Spielbericht: Ronaldinho & Co. sind zu stark für Werder

Tim Borowskis Freude über seinen kaltschnäuzig verwandelten Foulelfmeter währte leider nur kurz.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Es war nicht die Zeit für ein neues „Werder-Wunder“, sondern der Abend des Starensembles um Ronaldinho & Co. Beim FC Barcelona musste Werder Bremen am fünften Spieltag der Champions-League-Gruppe C eine verdiente 3:1-Niederlage einstecken.

Der "Außerirdische" Ronaldinho demonstrierte den Werderanern eindrucksvoll, wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist.

Cheftrainer Thomas Schaaf stellte seine zuletzt beim 6:1 gegen Wolfsburg so erfolgreiche Elf im Gegensatz zu seinem Kollegen Frank Rijkaard nicht um. Letzterer brachte im Vergleich zum 3:0-Sieg bei Real Madrid gleich vier „Neue“: die Stürmer Giuly und Larsson für Eto’o und Messi sowie die Mittelfeldakteure Gabri und Motta für Edmilson und Xavi. Gabri rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers zum Leidwesen der Werderaner schon nach 14 Minuten mit dem Führungstor. Nach einem langen Zuckerpass von Ronaldinho war die Bremer Abwehr ausgehebelt, Gabri nahm den Ball mit der Brust an und versenkte ihn allein vor Andi Reinke per Linksschuss im rechten Eck. Zuvor hatten die hochfavorisierten Katalanen bereits zwei gute Chancen vergeben, als Henrik Larsson einen Heber knapp über das Tor setzte (1.) und Ludovic Giuly aus aussichtsreicher Position verzog (4.).

Rückstand als Weckruf

Der Rückstand wirkte wie ein Weckruf für die Grün-Weißen, die erste Werder-Chance folgte prompt und brachte fast den unmittelbaren Ausgleich. Nach Pass von Miroslav Klose stürmte Nelson Valdez in den Strafraum, wurde aber von einem Gegenspieler abgedrängt und traf den Ball nicht richtig, so dass Barca-Keeper Victor Valdés zur Ecke klären konnte. Dennoch wurde Werder für seine jetzt forschere Spielweise belohnt. Nach einem Ballverlust von Carles Puyol gegen Miroslav Klose und dessen Doppelpass mit Johan Micoud holte Giovanni van Bronckhorst den Bremer Spielmacher von den Beinen und Schiedsrichter Claus Bo Larsen aus Dänemark zeigte auf den Punkt. Tim Borowski übernahm die Verantwortung, verlud Valdés und sorgte für Riesen-Jubel bei den insgesamt 6.000 (!) mitgereisten Werder-Fans im Camp Nou – das 1:1 (22.).

Die Glücksgefühle verflogen jedoch aus grün-weißer Sicht allzu schnell. „Weltfußballer“ Ronaldinho brachte Barcelona vier Minuten später mit einem direkten Freistoß aus halblinker Position erneut in Front. Der Brasilianer zirkelte den Ball zur Überraschung von Andreas Reinke in die kurze Ecke, Werders Keeper griff daneben – das 2:1. Ohne sich zu sehr anstrengen zu müssen, übernahmen die Hausherren in der Folge wieder die Kontrolle über das Spiel und ließen in der Abwehr nichts mehr anbrennen, während sie bei ihren Offensiv-Vorstößen stets Gefahr versprühten. Henrik Larsson fand mit einem Flugkopfball seinen Meister in Andi Reinke (38.), Giulys Querpass auf den mitgelaufenen Larsson, der frei auf das Werder-Tor zugelaufen war, missglückte (40.).

Großes Pech: Miro Klose verletzt sich

Nach der Halbzeit zogen sich die Katalanen etwas zurück, wovon Werder profitierte. Die Schaaf-Elf hatte sich schon zuvor spielerisch nicht versteckt und kam nun durch eine Frings-Flanke von rechts und einem Kopfball von Miroslav Klose zu einer weiteren Chance (55.). Zu allem Übel flog aber nicht nur der Ball neben das Tor. Miro Klose erlitt im vorangegangenen Kopfballduell mit Rafael Marquez eine Verletzung am Jochbein und musste ausgewechselt werden.

Unterlegen: Johan Micoud verlor nicht nur dieses Kopfballduell gegen Barcelonas Motta.

Für ihn kam Aaron Hunt, der später noch auf sich aufmerksam machen sollte. Doch der 19-Jährige musste wie seine Teamkollegen zunächst einen weiteren Geniestreich des vor Spielfreude nur so strotzenden Ronaldinho mit ansehen. Diesmal landete ein kluger Pass des Brasilianers bei Henrik Larsson, der von Frank Fahrenhorst unzureichend gedeckt wurde und aus zwölf Metern überlegt ins linke Eck traf – das 3:1 (71.).

Werder zeigte sich in der Schlussphase zwar weiter bemüht, schaffte es aber nicht mehr, das Spiel noch einmal spannend zu gestalten. Dabei hatte Aaron Hunt die beste Möglichkeit auf dem Fuß, doch das Sturmtalent scheiterte nach Vorarbeit von Borowski und Micoud am gut reagierenden Valdés (76.). In der Nachspielzeit konnte der Barca-Torwart einen Fernschuss von Torsten Frings nur abblocken, doch Tim Borowski kam einen Tick zu spät.
So blieb es bei dem in dieser Höhe verdienten Sieg für den Tabellenführer der Primera Division, der als Sieger der Gruppe C bereits feststeht. Werder muss nach dem 2:1-Sieg von Udine in Athen nun am letzten Spieltag gegen Panathinaikos unbedingt gewinnen und gleichzeitig auf Schützenhilfe von Barcelona in Udine hoffen.

von Kevin Kohues

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