Nächster Härtetest: Anderlecht empfängt die Grün-Weißen

Das Logo des belgischen Rekordmeisters RSC Anderlecht
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Viel Zeit zum Luftholen bleibt den Werder-Profis nicht. Nur drei Tage nach der unglücklichen 1:2- Niederlage in der Bundesliga gegen Mainz 05 wartet am Mittwoch, 20.10.2004, in der Champions League der RSC Anderlecht auf den deutschen Meister. Der Auftakt-Niederlage in der „Königsklasse“ bei Inter Mailand folgte ein 2:1-Erfolg im Heimspiel gegen den FC Valencia, die Grün-Weißen liegen im Kampf um einen der beiden vorderen Plätze in Gruppe G in aussichtsreicher Position. Den nun folgenden zwei Spielen gegen den amtierenden belgischen Meister könnte bereits eine vorentscheidende Bedeutung in Bezug auf das Weiterkommen in der Champions League zukommen.

 

Werders Cheftrainer Thomas Schaaf ist nach der Verletzung von Tim Borowski abermals zu Umstellungen gezwungen. Der Nationalspieler zog sich im Spiel gegen Mainz 05 einen Bänderriss im linken Sprunggelenk zu und fällt voraussichtlich zehn bis 14 Tage aus. Fabian Ernst könnte gegen Anderlecht „Boros“ Position im rechten Mittelfeld einnehmen, Ludovic Magnin würde dann vermutlich aus der Viererkette nach vorne rücken. Als Defensiv-Alternative stünde Christian Schulz auf der linken Seite bereit. Auch eine Variante mit Pekka Lagerblom als Borowski-Ersatz wäre denkbar. Der Finne meldete sich im Training am Montagnachmittag fit zurück. Auf Frank Fahrenhorst (Bänderdehnung im Knöchel) kann der Coach am Mittwoch noch nicht wieder zurückgreifen.

 

Schulz: „Werden Anderlecht nicht unterschätzen“

 

Der RSC Anderlecht steht in Gruppe G nach zwei Niederlagen und null Punkten im Spiel gegen Werder bereits unter Druck. Die Belgier zeigten zwar, sowohl gegen den FC Valencia (0:2) als auch zwei Wochen später bei der 1:3-Heimpleite gegen Inter, eine engagierte Leistung, waren unterm Strich aber chancenlos. Trotzdem warnt Christian Schulz: „Wir werden uns von der Tabellenkonstellation nicht blenden lassen. Anderlecht steht sehr kompakt und ist kampfstark. Unterschätzen werden wir die Belgier sicher nicht.“

 

In der Meisterschaft läuft es für das Team von Coach Hugo Broos besser. Nach neun Spieltagen liegt der RSC in der Tabelle der „Jupiler League“ an zweiter Position, zwei Zähler hinter Spitzenreiter FC Brügge. Zuletzt besiegte der belgische Rekordmeister im Derby den FC Brüssel mit 1:0.

 

Zu den absoluten Leistungsträgern im Team der „Veilchen“ gehört Dindane Aruna. Der dunkelhäutige Stürmer lebt von seiner Explosivität im Antritt und ist zudem kopfballstark. Man darf gespannt sein, ob Anderlecht gegen Bremen mit Aruna als einziger Spitze auflaufen wird, oder ob Hugo Broos mit Mbo Mpenza einen weiteren Angreifer aufbieten wird. Das hängt auch davon ab, ob der Trainer - wie zuletzt gegen Brüssel - mit einem 4-5-1-System (mit den beiden ähnlichen Spielertypen Pär Zetterberg und Walter Baseggio im zentralen Mittelfeld) spielen lässt oder nicht. Viel Erfahrung bringt Defensiv-Allrounder Hasi mit, der vor der Abwehr als eine Art Abfangjäger agiert. Die Außenverteidiger Zewlakow und Deschacht sind beide robust und schalten sich bei Standardsituationen immer wieder mit in die Offensive ein.

 

Stadion „Constant Vanden Stock“ ausverkauft

 

Der RSC Anderlecht hat keine guten Erinnerungen an Werder Bremen. In der Champions-League-Saison 1993/94 verlor man in der Gruppenphase gleich zwei Mal gegen die Grün-Weißen. Unvergessen bleibt für jeden Werder-Fan der legendäre 5:3-Sieg, der als eines der „Wunder von der Weser“ in die Geschichte der Bremer einging. Damals im Weser-Stadion, am 08.12.1993, drehte die Mannschaft unter Trainer Otto Rehhagel einen 0:3-Pausenrückstand und siegte am Ende noch mit 5:3.

 

Das Stadion „Constant Vanden Stock“ ist am Mittwochabend mit 22.187 Zuschauern ausverkauft. Knapp 2000 Bremer-Fans werden ihre Mannschaft in Brüssel unterstützen. „Wenn die Stimmung gut ist, dann ist das auch gut für uns. Wir wollen uns davon anstecken lassen. Aber sobald der Anpfiff ertönt, zählt nur noch das Spiel“, so Christian Schulz.

 

Klaus Bellstedt