Keine Symbolik, sondern finanzielle Entlastung

Klaus Filbry über die wirtschaftliche Situation und Gehaltsverzicht
Klaus Filbry arbeitet mit den Werder-Führungskräften an Lösungen (Foto: nordphoto).
Profis
Donnerstag, 26.03.2020 / 16:30 Uhr

Nicht nur sportlich muss sich der SV Werder Bremen aktuell auf ganz unterschiedliche Varianten der Zukunft vorbereiten. Hinter den Kulissen arbeiten die Führungskräfte der Grün-Weißen auf Hochtouren an verschiedenen Lösungen, um bei jedem zukünftigen Szenario finanziell gut aufgestellt zu sein und auch in den kommenden Jahren Bundesliga-Fußball an der Weser ermöglichen zu können. „Dabei schauen wir uns momentan drei Szenarien an“, erklärt Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung am Donnerstagvormittag im Interview mit WERDER.TV!

WERDER.DE hat die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Klaus Filbry über…

… aktuelle Szenarien, die diskutiert werden: „Aktuell weiß keiner, wohin das ‚Boot Bundesliga‘ hintreibt. Der Wunsch aller ist es, dass die Bundesliga zu Ende gespielt wird, aber die Gesundheit der Bevölkerung hat absoluten Vorrang. Die vordergründige Aufgabe ist, das wir als Gesellschaft eine Verlangsamung der Ausbreitung erreichen. Nichtsdestotrotz müssen wir als Geschäftsführung mit unserer Verantwortung für das Unternehmen verschiedene Szenarien durchdenken. Dabei schauen wir uns momentan drei Szenarien an. Im ersten Szenario wird die Saison zu Ende gespielt, Stand heute aber ohne Zuschauer. Im zweiten Szenario wird die Saison abgebrochen und als Drittes schauen wir in die neue Saison, da wir sowohl für die erste als auch zweite Liga planen müssen. Wir führen Gespräche mit Kreditinstituten, um die Liquidität für verschiedene Szenarien sicherzustellen. Da sind wir auf einem vernünftigen Weg.“

… Werders finanzielle Situation: „Grundsätzlich sind wir vernünftig aufgestellt, aber wir sind kein Unternehmen, das einen Ausfall einer Fernsehrate in Höhe von 17 Millionen verkraften könnte. Es ist ebenfalls unklar, wie sich die Krise auf unsere Partner auswirkt und ob Sponsoren in Liquiditätsprobleme geraten oder auslaufende Verträge im Sommer verlängert werden. Dafür haben wir Verständnis, denn unsere Partner haben ebenfalls wirtschaftliche Probleme durch die Corona-Pandemie. Man kann sagen: Es sind viele Bälle in der Luft. Maßgeblich ist, ob und wann wieder gespielt werden kann.“

Klaus Filbry und Frank Baumann stehen in komplizierten Zeiten vor einer Mammutaufgabe (Foto: nordphoto).

… die Liquidität des SV Werder: „Wenn die Saison abgebrochen würde, können wir keine Leistungen mehr für unsere Partner erbringen. Zu denen gehören neben Sponsoren auch Dauer- und Tageskarteninhaber sowie TV-Partner und Rechteinhaber, von denen das meiste Geld kommt. Dieser Ausfall kann nicht kompensiert werden, das wäre das schlechteste Szenario. Wenn wir die TV-Rate nicht erhalten und wir zudem Verluste an Sponsorenleistungen hätten, brauchen wir im Herbst Hilfe. Das ist aber ein Problem der gesamten Branche und bei den meisten Vereinen - mit ein oder zwei Monaten Zeitverzögerung – gleich.“

… positive Signale von Partnern und Sponsoren: „Es gibt einen Partner, der sich aktuell antizyklisch verhält und sein Engagement ausweiten möchte. Noch sind aber keine Verträge unterschrieben, deshalb möchte ich mich nicht detaillierter dazu äußern. Ich halte es aber für ein positives und wichtiges Signal.“

… die kommende DFL Mitgliederversammlung: „Ich glaube, dass eine Aussetzung des Spielbetriebs bis Ende April - wie vom DFL Präsidium sinnvollerweise vorgeschlagen - ratifiziert wird. Darüber hinaus wird damit begonnen, die verschiedenen Szenarien des weiteren Saisonverlaufs zu diskutieren. Ob dabei bereits Lösungen wie eine Beendigung der Liga im Mai und Juni oder gar in einem Monat schon konkretisiert werden, ist unklar. Erstmals kommen 36 Klubs virtuell zusammen. Es bleibt abzuwarten, wie gut hier überhaupt eine digitale Diskussionskultur erreicht werden kann.“

… Gespräche mit der Bremer Politik: „Es hat weitere Gespräche mit Innensenator Ulrich Mäurer, Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Sportsenatorin Anja Stahmann gegeben. Es gibt vollstes Verständnis für unsere Situation, aber verständlicherweise möchte sich in der Politik angesichts der unklaren Lage derzeit niemand festlegen. Wir konnten aber in einem sehr vernünftigen und konstruktiven Austausch für unsere Situation sensibilisieren. Jetzt müssen wir die Entwicklung abwarten.“

… Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit: „Keiner wünscht sich einen Fußball ohne die Atmosphäre der Fans, aber wir sind an dieser Stelle auch ein Wirtschaftsunternehmen und der Fußball unser Produkt. Wir müssen dieses Produkt vertreiben, um die Leistungen für Partner zu erbringen und Mitarbeiterplätze abzusichern. Wir gehen davon aus, dass die Saison wenn dann nur ohne Zuschauer fortgesetzt werden kann, hier gilt es eine Lösung im Einvernehmen mit der Politik und den Behörden zu finden. Es ist wichtig, dass Fans nicht zum Stadion kommen. Da gilt es an die Vernunft aller zu appellieren, die Spiele nicht gemeinsam oder in Kneipen zu schauen. Sky wird entsprechende Maßnahmen parat haben, vielen Menschen zu deutlich reduzierten Preisen Fußball zuhause zu ermöglichen.“

Es geht den Beteiligten nicht um Symbolik, sondern um eine finanzielle Entlastung.
Klaus Filbry

… Auswirkungen auf die Mitarbeiter: „In Absprache mit den Führungskräften wurde alle Investitionen und aktuelle Ausgaben bis zum Saisonende eingefroren. Wir haben ein sehr starkes Kostenbewusstsein an den Tag gelegt und diskutieren darüber hinaus, an welchen Stellen Kurzarbeit Sinn macht. In Abteilungen wie Rechnungswesen, Vertrieb oder Kommunikation muss die Arbeit allerdings weitergehen. Im CSR stellen wir beispielsweise viele Angebote digital auf die Beine (siehe Extrameldung). Unser primäres Ziel ist es, den Wirtschaftsbetrieb zu stabilisieren, um die Arbeitsplätze aller Mitarbeiter - ob in erster oder zweiter Liga - zu erhalten. Die Corona-Krise hat die Situation aber dramatisiert, das muss ich an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit sagen.“

… einen möglichen Gehaltsverzicht von Spielern, Trainern und Geschäftsführung: „Es geht den Beteiligten hierbei nicht um die Symbolik, sondern um eine finanzielle Entlastung. Wir als Geschäftsführung haben uns bereiterklärt, auf einen signifikanten Teil des Gehalts zu verzichten. Ich bin stolz, dass auch die Mannschaft von sich aus auf uns zugekommen ist und gesagt hat: ‚Wir finden, Werder ist ein geiler Verein und wir möchten helfen, Arbeitsplätze zu sichern.‘ Das drückt ein hohes Verständnis von Solidarität aus. Wir sind dazu mit Kapitän Niklas Moisander und Philipp Bargfrede in finalen Gesprächen.“

… Solidarität unter den Bundesligisten: „Alle Vereine stehen aktuell vor den gleichen Themen: Wie können wir Kosten einsparen? Wie können wir Kurzarbeit umsetzen? Welche Maßnahmen können wir zur Kompensation ergreifen? Wie gehen wir mit Ticketinhabern um? Welche emotionalen Inhalte können wir kommunikativ umsetzen? Gemeinwohl und Solidarität folgen meines Erachtens nach in einem zweiten Schritt. Ich habe allerdings bei der letzten Mitgliederversammlung bereits eine hohe Bereitschaft zur Solidarität gespürt. Es sind sich alle bewusst, dass sie im gleichen Boot sitzen.“

 

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