"Wie Fahren ohne Motor"

Jiri Pavlenka im Interview
Auch für Jiri Pavlenka wird es am Montag das erste Spiel vor leeren Rängen (Foto: Heidmann).
Interview
Samstag, 16.05.2020 / 10:08 Uhr

Das Interview führte Yannik Cischinsky

Für Jiri Pavlenka gibt es gerade nur einen Weg, mit der Außenwelt zu kommunizieren: sein Smartphone. Via Facetime hat der Werder-Keeper mit seiner Familie nur wenige Kilometer Luftlinie vom Quarantäne-Teamhotel, dem Bremer Parkhotel, täglich Kontakt. Und Interviews dürfen Pavlenka und seine Teamkollegen in diesen Tagen vor dem Re-Start der Bundesliga nur telefonisch geben.

WERDER.DE hat mit dem Stammkeeper über seine Gefühle vor dem Wiederbeginn, die Spiele ohne Fans und den Alltag im Quarantäne-Trainingslager gesprochen.

WERDER.DE: Moin, Pavlas! Wie ist die Stimmung im Parkhotel?

Jiri Pavlenka: „Die Stimmung ist gut. Die Vorfreude da, endlich wieder spielen zu können. Ohne Zuschauer spielen zu müssen ist aber ein Wermutstropfen. Leider gibt es keine andere Möglichkeit, deshalb müssen wir das akzeptieren.“

WERDER.DE: Wie läuft euer Alltag im Quarantäne-Trainingslager ab?

Jiri Pavlenka: „Vielleicht kann ich einfach mal einen Tag skizzieren. Wir frühstücken und fahren dann zum Vormittagstraining. Jeder fährt alleine hin, damit wir nicht alle gemeinsam im Bus sitzen. Dann geht es zurück ins Hotel und jeder hat nach dem Mittagessen gut zwei Stunden Zeit für sich, für Regeneration und wer möchte auch einen Mittagsschlaf ehe es zum Nachmittagstraining geht. Es ist eigentlich der identische Tagesablauf wie in einem richtigen Trainingslager.“

Zeit für die Familie, Abstand vom Bundesliga-Alltag

Jiri Pavlenka und Theodor Gebre Selassie auf dem Weg ins Parkhotel (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Vermutlich seid ihr alle in Einzelzimmern untergebracht…

Jiri Pavlenka: „Genau. Auch beim Essen sitzen wir nicht zusammen. Es gibt größere Tische, an denen höchstens drei oder vier Spieler sitzen, damit wir die Abstände einhalten. Aber zumindest können wir uns so unterhalten.“

WERDER.DE: Wie nervig ist es, nicht bei deiner Frau und deinem Sohn zu sein, obwohl ihr nur ein paar Kilometer getrennt seid?

Jiri Pavlenka: „Ach, natürlich möchte jeder lieber bei seiner Familie sein, aber es geht hier um eine einzige Woche. Das ist doch völlig akzeptabel. Wir haben hier sieben Tage strikte Quarantäne und dürfen weder Familie noch irgendwelche anderen Personen außerhalb des Mannschaftskreises sehen, aber das gilt es zu akzeptieren.“

WERDER.DE: Hat dir die Saisonunterbrechung gutgetan, um Abstand von der Situation zu gewinnen?

Jiri Pavlenka: „Grundsätzlich hat mir die Zeit gutgetan, weil ich mehr Zeit für die Familie und für meinen Sohn hatte. Das war wirklich schön. Ich denke auch, dass es hilfreich war, etwas Abstand von der Tabelle zu bekommen, den Kopf frei zu bekommen. Aber die Situation ist nach wie vor ernst, deshalb müssen wir jetzt zeigen, dass wir weiter in der Bundesliga spielen wollen. Es fühlt sich ein bisschen an, wie eine zweite Chance.“

Ich habe das Gefühl, dass hier alle wirklich sehr genau auf die Regeln achten.
Jiri Pavlenka

WERDER.DE: Hast du persönlich Angst, dich zu infizieren? Wie geht ihr mit dem Risiko um?

Jiri Pavlenka: „Für mich persönlich ist das kein Problem. Ich habe das Gefühl, dass hier alle wirklich sehr genau auf die Regeln achten. Wenn wir zusammen sind oder rausgehen, tragen wir Masken. Es wird sehr auf Desinfektion geachtet und wir sind ganz alleine in unserem Teil des Hotels. Wir kommen hier mit niemanden in Kontakt.“

WERDER.DE: Du verlierst meistens ja eh nicht allzu viele Worte…

Jiri Pavlenka (lacht): „Doch, doch. Ich spreche jeden Tag über Facetime mit der Familie. Gut, dass das heutzutage so einfach geht. Und zum Glück sprechen wir viel am Tisch bei den Mahlzeiten, wenn es sonst schon keinen Kontakt gibt.“

WERDER.DE: Wie schwer fällt es euch, sich trotz der gesellschaftlichen Situation weltweit auf den sportlichen Wettkampf zu fokussieren?

Jiri Pavlenka: „Ehrlich gesagt geht es für mich nicht darum, wie schwer das ist. Es muss von uns erwartet werden, den kompletten Fokus zu haben. Das ist schließlich unsere Arbeit. Ich persönlich glaube, dass der Betrieb bis zum letzten Spieltag durchgezogen wird und es keinen Abbruch gibt. Deshalb ist es unsere Aufgabe, bis zum letzten Spieltag alles für den Klassenerhalt zu geben.“

Pavlenka: "Jedes Spiel ist ein kleines Endspiel"

Training in Kleingruppen ist für die Torhüter ohnehin Alltag (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Wie gut kann man sich aktuell überhaupt auf den Gegner einstellen und wie schätzt du Leverkusen ein?

Jiri Pavlenka: „Für alle Mannschaften ist es die identische Situation. Niemand weiß, wie der Gegner drauf ist, niemand konnte Testspiele bestreiten. Für uns und für Leverkusen ist es das allererste Spiel, deshalb ist es schwer, Prognosen abzugeben. Wir können gewinnen, wir wollen unbedingt gewinnen. Jedes Spiel zählt, jedes Spiel ist ein kleines Endspiel für uns.“

WERDER.DE: Was für ein Gefühl war es, am Montag ohne Zuschauer im Stadion ein Trainingsspiel zu bestreiten, bei dem auch die normalen Abläufe getestet wurden?

Jiri Pavlenka: „Das ist schwer zu beschreiben. Wir spielen für die Fans, das macht doch den Fußball aus. Wenn du das Stadion betrittst und siehst, dass wieder kein Platz frei ist, dann bist du einfach glücklich. Das ist schon ein enormer Unterschied und für uns alle ungewohnt. Wir haben viel über diese Situation gesprochen, um uns darauf einzustellen. Ich denke, das kann helfen.“

WERDER.DE: Inwiefern können die Spiele ohne Zuschauer das Spiel beeinflussen?

Jiri Pavlenka: „Du hörst alles (lacht). Die Kommunikation kann also auf jeden Fall besser funktionieren. Aber: Es ist wie Fahren ohne Motor. Die Fans sind wie ein Motor, der Antrieb für uns. Deshalb würde ich die bessere Kommunikation nicht wirklich als Vorteil sehen. Das steht in meinen Augen weiter hinter dem Nachteil, dass wir ohne Fans spielen, zurück.“

 

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