Werder empfängt Hoffenheim: „Hauptsache eins mehr“

Nur drei von elf Garanten der defensiven Stabilität: Naldo, Per Mertesacker und Torhüter Tim Wiese.
Freitag, 16.10.2009 // 17:47 Uhr

Vor dem abendlichen Duell des derzeitigen Bundesliga-Ersten gegen den Zweiten steht am Samstag, 17.10.2009, um 15.30 Uhr die nicht minder hochklassige Spitzenspiel-Ouvertüre an: Werder Bremen empfängt 1899 Hoffenheim im Weser-Stadion, der Vierte trifft den Fünften.

 

Heute ist es Normalität, was Werders Vorsitzender der Geschäftsführung Klaus Allofs am Donnerstag noch einmal verdeutlichte und vor gut einem Jahr zumindest erst zu erahnen war: „Hoffenheim hat sich etabliert, ein weiterer Konkurrent für uns, der ganz oben mitspielen kann.“ Damals hatte 1899 Hoffenheim - auch dank des stattlichen finanziellen Backgrounds - das Etappenziel Bundesliga erreicht. Ein von Bodensee bis Flensburg viel beachtetes und heiß diskutiertes Projekt. Trainer Ralf Ragnick und die Vereinsverantwortlichen bastelten derweil kontinuierlich an einer technisch hoch veranlagten Mannschaft aus temporeichen Offensivkünstlern, die schon bald für Furore sorgte.

 

Die Erinnerungen an Werders erstes Aufeinandertreffen mit dem damaligen Emporkömmling im September 2008 setzen beim gemeinen Fußball-Fan noch immer Impulse ungeahnter Glückseligkeit frei. Zu Recht, denn am 6. Spieltag der vergangenen Saison ereignete sich kein alltäglicher Bundesliga-Samstag, wie ein Blick in den Werder.de-Almanach des Jahres 2008 belegt. „Eine Mischung aus Harlem Globetrotters und ‚Thriller in Manila‘ (11Freunde)“, bei dem der zuständige Redakteur des 11Freunde-Livetickers nach 26 Minuten stellvertretend für alle enthemmt begeisterten Zuseher diagnostizierte: „Ich wundere mich die ganze Zeit, warum mir so schwummerig ist. Jetzt weiß ich's: Seit dem Anpfiff habe ich nicht mehr geatmet.“

 

Schlussendlich gelang Werder in Unterzahl durch Mesut Özil der sagenhafte 5:4 (!)-Siegtreffer, obwohl Hoffenheim erst einen 1:4-Rückstand egalisierte und euphorisiert davon in der Schlussphase auf die Entscheidung drängte. Diese Offenbarung an Spielfreude konnten gewiss beide Teams nicht bis zum Ende der Saison aufrechterhalten. Dem Aufsteiger ging bekanntlich in der Rückrunde die Puste aus, auch die Grün-Weißen landeten nur auf einem unbefriedigenden zehnten Rang. Jedoch linderte der Pokalsieg die Enttäuschung darüber erheblich. Werders Cheftrainer Thomas Schaaf blickt der Partie in der Jetztzeit gewohnt rational entgegen: „Ich hoffe, dass die Anzahl der geschossenen Tore gleich bleibt, die andere Zahl wollen wir gerne abstellen.“

 

Eine derartig ausschweifende Torflut ist beim offensiven Potenzial beider nie ganz auszuschließen, doch sowohl Werder als auch Hoffenheim belebten in der aktuellen Spielzeit die für das Gesamtklassement wichtigen Tugenden vorbildlicher Defensivarbeit. „Es gibt bei uns momentan viele Dinge, die passen. Jeder ist gut in Form. Das fängt beim Torhüter an und zieht sich durch bis zu den Stürmern, die gut nach hinten mitarbeiten und viele Wege des Gegners gar nicht mehr zulassen. Da arbeiten wir erfolgreicher als in den vergangenen Jahren“, unterstreicht Thomas Schaaf. Nun gilt es, weiter die anhaltende Kontinuität dessen voranzutreiben: „Ich hoffe, dass das nicht nur eine Momentaufnahme bleibt. Wir wissen, dass wir immer weiterarbeiten müssen, um nicht auf einem Niveau stehen zu bleiben", sagt Schaaf.

 

Sechs Gegentore kassierte Werder bis jetzt, deren sieben 1899 Hoffenheim. Denn auch die Defensive der TSG besticht durch mehr Stabilität. Dafür sorgt vor allem der von Hertha BSC verpflichtete Ruhepol Josip Simunic, an dessen Sicherheit auch Marvin Compper, Andreas Beck und Co. wachsen. Außerdem ist Torwart Timo Hildebrand in einer Top-Verfassung. Jedoch ist ein Einsatz von Simunic (Faserriss in der Wade) alles andere als gesichert, ebenso wackelt Verteidiger Per Nilsson (Handbruch). Für Tobias Weis kommt das Spiel nach seiner OP vor sieben Wochen (Knorpel-Glättung) noch zu früh.

 

Und vorne wirbelt das Altbewährte. „Sie pflegen ein sehr attraktives Spiel, suchen den schnellen Weg in die Spitze. Unsere Aufgabe ist es, das nicht zuzulassen. Mit ihren drei Stürmern Obasi, Ba und Ibisevic sind sie vorne sehr variabel, dazu kommen Salihovic und Eduardo, der immer wieder mit in die Spitze geht. Wir dürfen sie nicht zur Entfaltung kommen lassen“, fordert Thomas Schaaf. Im Rückspiel 2008/09 in der Rhein-Neckar-Arena stand es nach Abpfiff übrigens 0:0. Der zu dieser Zeit von Werder an Hoffenheim ausgeliehene Boubacar Sanogo verzweifelte an drei Aluminium-Treffern. Dann hält man es doch lieber mit Thomas Schaafs Ansichten: „Ich habe nichts dagegen, wenn das Spiel genauso gut wird wie das 5:4 und wir viele Tore sehen – Hauptsache, wir haben am Ende eins mehr als der Gegner."

 

von Maximilian Hendel