Glückliche Wechsel: Werder siegt nach Joker-Toren 2:1

Da fliegt er: der Ball ins Netz und Georg Koch vergebens. Ein Wahnsinnstor von Daniel Jensen bescherte Werder den glücklichen und so wichtigen Sieg.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder steht nach dem Hinspiel in der dritten Champions-League-Qualifikationsrunde vor einer schweren Auswärtsaufgabe. Gegen Dinamo Zagreb kam die Elf von Cheftrainer Thomas Schaaf zwar zu einem 2:1 (0:1), der kroatische Rekordmeister stellte aber seine Klasse deutlich unter Beweis und benötigt im Rückspiel nur einen knappen Sieg. Werders Erfolg war einem Kraftakt und einem glücklichen Händchen bei den Einwechslungen zuzuschreiben. Hugo Almeida mit seiner ersten Aktion (46.) und Daniel Jensen mit einem Traumtor (85.) ermöglichten den Bremern das glückliche Ende. Beide waren nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit ins Spiel gekommen. In der Nachspielzeit dieser wenig ansehnlichen ersten 45 Minuten hatte Balaban die verdiente Führung für die Gäste erzielte.

Bouba Sanogo will mit Werder in Europa hoch hinaus, dazu braucht es nun aber eine sehr konzentrierte Leistung im Rückspiel in zwei Wochen.

Nervöser Beginn und harmlose erste halbe Stunde

Gegenüber dem Bundesliga-Auftakt in Bochum hatte Thomas Schaaf sein Team auf vier Positionen verändert. Für die verletzten Clemens Fritz und Tim Borowski spielten Petri Pasanen und Carlos Alberto, außerdem wurden Daniel Jensen und Markus Rosenberg durch Frank Baumann und Kevin Schindler ersetzt. Diese einmal mehr umformierte Elf machte zu Beginn einen etwas nervösen Eindruck. Schon nach 50 Sekunden fand Zagreb erstmals den Weg in den Werder-Strafraum, Per Mertesacker klärte aufmerksam. In der dritten Minute ließ Tim Wiese einen Rückpass von Naldo passieren, die Ecke brachte aber nichts ein.

Die ersten echten Torschüsse wurden in der 12. Minute abgegeben, erst von Carlos Alberto, der noch abgeblockt wurde, danach vom mutigen Kevin Schindler. Aus 22 Metern verzog der aber deutlich. Bis auf diesen Doppelversuch war von den Hausherren in der ersten halben Stunde offensiv kaum etwas zu sehen. Es fehlten der Kreativabteilung die zündenden Ideen und den meisten Pässen die Präzision, zudem zeigte sich Dinamo durchsetzungsstark und aufmerksam. Das wurde bald auch mit Chancen belohnt. Balabans Schuss aus 22 Metern ging noch deutlich vorbei (20.), aber der viel gepriesene Modric machte es kurz danach besser: Aus 25 Metern nahm er einen abgeblockten Ball aus der Luft und zwang Tim Wiese zu einer ersten Glanztat. Werders Schlussmann tauchte in die linke Ecke und lenkte den Ball noch eben ums Eck (25.).

Carlos Alberto und Luka Modric im Infight, beide Regisseure konnten dem Spiel ihren Stempel nicht aufdrücken.

Kurz vor der Pause: 5:1 Chancen und 1:0 Tore für Dinamo

Das war der Startschuss zu einer intensiven Viertelstunde. Erst kam Werder zu seiner besten Möglichkeit, als Sanogo eine Pasanen-Flanke aus fünf Metern per Aufsetzer aufs Tor köpfte und Koch auf der Linie parierte (30.). Dann legte Zagreb los: 33. Balaban knapp links vorbei, 35. Modric zu kraftlos nach Ballverlust von Carlos Alberto, 39. Balaban nach Zuckerpass aus der eigenen Hälfte auf und davon, verfehlt aber erneut das Tor. Diesen guten Möglichkeiten setzte Werder nur einen Sanogo-Schuss entgegen, den Koch nach vorn weg fausten konnte (41.). Gleich danach war wieder der Rückwärtsgang gefragt, Sammir spielte im Strafraum herrlich erneut Balaban frei, der, von Naldo gestört, an Wieses starker Fußabwehr scheiterte. Fast folgerichtig dann die Führung für die Gäste, Werder schaffte es doch nicht schadlos in die Pause: Der eingewechselte Mandzukic nutzte die komplett freie rechte Seite für einen Sprint bis zur Grundlinie, ließ sich vom zu früh grätschenden Schulz nicht stören und legte den Ball exakt auf den wieder einmal freien Balaban, der von drei Bremern umringt einschob (45.+1).

Thomas Schaaf reagierte auf diese ausbaufähige Leistung seiner Mannschaft, zum einen mit zwei neuen Kräften, Daniel Jensen und Hugo Almeida, zum anderen wohl mit einer aktivierenden Halbzeit-Ansprache. Denn keine Minute war im zweiten Durchgang gespielt, da stand es 1:1. Einen unnötigen Zagreber Ballverlust im Mittelfeld setzte Sanogo flink um, seinen Pass erlief Almeida, der im ersten Versuch an Georg Koch scheiterte, den Ball aber von Zagrebs Verteidiger Schildenfeld (un)glücklich zugespitzelt bekam und ins leere Tor einschob. Die Bremer waren nun vehementer und besser im Spiel, kurz darauf setzte Naldo einen Freistoß über das Tor (50.). Die nächsten Chancen gehörten aber wieder Zagreb. Erst war Modrics Direkabnahme wieder zu schwach, dann wusste Cale mit viel Freiheit allein vor dem Wiese-Tor nichts anzufangen und verzog deutlich (57.). Schließlich musste der Keeper wieder ernsthaft eingreifen, bestand aber die Prüfung durch Sammirs satten Schuss (62.).

In Europa fühlt er sich wohl – Hugo Almeida erzielte wieder einmal ein entscheidendes Tor im internationalen Wettbewerb.

Die Schusskünste von Almeida und Jensen

Diese Herausforderung nahm Almeida an und zeigte, dass auch er über einen mächtigen Hieb verfügt. In Bedrängnis packte er einfach mal mit seinem starken Linken einen aus, Georg Koch hatte mit dem übel flatternden Ball seine liebe Müh und Not (64.). Werder fing sich nun wieder und erspielte sich eine Minute später die nächste Großchance. Mit der schönsten Kombination des Spiels wurde Frank Baumann von Schulz (Flanke) und Almeida (kluge Ablage) in Position gebracht, zielte aber aus 14 Metern um Zentimeter zu weit links. Dann testete Daniel Jensen erstmals sein Schussbein – wieder rettete Koch unkonventionell mit den Fäusten (73.). In Minute 85 machte es der Däne besser und bescherte Werder doch noch ein annehmbares Hinspielergebnis. Diego hatte in einer von ganz wenigen auffälligen Szenen den Ball schön behauptet und auf Jensen zurückgelegt. Der nahm den Ball 25 Meter halblinks vor dem Tor einmal mit und zimmerte ihn dann herrlich und unhaltbar ins Kreuzeck – 2:1!

Noch war aber nicht Schluss. Naldo hätte per Kopfball fast noch auf 3:1 erhöht, Koch war aber auf der Linie zur Stelle, auf der Gegenseite hätte Mandzukic in der 93. Minute ebenfalls noch per Kopf ausgleichen können, verfehlte das Tor aber um einen Meter. Damit blieb es beim glücklichen 2:1 für die Grün-Weißen, die im Zagreber Maksimir-Stadion in zwei Wochen eine ganz starke Leistung brauchen, um die Gruppenphase der Champions League zu erreichen.

von Enrico Bach