Ismaël-Elfmeter reicht nicht: Werder spielt 1:1 gegen Inter

Packendes Duell im Mittelfeld: Werders Tim Borowski gegen Edgar Davids.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der deutsche Meister Werder Bremen hat den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League verpasst. Gegen Inter Mailand gingen die Grün-Weißen zwar durch einen Foulelfmeter von Valerien Ismael kurz nach der Pause in Führung, mussten aber in der 55. Minute den Ausgleichstreffer durch Inters Obafemi Martins hinnehmen. Werder war über die gesamten 90 Minuten das spielbestimmende Team, ließ aber vor dem Tor der Italiener die letzte Konsequenz vermissen. Am Ende rettete Inter das 1:1-Unentschieden mit Glück und Geschick über die Zeit.

Cheftrainer Thomas Schaaf nahm gegenüber der 1:2-Niederlage bei Arminia Bielefeld zwei Änderungen vor: Pasanen und Magnin kamen für Jensen und Schulz neu ins Team. Der Finne spielte rechter Außenverteidiger, während Stalteri auf die linke Seite der Viererkette rückte. Magnin agierte in die Mittelfeldraute auf der linken Außenposition.

Werder erwischte gegen den italienischen Rekordmeister im heimischen Weser-Stadion einen guten Start. Bereits nach drei Minuten hatten die über 36.000 Zuschauer den Torschrei auf den Lippen. Was war geschehen? Micoud passte auf die linke Seite zu Ivan Klasnic. Der legte sich den Ball zurecht und zirkelte die Kugel in die Mitte, wo Sturmpartner Miroslav Klose von hinten "heranspritze", aber das Tor mit seinem Schuss um einen Meter verpasste. Auch Inter Mailand suchte in der Anfangsphase den Weg nach vorne und wäre beinahe belohnt worden. Christian Vieri (nach Vorabeit Edgar David) ließ gleich zwei Bremer stehen, verstolperte aber an der Strafraumgrenze.

Inter mit wenig Offensivdrang

Angetrieben vom in der ersten Halbzeit überragenden Mittelfeldregisseur Johan Micoud übernahm Werder in der Folgezeit mehr und mehr das Kommando und drückte das Team von Coach Roberto Mancini zunehmend in die Defensive. Inter "igelte" sich förmlich um den eigenen 16-Meter-Raum ein, so dass die Grün-Weißen gezwungen waren, mit Distanzschüssen Keeper Francesco Toldo unter Druck zu setzen, was nur selten gelang. Zwei Mal Magnin (9./20.) sowie Stalteri (14.) verfehlten das Ziel doch relativ klar.

Richtig gefährlich wurde es erst wieder für die Norditaliener, wenn der deutsche Meister über die Flügel spielte. Wie in der 22. Minute, als Johan Micoud ein Magnin-Zuspiel aufnahm und den Ball auf den Kopf von Miro Klose zirkelte, dessen Aufsetzer aber knapp rechts am Tor vorbei strich. Kurz darauf hatte Ivan Klasnic mit einem Schuss aus zentraler Position die Chance auf den Führungstreffer, Goalie Toldo vereitelte die gute Gelegenheit allerdings im Nachfassen (28.). Von Inter Mailand war weiterhin wenig zu sehen, die Lombarden konzentrierten sich fast ausschließlich, die Offensivbemühungen der Hausherren zu unterbinden. Das allerdings gelang ihnen gut.

Werder gönnte sich ab der 35. Minute eine kleine Verschnaufpause und schaltete bis zum Halbzeitpfiff einen Gang zurück. Prompt kamen die Gäste zu ihrer besten Chance im ersten Abschnitt. Mittelfeldspieler Cambiasso fasste sich aus gut und gerne 25 Metern ein Herz und verfehlte das Bremer-Gehäuse nur um Zentimeter (39.). Und auch die letzte Aktion vor der Pause gehörte Inter. Stürmer Julio Ricardo Cruz verpasste eine Van der Meyde-Flanke ganz knapp.

Ismael trifft zur Führung

Jener Julio Ricardo Cruz stand auch in der ersten erwähnenswerten Szene nach dem Wechsel im Mittelpunkt des Geschehens. Der Angreifer drückte im Strafraum Ismael zu Boden, Referee Veissiere entschied ohne zu Zögern auf Strafstoß. Der gefoulte Franzose trat selbst an und traf mit einem harten und platzierten Schuss ins rechte Eck, obwohl Toldo die Ecke erahnt hatte (49.). Doch die Freude über den verdienten Führungstreffer sollte auf Seiten der Bremer nicht lange währen. Nur neun Minuten nach dem 1:0 war es Dejan Stankovic, der mit einem gefühlvollen Heber Torhüter Andi Reinke überraschte. Vom rechten Pfosten sprang der Ball aber zunächst ins Feld zurück, doch der nur drei Minuten zuvor für Cruz eingewechselte Obafemi Martins reagierte am schnellsten und vollendete mühelos per Kopf zum Ausgleich (55.). Dabei profitierte der Nigerianer allerdings vom ausrutschenden Paul Stalteri, der ihm erst die freie Bahn ermöglichte.

Die Bremer brauchten etwa 15 Minuten, um den Schock des überraschenden Ausgleichstreffers wegzustecken. Trotzdem gelang es den Norddeutschen zu selten, die gegnerische Defensive vor wirklich ernsthaftere Probleme zu stellen. Werders beste Gelegenheit in der zweiten Hälfte hatte noch Miro Klose, der eine Magnin-Flanke mit dem Kopf aufnahm, aber an Toldo scheiterte (72.). Nur wenig später versuchte es Johan Micoud aus der Distanz. Dieses Mal brauchte Inters-Keeper nicht einzugreifen, das Leder zischte am linken Torpfosten vorbei ins Aus. In den letzten zehn Minuten setzte Thomas Schaaf alles auf eine Karte und wechselte mit Angelos Charisteas sogar noch einen dritten Stürmer ein, doch aller Offensivmut wurde nicht belohnt. Inter rettete das Remis dank einer sicher stehenden Defensive über die Zeit. Werder konnte das Abwehrbollwerk der "Nerazurri" nicht mehr überwinden.

Klaus Bellstedt