„Nur ein Ziel: In die nächste Runde!“

Im Dezember 2002 trafen Werder und Angelos Charisteas schon einmal im DFB-Pokal auf die Mannschaft aus Ahlen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Saisonauftakt für Werder Bremen. Nach nunmehr 6 Wochen harter Vorbereitungszeit, drei Trainingslagern sowie unzähligen Lauf-, Spiel- und Taktikeinheiten steht den Mannen von Cheftrainer Thomas Schaaf am Samstag, 14.08.2010, 15.30 Uhr das erste Pflichtspiel der neuen Saison bevor. Dabei bekommen es die Grün-Weißen mit Zweitliga-Absteiger Rot Weiss Ahlen zu tun, bei denen seit Saisonbeginn der Ex-Werderaner Arie van Lent auf der Trainerbank Platz genommen hat.

 

Rasante Entwicklung mit Höhen und Tiefen

 

Der heutige Club Rot Weiss Ahlen geht ursprünglich aus den beiden Ahlener Vereinen Blau-Weiß und TuS Ahlen zurück, die 1929 bzw. 1949 gegründet wurden. Als dem Traditionsverein TuS Ahlen Anfang der neunziger Jahre der Abstieg in die Kreisliga drohte, entwickelte der spätere 1. Vorsitzende des Vereins, Helmut Spikker, ein Konzept zur Sanierung des Clubs, dessen Grundlage eine enge Verbindung zwischen LR International, einem Network-Marketing-Unternehmen im Bereich Gesundheits- und Schönheitsprodukte, und dem Verein TuS war.

Neuzugang Marcus Piossek (l.) kam von der Zweitvertretung des BVB und erzielte das bislang einzige Ahlener Tor in dieser Spielzeit.

Mit dem Aufstieg in die Regionalliga im Jahr 1996, gab der Verein die Fusion von Blau-Weiß und TuS Ahlen zum Leichtathletik und Rasensport Verein Ahlen, kurz LR, bekannt. Vier Jahre später stieg die Mannschaft in die 2. Bundesliga auf, ehe man nach der Saison 2005/2006 den Gang zurück in die Drittklassigkeit antreten musste. Durch den Rückzug des Hauptsponsors LR International erfolgte Ende Mai 2006 die Umbenennung in Rot Weiss Ahlen. 2008 kehrte man noch einmal in Deutschlands zweithöchste Spielklasse zurück, ehe der Werse-Club in der vergangenen Saison die Runde als Tabellenletzter abschloss.

 

Die Pleite gerade noch so abgewendet

 

Der 39-jährige Deutsch-Niederländer Arie van Lent steht bei seiner zweiten Trainerstation wahrlich vor keinem leichten Unterfangen. Neben dem völlig runderneuerten Kader mit mehr als einem Dutzend neuer Spieler und noch mehr Abgängen, hat Rot Weiss Ahlen mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Erst wenige Tage vor Saisonbeginn wendete der Verein mit letzter Kraft die drohende Insolvenz ab, nachdem kurzfristig einer der Großsponsoren sein Engagement bei den Rot-Weißen beendet hatte. Um den Spielbertrieb der Profimannschaft sicherstellen zu können, musste der Verein sämtliche Gelder für das Jugendleistungszentrum streichen. Auch für Neuzugänge stand Van Lent ein sehr geringes Budget zur Verfügung, was die Aufgabe eine schlagkräftige Mannschaft in die neue Drittligasaison schicken zu können, deutlich erschwerte. Trotz aller Stolpersteine versuchten RW-Manager Ronald Maul und Trainer Arie van Lent bei der Neuzusammenstellung des Kaders eine geeignete Mischung aus „jungen und dynamischen“ sowie erfahrenen Spielern zu finden.

 

Ahlener lassen Durchschlagskraft bisher vermissen

 

Mit den Neu-Verpflichtungen der bundesligaerfahrenen Christian Alder, Sebastian Hille und Sebastian Ghasemi-Nobakht sowie hoffnungsvollen Nachwuchtalenten wie David Vrzgovic oder Marcus Piossek, die beide aus der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund an die Werse wechselten, hoffen die Verantwortlichen der Westfalen die Mannschaft in Liga 3 etablieren zu können.

Rückblick: Johan Micoud, verwickelt in einen Ahlener Zweikampf.

In den bisherigen vier Partien der noch jungen Spielzeit ist die Punkteausbeute der Rot-Weißen allerdings noch ausbaufähig. „Weder Fisch noch Fleisch“, urteilte Manager Maul nach zunächst drei Unentschieden zu Saisonbeginn. „Mehr Mut“ brauche das junge Ahlener Team, bemängelte der ehemalige Bundesliga-Profi von Hansa Rostock und dem Hamburger SV auch nach der 0:2-Pleite am vergangenen Wochenende gegen Aufsteiger Babelsberg die noch fehlende Durchschlagskraft der RW-Offensive.

 

Nur ein Ziel: In die nächste Runde

 

Die Werderaner, und dabei im Speziellen Cheftrainer Thomas Schaaf, sind vor dem DFB-Pokal-Erstrundenmatch gegen den Drittligisten vor allem auf die eigene Leistung fokussiert und schauen dabei weniger auf den Gegner: „Es ist doch selbstverständlich, dass wir in Ahlen die nächste Runde erreichen wollen. Das erwarten wir von der Mannschaft, gerade auch weil wir wissen, welch schöne Momente uns der Pokal immer wieder beschert hat“, sagte der Bremer Coach im Vorfeld des Aufeinandertreffens am Sonnabend im Wersestadion. Dass die Norddeutschen vor knapp acht Jahren bereits ihre ersten Erfahrungen mit den Ahlenern im Pokal sammeln durften, schien bei den Werder-Verantwortlichen etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Zur Erinnerung: Erst Sekunden vor dem Abpfiff sicherte Ivan Klasnic den Grün-Weißen mit seinem Treffer zum 2:1-Endstand das Weiterkommen ins DFB-Pokalviertelfinale. Van Lent sieht die einzige Chance in der krassen Außenseiterrolle seines Teams begründet: „Wir haben nichts zu verlieren und den Vorteil, dass Werder noch nicht in die Saison gestartet ist. Irgendwann müssen sie im Pokal auch wieder verlieren, deshalb hoffe ich, dass es am Samstag in Ahlen passiert.“

 

 

Vorbericht von Marco Niesner