Schaaf: "Ich wäre gern als Spieler dabei"

Volle Konzentration auf Chelsea: Thomas Schaaf und Per Mertesacker bei Werders Pressekonferenz vor dem Champions-Leageu-Spiel gegen den FC Chelsea.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Wenn Thomas Schaaf an die Partie gegen Chelsea denkt, würde er am liebsten noch einmal selbst die Fußballschuhe schnüren. "Wenn ich ganz ehrlich bin, dann würde ich so ein Spiel natürlich lieber als Spieler erleben. Den Traum hat doch jeder, noch mal dabei sein zu können. Aber schon bei uns im Training merke ich, dass einige Spieler schneller sind und dass morgen daraus nichts wird", so der Coach, der mit seiner schmunzelnd vorgetragenen Begeisterung versucht das Kribbeln vor der Partie wiederzugeben. Später fügt er hinzu: "Aber auch als Trainer ist es ein großartiges Gefühl."

 

Das Spiel gegen den FC Chelsea am Mittwochabend ist der Höhepunkt aller Partien des 5. Spieltages in Europas Königsklasse. 270 Journalisten verfolgen die Begegnung, 26 Kameras fangen die Bilder ein, die eine Live-Übertragung in 60 Länder ermöglichen.

 

Unter diesen Voraussetzungen wollen die Werderaner ihren Traum vom Achtelfinale ein großes Stück näher kommen. "Wir haben alle Möglichkeiten und wollen jetzt zugreifen. Über dieses Spiel wollen wir zu unserer Fitness, vollem Akku und alter Stärke zurückfinden", so Per Mertesacker, der sich am Dienstag vor dem Spiel der internationalen Presse stellte. Große Taten wollen die Werderaner auf dieser großen Bühne umsetzen. "Wir müssen einfach alles zeigen. Es genügt auf diesem Niveau nicht, sich auf das eine oder das andere zu konzentrieren", warnt Schaaf, der nicht davon ausgeht, dass sich der englische Meister aufgrund seiner guten Tabellensituation und dem bevorstehenden Premier-League-Knaller gegen Tabellenführer Manchester United am Wochenende zurückhalten wird. "Erstens kann ich mir nicht vorstellen, dass man Spiele verlieren will. Zumal es gerade vor ihrem Spitzenspiel wichtig sein wird, Selbstvertrauen zu tanken. Zweitens haben sie in jeder Besetzung eine qualitativ hochwertige Mannschaft", stellte Schaaf fest. Klaus Allofs zuckte mit den Schultern: "Wer soll in so einem B-Team spielen? Solche Spieler gibt es gar nicht." Als ob er Allofs bestätigen wollte gab Jose Mourinho schon am Dienstagabend seine personellen Wechsel im Vergleich zum vergangenen Wochenende bekannt. "Cole wird für Robben spielen, Ballack für Lampard und Boulharouz für Carvalho!" Eine B-Elf sieht sicher anders aus. Und Mourinho setzt nach: "Ich kann nur noch einmal bestätigen, dass wir hier sind, um zu gewinnen. Verlieren will ich nur, wenn ich gegen meine Kinder spiele."

 

Es liegt allein an Werder, Chelseas inneren Schweinhund zu aktivieren, glaubt Werders Klaus Allofs. "Vorstellbar ist nur, dass wir ihnen von der ersten Minute mit einer starken Leistung zeigen, dass in Bremen nichts zu holen ist. Vielleicht wehren sie sich aufgrund der Voraussetzungen dann nicht so. Aber das passiert auch nur bei einem starken Auftritt unserer Mannschaft." Klaus Allofs verwies später auf das Beispiel FC Barcelona, der im Vorjahr bewies, wie Spitzenmannschaften mit solchen Konstellationen umgehen. "Da haben sie mit einer vermeintlich schwächeren Besetzung in ihrem letzten Vorrundenspiel alles gegeben, gewonnen und uns den Einzug ins Achtelfinale ermöglicht. Mannschaften auf diesem Niveau wollen immer gewinnen."

 

Auch in diesem Jahr könnte Barcelona wieder für den Einzug der Werderaner sorgen. Diesmal allerdings mit einem Punktverlust im zeitgleich stattfindenden Spiel gegen Levski Sofia. Allein, in Bremen glaubt niemand daran. "Wir hoffen, dass die Bulgaren diesmal glücklicher agieren werden als gegen uns. Aber wir werden dennoch nicht auf dieses Spiel schielen. Wir lassen uns das Ergebnis erst nach Spielschluss sagen."

 

Ginge es übrigens nach Chelsea-Profi Michael Ballack, sollte sich Werder den Achtelfinal-Platz hinter den Engländern sichern. Per Mertesacker sprach mit ihm bei der Nationalmannschaft darüber: "Er machte schon den Eindruck, dass er uns das mehr gönnt. Ich denke, er drückt seinen Nationalmannschafts-Kollegen die Daumen und wünscht ihnen dieses Erfolgserlebnis." Chelsea-Trainer Mourinho wollte sich bei dieser Frage überhaupt nicht festlegen. "Natürlich ist Barcelona ein Mitfavorit auf den Titel und Bremen ein Außenseiter, aber wenn ich mir jetzt Werder wünsche und sie schlagen uns dann im Viertelfinale, dann lachen mich doch alle aus."

 

von Michael Rudolph und Enrico Bach