Schleudergang bis zum Schluss

Zeugwart Fritz Munder hört auf
Gefeiert: Zeugwart Fritz Munder hat sich nach dem Spiel gegen Delmenhorst verabschiedet (Foto: nordphoto).
Profis
Montag, 12.08.2019 / 18:10 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Niklas Moisander widmete ihm seinen Treffer, Claudio Pizarro eilte zu ihm und am Ende drehte er eine Ehrenrunde mit der ganzen Mannschaft: Zeugwart Fritz Munder hat gegen Atlas Delmenhorst seinen Abschied gefeiert. „Die Jungs haben mich jung gehalten“, sagt Munder – und doch geht er nun in den "wohlverdienten Ruhestand", wie Florian Kohfeldt findet. Für den Cheftrainer geht ein „brutal wichtiger“ Mann: „Er hat sich immer perfekt gekümmert. Einer derer, die im Verborgenen gearbeitet haben. Heute war er mit den Jungs in der Kurve, das hat er sich verdient.“

Dabei machte gerade das Arbeiten hinter den Kulissen dem 62-Jährigen am meisten Spaß. Hier ein Espresso, da ein RedBull und vor allem das eine oder andere Gespräch. „Am meisten macht mir die Arbeit mit den Jungs Spaß, das liebe ich an dem Job. Ich bin ja schon etwas älter und damit für die Spieler oft so etwas wie die Vaterfigur“, erklärte Munder einst. Wer so viele Stunden tagein tagaus auf engstem Raum mit der Mannschaft verbringt, der wird zwangsläufig auch um Rat gefragt. „Da gibt’s auch mal Spieler, die mich bei Streit mit ihrer Freundin fragen“, schmunzelt Munder.

Schaaf: "Er war der richtige Mann am richtigen Platz"

Niklas Moisander bedankt sich bei Zeugwart Fritz Munder, der in Rente geht (Foto: Heidmann).

Der Öffentlichkeit in Erinnerung geblieben ist ausgerechnet einer der wenigen Momente, in denen mal nicht alles perfekt lief. 2010, beim Duell mit Sampdoria Genua, als Munder für den blutüberströmten Sandro Wagner kein Wechseltrikot griffbereit hatte, weil Wagner es in der Halbzeit schon gewechselt hatte. Markus Rosenberg kam ins Spiel. Der Schwede schoss Werder in die Champions League – und Munder erlangte für einen kurzen Moment Berühmtheit.

Doch abgesehen davon, arbeitete der ehemalige Gebietsleiter von Aldi Nord weitestgehend im Verborgenen. Thomas Schaaf hatte ihn 2008 zu den Grün-Weißen geholt. „Fritz hat den Job perfekt ausgefüllt. Er war der richtige Mann am richtigen Platz. Ich kann mich nur für die Zeit, die Zuverlässigkeit und all seine Arbeit bedanken und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft“, so der heutige Technische Direktor gegenüber WERDER.DE.

Nino de Angelo, Flavio oder el presidente

In der Kurve mit der Mannschaft: Fritz Munder nach dem Atlas-Spiel im Pokal (Foto: Heidmann).

Munder selbst wusste, worauf es ankommt. „Du musst vorausschauend arbeiten, logistisch was drauf haben und klar denken können“, sagt der 62-Jährige. Vor allen anderen Dingen ist aber eins wichtig: „Du musst immer gut drauf sein und das bin ich von Natur aus.“ Auch deshalb war Munder, der aufgrund seiner weißen Haarpracht auch die Spitznamen Nino de Angelo, el presidente oder Flavio (Briatore) verpasst bekam, unter den Spielern so beliebt. „Er ist eine Werder-Legende“, sagte Kapitän Moisander nach seinem Tor im Pokalduell mit Atlas. Kohfeldt sieht in ihm „ein Urgestein“ im kurzlebigen Fußballgeschäft.

In elf Jahren Werder erlebte Munder turbulente Momente. 2009 jubelte er mit den Spielern beim Pokalsieg in Berlin, kurz zuvor hatte er die Kabine der Werderaner für das Finale des UEFA-Cups in Istanbul vorbereitet. Doch der Zeugwart erlebte auch Stresssituationen wie den Krimi gegen Frankfurt 2016. Fußball-Bundesliga - Schleudergang bis zum Schluss.

Ausgerechnet gegen Delmenhorst, seine Heimatstadt, durfte Munder an einem gelungenen Fußballabend unter Flutlicht seinen Abschied feiern. Im Anschluss wurde er in der Kabine von Mannschaft und Trainerteam verabschiedet. „Das war ein sentimentaler Moment. Er war für die Jungs einfach total wichtig“, berichtete Florian Kohfeldt im Anschluss bei Sky. Schließlich wurde ein Mann verabschiedet, der für seine Arbeit und gute Laune von allen geschätzt wurde. 

 

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