Das "Herz der Pfalz" schlägt so kraftvoll wie lange nicht

Der Kapitän weist den Weg: Lauterns Martin Amedick und sein Team sind aktueller Zweiter der 2. Liga.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Das DFB-Pokal-Achtelfinale steht an (Mittwoch, 28.10.2009, 19 Uhr). Wie schon in Runde 2 wird erneut das Weser-Stadion Austragungsort sein, und erneut gastiert ein ambitionierter Zweitligist mit einer nicht alltäglichen Vita in Bremen, der dem Titelverteidiger ein Bein stellen will. Der 1. FC Kaiserslautern im Kurz-Portrait:

 

 

Sidney Sam (m.) beim Torjubel mit Bastian Schulz (r.) und Ivo Ilicevic.

Der Klub: Wer weiß, welchen Weg der hiesige Fußball ohne das Zutun des 1. FC Kaiserslautern und seiner Spielerpersönlichkeiten der 50er Jahre gegangen wäre. Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel prägten maßgeblich eine Ära aus zwei Meisterschaften (1951, 1953) und zwei Finalteilnahmen (1954, 1955). Angeführt von Kapitän Fritz Walter standen diese fünf außerdem in der mythenumwobenen Elf, die im WM-Finale 1954 die schier unbezwingbaren Ungarn nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2 besiegen konnten. 1963 zählte der FCK zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga, gewann 1991 unter Kalli Feldkamp eine weitere Meisterschaft und stieg 32 Jahre nach dem Bundesliga-Jungfernjahr das erste Mal ab. Unter dem Bremer „König“ Otto Rehhagel gelang der sofortige Wiederaufstieg, um sich 1998 direkt nach der Rückkehr sensationell ein viertes Mal zum Meister zu krönen. Ein Novum in der deutschen Fußballgeschichte. Allerdings schlossen sich sportliche Unkonstanz und wirtschaftliche Bredouillen an, der nächste Abstieg folgte 2006, zeitweilig drohte gar die 3. Liga. „Sie haben in den letzten Jahren einiges durchlebt. Es ging für sie nach unten, sie hatten sehr viel Unruhe im Verein“, weiß Werders Cheftrainer Thomas Schaaf. Doch das „Herz der Pfalz“ schlägt wieder – so kraftvoll wie lange nicht.

 

Der Trainer: VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg, Borussia Dortmund, Schalke 04, 1860 München und Pfullendorf – das waren die Stationen der aktiven Karriere des mittlerweile 40-jährigen Marco Kurz. In Pfullendorf bekleidete er zeitweise noch das Amt als Spielertrainer, ehe es zurück zu 1860 München ging. Nach der sportlichen Leitung von U 23 und Profis der Löwen war dort im Februar 2009 Schluss. Im vergangenen Juni dann bekam er unter anderem vom FCK-Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz das Vertrauen für den Posten beim Traditionsklub geschenkt – bisher alles andere als eine Entscheidung, die Kuntz hätte bereuen müssen.

 

FCK-Trainer Marco Kurz.

Die Mannschaft: Thomas Schaafs Lob kommt nicht von ungefähr: „Inzwischen haben sie als Mannschaft eine Kompaktheit gewonnen, die sie in der 2. Liga auf eine gute Position gebracht hat. Das lässt hoffen, dass es für sie bald wieder nach oben geht.“ Jung, unverbraucht und effektiv kommt der FCK aktuell daher. Kaum ein Stammspieler hat die 25 Jahre überhaupt schon überschritten. Einzig die beiden Leistungsträger aus der Defensive Alexander Bugera (31) und Martin Amedick (27) verfügen über ein gewisses Alter und die nötige Erfahrung. Hinter ihren breiten Schultern bleibt den Jungspunden genug Raum für die Entwicklung und das Erwachsenwerden. Gleichmäßig auf neun Schultern verteilen sich die bisher 15 Saisontore in der 2. Liga. Die Geschlossenheit ist der Schlüssel, kein Knipser sticht heraus. Ivo Ilicevic ist mit drei Treffern derzeit intern der Erfolgreichste. In Bremen muss der jedoch gesperrt zuschauen. Dazu fehlt den ‚Roten Teufeln‘ Offensiv-Kraft Sidney Sam. Der 21-Jährige laboriert an einer Oberschenkelzerrung.

 

Die aktuelle Saison: Erst am vergangenen Wochenende setzte es daheim gegen Martin Harnik und Fortuna Düsseldorf die erste Saison-Niederlage (0:2). Davor gelangen sechs Siege und drei Unentschieden, wodurch aktuell Rang zwei in der 2. Bundesliga zu Buche steht – drei Punkte hinter Spitzenreiter Arminia Bielfeld, jeweils einer vor Werders bisherigen Pokal-Gegnern St. Pauli und Union Berlin. Zu was die FCK-Klasse von 2009/10 außerdem fähig ist, musste Bayer Leverkusen schmerzlich erfahren. Die zogen in Pokal-Runde zwei mit 1:2 den Kürzeren.

 

Der ewige Held bleibt unvergessen: Fritz Walter.

Das letzte Aufeinandertreffen: …verlor Werder im Februar 2006 daheim mit 0:2. Der damals noch in Lauterer Diensten stehende Boubacar Sanogo und Ervin Skela trafen am 21. Spieltag für den späteren Absteiger. Eine empfindliche 0:3-Schlappe setzte es übrigens auch im letzten Pokal-Gegeneinander 2003, beide standen sich im Halbfinale gegenüber. Das Lauterer Tor hütete damals noch Tim Wiese und vorne markierte Miroslav Klose das zwischenzeitliche 2:0.

 

Die Stimmen der Werder-Verantwortlichen: „Kaiserslautern hat natürlich nichts zu verlieren. Aber wir müssen nicht drumherum reden: Für uns ist das Weiterkommen eine Pflichtaufgabe. Die Frage wird sein, wie entschlossen wir auftreten und wie es uns gelingt unser Spiel durchzubringen“, blickt Thomas Schaaf auf das Spiel. Und Geschäftsführer Klaus Allofs fügte hinzu: „Wir nehmen den DFB-Pokal sehr ernst. In der vergangenen Saison sind wir ins Endspiel eingezogen, weil wir in jedem Spiel auf den Punkt topfit und konzentriert waren. Das wird gegen Lautern wieder abgefordert.“

 

von Maximilian Hendel