, musste und griff weiter an. Noch vor dem Pausenpfiff. Bei der guten Flanke des eingewechselten Abdennour wurde für Pizarros Volley der Winkel jedoch etwas zu spitz (41.). Wiederrum drei Minuten darauf war Naldo gelegt worden; der schüttelte sich kurz und donnerte das Leder aus mehr als 25 Metern nur knapp über die Latte (44.). Marins Hechtkopfball nach scharfer Fritz-Hereingabe vereitelte Boschker aufmerksam (45.).

 

Aymen Abdennour lässt Bryan Ruiz keinen Zentimeter Platz.

Wiese verhindert das 0:2 in der Nachspielzeit

 

Kaum zurück auf dem Feld, war Twentes 39-jähriger Schlussmann erneut Bewahrer in höchster Not. Fritz passte in der 51. Minute zu Niemeyer, der drehte sich schnell um seinen Gegenspieler und schlenzte aus 16 Metern gen Torwinkel, was Boschker mit den Fingerspitzen nach einem artistischen Flug abwendete. Tim Wiese stand seinem Gegenüber vier Minuten später in nichts nach, denn auch Torschütze Theo Janssen hatte noch einen strammen Schuss im Repertoire, dem Werders Schlussmann glücklicherweise blitzschnell mit nur einer Hand die Krönung versagte.

 

Twente zog sich zurück, wollte punktuelle Nadelstiche setzen. Wie etwa bei Kenneth Perez‘ Freistoß, der sich auf das obere Tornetz senkte. Die Bremer rackerten, doch der Druck auf Enschedes Hintermannschaft konnte nicht annähernd an jenen in den ersten 45 Minuten heranreichen. Sie schienen sich in der Offensive aufgerieben zu haben, herausgespielte Chancen waren Mangelwaren geworden. Pizarros Schuss mit Wut im Bauch zischte nur knapp am linken Pfosten vorbei (66.). Ein Twente-Verteidiger klärte im letzten Moment im Fünfmeterraum vor dem einköpfbereiten Almeida. Abdennour hatte abermals geflankt (79.). Und vier Minuten darauf auch selbst geköpft, was Boschker aber nicht in Bedrängnis brachte. Tim Wiese bewahrte seine Mannschaft in der Nachspielzeit gegen Bryan Ruiz sogar vor einer noch schwierigeren Aufgabe im Rückspiel. Der Costa Ricaner hatte zuvor Fritz und Frings im Strafraum aussteigen lassen.

 

von Maximilian Hendel