WIESE! FINALE!

Tim Wiese krönte mit seinen Elfmeterparaden die absolut überzeugende Vorstellung der ganzen Werder-Mannschaft!
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen steht im DFB-Pokal-Finale! Dank eines überragenden Tim Wiese, der im Elfmeterschießen drei Elfmeter abwehrte, setzten sich die Grün-Weißen beim Hamburger SV mit 4:2 nach Elfmeterschießen durch. Nach 90 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Die Tore dazu erzielten Per Mertesacker (11.) und Ivica Olic (67.). In der Elfer-Lotterie nach einem fantastischen, stimmungsvollen und stets fairen Halbfinale trafen für Werder Claudio Pizarro, Mesut Özil und Torsten Frings. Für den HSV verwandelte nur Joris Mathijsen, Tim Wiese hielt die Schüsse von Boateng, Olic und Jansen!

Werder ging auf vier Positionen verändert ins Halbfinale. Die in Berlin noch ausgefallenen Diego, Mesut Özil und Sebastian Boenisch wurden von Thomas Schaaf nach ihrer Genesung wieder berufen, für Boenisch machte Sebastian Prödl Platz und im Mittelfeld wurden Aaron Hunt und Alex Tziolis ersetzt. Im Angriff wurde Claudio Pizarro wieder Hugo Almeida zur Seite gestellt.

Schon die erste Spielminute hielt Aufregendes bereit: eine HSV-Ecke, ohne Probleme von Frings geklärt, und eine Grätsche von Diego an der Außenlinie. Und es ging gut weiter, die erste dicke Möglichkeit bot

sich in der 6. Minute den Gästen. Pizarro steckte schön zu Özil in den Strafraum durch, der legte den Ball vor dem Tor quer, doch Hugo Almeida verpasste die Eingabe um Zentimeter.

Schon früh verdiente Werder-Führung

Doch Werder sollte für das agile und sehr ballsichere Auftreten bald belohnt werden. Einen toll getretenen Freistoß von Diego konnte Frank Rost nur mit Mühe aus dem Winkel kratzen − genau vor die Füße von Per Mertesacker. Der hatte sich geschickt um die Mauer geschlichen und schob ohne Probleme zum 1:0 für Werder ein (11.)! Die erste Chance der Hausherren ließ bis zur 18. Minute auf sich warten. Dann schickte Aogo Paolo Guerrero, doch dessen Schuss aus 22 Metern strich knapp am Tor von Tim Wiese vorbei.

Werder ruhte sich auf seinem Vorsprung keineswegs aus, sondern strebte weiter nach vorn − couragiert und willensstark. Das äußerte sich in weiteren Möglichkeiten, während dem HSV bis zur Pause dank aufmerksamer Zweikampfgestaltung keine Gelegenheiten mehr gestattet wurden. Die beste Chance hatte Naldo mit einem gewaltigen 35-Meter-Freistoß, den Frank Rost nur mit großen Schwierigkeiten parieren konnte (22.). Doch auch Boenischs Linksschuss aus 14 Metern (29.) und ein Naldo-Kopfball nach einer Ecke (40.) näherten sich gefährlich dem Tor. Zur Pause konnten alle Werder-Fans auf eine starke erste Halbzeit ihres Teams zurück blicken.

Beide lauern, der HSV trifft

Halbzeit zwei startete ruhig, mit Ausnahme einer Chance für den eingewechselten Pitroipa, der eine Flanke knapp verpasste (47.). Sonst belauerte man sich geflissentlich und stand sich auf den Füßen, seltene

Schussversuche wurden abgeblockt. Doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Der begann mit einem Beinahe-Eigentor von Michael Gravgaard − der HSV-Verteidiger lenkte eine Fritz-Flanke fast ins eigene Tor, der Ball landete auf dem Tornetz (66.). Doch das Tor fiel auf der anderen Seite: Nach einer Werder-Ecke startete Hamburg einen Konter, an dessen Ende Ivica Olic frei am klasse reagierenden Tim Wiese scheiterte. Doch Guy Demel bekam den Nachschuss und Olic konnte seinen Fuß hinein halten, abgefälscht rollte der Ball unhaltbar über die Linie (67.).

Nun wurde es hitzig und höchst intensiv. Zwei Minuten nach dem Ausgleich versagte Schiedsrichter Kirch Claudio Pizarro einen klaren Elfmeter, Joris Mathijsen hatte ihn im Strafraum zu Boden gerissen und sogar selbst einen Freistoß erhalten. Auch Olic gegen Diego und Alex Silva gegen Frank Baumann testeten mit harten Fouls den Schiedsrichter, der da jedoch richtig entschied. Wirklich gefährlich wurde der HSV nach dem 1:1 mit einer Ausnahme in der ersten Minute der Nachspielzeit (Wiese hält gegen Olic) nicht mehr, Werder stand richtig gut. Wie bitter, dass wieder nach einem eigenen Standard die Ordnung nicht gestimmt hatte.

Unglaubliche Spannung und Wieses Explosion

Werder bekam noch einige kleinere Möglichkeiten und blieb weiter Herr im Hause, konnte Frank Rosts Kasten aber ebenfalls nicht mehr entscheidend gefährden. So ging es in die Verlängerung, allerdings nur

noch mit 21 Feldspielern: David Jarolim hatte nach einem groben Foulspiel am konternden Özil berechtigt Rot gesehen (90.+2).

Die Verlängerung gestaltete Werder absolut dominant, der HSV gruppierte zwei Viererketten vor den Strafraum und verweigerte lange fast jeden Weg nach vorn. Werder spielte drumrum und fand nur selten die Lücke. Die beste Chance vergab Markus Rosenberg allein vor Frank Rost (94.). Auch Naldos Kopfball nach einer Ecke hätte ein Tor verdient gehabt, Rost parierte erneut stark (96.). Die zweite Halbzeit der Verlängerung wurde dank nachlassender Kräfte der Bremer und starker Kampfkraft des HSV offener, Ivica Olic (109.) und Piotr Trochowski (112.) verfehlten das Tor nur um wenige Zentimeter. In der 120. Minute musste Tim Wiese auch noch außerhalb des Strafraums gegen Pitroipa retten. Werder hatte nur noch einen Naldo-Freistoß und einige Konter zu bieten, spielte das aber oft zu überhastet und zu ungenau zu Ende.

Das fällige Elfmeterschießen nahm dann für Werder einen fast perfekten Verlauf. Zwar traf Joris Mathijsen mit dem ersten Elfmeter vor der HSV-Fankurve zum 2:1, doch Claudio Pizarro konnte mit Hilfe des Innenpfostens ausgleichen. Tim Wiese parierte dann in großer Manier hintereinander die Versuche von Jerome Boateng und Ivica Olic, während Mesut Özil, ungefährdet nach links, und Torsten Frings, spektakulär mit der Lattenunterkante, verwandelten. Als Wiese dann Marcell Jansens letzten Versuch gegen den Pfosten lenkte, gab es kein grün-weißes Halten mehr!

WERDER STEHT AM 30. MAI 2009 IM POKALFINALE IN BERLIN!

von Enrico Bach