Geschäftsbetrieb mit minimalem Risiko fortsetzen

Frank Baumann über die Bedeutung eines möglichen Neustarts der Liga
Frank Baumann hat am Donnerstag zur Entscheidung der DFL Stellung genommen (Foto: nordphoto).
Profis
Donnerstag, 23.04.2020 / 18:48 Uhr

Notiert von Yannik Cischinsky

Die Entscheidung, ob und wann wieder in der Bundesliga gespielt wird, steht weiter aus (zur Extrameldung). Auch im Nachgang der DFL-Vollversammlung am Donnerstag machte Werders Geschäftsführer Fußball, Frank Baumann, überaus deutlich: Die Politik trifft angesichts der Corona-Pandemie die Entscheidung, nach denen sich der Fußball zu richten habe. In einer ausführlichen Online-Mixed-Zone äußerte sich Baumann auch zu regelmäßigen Tests bei den Werder-Profis, zur möglichen kompletten Isolation der Spieler, einer Einführung eines Salary Caps und der öffentlichen Wahrnehmung der Branche.

Frank Baumann über ...

… über den avisierten Neustart: „Es war allen Äußerungen der DFL seit Beginn der Corona-Krise zu entnehmen, dass die Gesundheit der Bevölkerung an erster Stelle steht. Das gilt nach wie vor. Darüber hinaus müssen wir die weiteren Entwicklungen abwarten. Wir entscheiden nicht, wann und wie trainiert oder gespielt wird, das sind Entscheidungen der Politik und wir werden uns danach richten. Am 30. April wird diskutiert, wie der aktuelle Stand ist und ob Maßnahmen gelockert werden können. Auch wenn die Kurve leicht abgeflacht erscheint, ist die Situation dynamisch und ich möchte nicht abschätzen, wie die Politik entscheidet. Wir werden das abwarten und egal, was die Politik entscheidet, werden wir uns an die Vorgaben halten.“

… die Vorbereitung auf den Neustart: „Der 9. Mai wurde nicht seitens des Fußballs genannt, sondern vereinzelt von Politikern als Termin ins Spiel gebracht. Ich persönlich bin eher skeptisch, dass da bereits Spiele stattfinden. Wir müssen abwarten, was die Regierung gemeinsam mit den Ministerpräsidenten entscheidet. Dabei wird es auch darum gehen, ob Mannschaftstraining schon möglich sein wird. Es ist für uns sehr wichtig, ob wir die Gruppengröße vergrößern oder ins Mannschaftstraining einsteigen können, um uns vorzubereiten. Das ist einzig und allein Entscheidung der Politik. Mindestens zwei, besser noch drei Wochen Training vor dem ersten Spiel sind notwendig, da wir fast zwei Monate ohne richtiges Fußballtraining sind. Zudem gibt es einen Wettbewerbsnachteil, weil andere Klubs bereits in deutlich größeren Gruppen trainieren können und damit deutlich näher ans Mannschaftstraining herankommen.“

… die Einigung mit den Rechteinhabern: „Man sollte dem DFL-Präsidium ein Kompliment machen, dass sie eine Einigung mit den TV-Partnern erzielen konnten, die den Klubs eine Entspannung bei der Liquidität verschafft. Das ist aber nur ein Teil der Summe, die fließt, und wir als Klub haben weitere Ausfälle zu verzeichnen. Mit dieser Thematik sind wir seit Wochen beschäftigt und das wird weiterhin eine Herausforderung. Es ist aber schön, dass wir diesen Teil verbuchen können.“

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Werder trauert um Ehrenmitglied Wolfgang Schäfer

Wolfgang Schäfer, am 13. Januar 1928 in Bremen geboren, spielte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in der damaligen Knabenmannschaft des SV Werder Fußball. Und als später auch sein Sohn Wolfgang als Kind die Leidenschaft für den Fußball entdeckte und 1954 mit dem Kicken begann, begann zugleich die ehrenamtliche Werder-Karriere von Wolfgang Schäfer sen. – sie sollte lang und eindrucksvoll werden.

20.10.2020 / 14:10 / Nachruf

… die Umsetzung des medizinischen Konzepts der DFL: „Einen Teamvirologen wird es nicht geben, denn die haben andere Dinge zu tun. Wir sind durch unsere Ärzte Dr. Hellermann und Dr. Engelke sehr gut aufgestellt, die die Maßnahmen koordinieren und überprüfen. Sie stehen im engen Austausch mit den Behörden, informieren Staff und Mannschaft über den neusten Stand. Wir erfüllen schon jetzt sehr viele Voraussetzungen des Konzepts der Task Force. Wenn es in Richtung Mannschaftstraining und Spiel geht, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit aller zu schützen.“

… gesundheitliche Bedenken seitens der Spieler: „Es sind keine Bedenken der Spieler an mich herangetragen worden. Zu Beginn der Pandemie gab es durchaus Unsicherheiten der Spieler wie bei der gesamten Bevölkerung, was auf sie zukommt. Es gibt immer noch Fragezeichen, aber wir alle haben vielleicht etwas besser gelernt, damit umzugehen und den Alltag zu leben. Es gibt aktuell keine Bedenken seitens der Spieler.“

… regelmäßige Tests: „Wir haben bisher noch gar nicht getestet und haben uns zu hundert Prozent an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts gehalten. Engmaschige Tests sind jedoch zukünftig ein wichtiger Faktor für die Fortführung des Spielbetriebs.“

… Außenkontakte der Spieler bei Fortsetzung der Liga: „Es wird kein großer Unterschied zu den letzten Wochen sein, in denen die Spieler und Familien auf Außenkontakte verzichtet haben. Das wird in den nächsten Wochen fortgeführt. Die Spieler gehen sehr diszipliniert mit den Vorgaben um. Jedes Familienmitglied hat hohes Eigeninteresse, kein Risiko einzugehen.“

DFL-Konzept, Mitspracherecht, Wahrnehmung

… eine mögliche Isolation der Spieler samt Familien: „Das ist aktuell nicht vorgesehen und für mich über einen Zeitraum von acht Wochen kaum vorstellbar geschweige denn sinnvoll. Wenn wir uns an die Regeln des vorgelegten medizinischen Konzepts halten, ist eine Ansteckungsgefahr sehr gering. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, wohlgemerkt aber auch nicht im Alltag, in anderen Branchen, in Schulen oder Kitas. Durch ein sehr schlüssiges Konzept ist es möglich, das Risiko zu minimieren.“

… das Konzept der DFL: „An erster Stelle steht die Gesundheit der Spieler, der Mitarbeiter, der Familien und der Bevölkerung. Es geht uns wie anderen Branchen - wie der Gastronomie oder Hotellerie. Auch Kirchen oder Schulen sowie Universitäten müssen momentan Konzepte vorlegen. Jeder versucht, Normalität reinzubekommen. Als Wirtschaftsbetrieb müssen wir Einnahmen erzielen, um den Geschäftsbetrieb fortsetzen zu können. Da geht der Fußball keinen Sonderweg. Wir können lediglich für unsere Branche ein Konzept entwickeln. Die Politik kann dann entscheiden, ob sie bestimmte Maßnahmen lockert.“

… Werders Mitspracherecht bei der DFL: „Wir sind ein Mitglied von 36 Vereinen. Wir können uns zu Wort melden und haben die Möglichkeit, uns in den Kommissionen und Versammlungen einzubringen. Wir stehen im Austausch - auch durch Klaus Filbry mit seinen ehemaligen Kollegen aus dem DFL-Präsidium. Man muss aber auch betonen: Wir als Klubs sind eine Gemeinschaft, in der die verschiedensten Interessen berücksichtig werden müssen.“

… die Wahrnehmung des Fußballs in der Corona-Pandemie: „Es ist schade für uns als Werder Bremen, dass die Branche aktuell in einem schlechten Licht erscheint. Der Fußball hat immer polarisiert, weil er einerseits große Fanlager hat, aber auch Kritiker, die den Fußball als abgehoben bezeichnen. Wir können und versuchen als Werder Bremen das zu leben, was wir immer gelebt haben: Wir wollen unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, wir wollen die Nähe zu unseren Fans beibehalten. Die Spieler werden danach ausgesucht, dass sie wissen für welchen Klub sie spielen. Dass sie wissen, welche Werte dem Verein wichtig sind und wir ein besonderer Klub sind. Wir versuchen darauf zu achten, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Das kann ich für Werder Bremen durchaus in Anspruch nehmen. Ich finde die Kritik daran ungerechtfertigt, dass wir versuchen unser Produkt, unseren Geschäftsbereich minimal am Leben zu halten - weit weg vom Idealzustand. Den Fußball, den wir lieben, wird es mindestens mal monatelang nicht geben. Das wird weh tun. Zugleich sollten wir selbstkritisch schauen, was im Fußball passiert. Situationen wie diese helfen, sich zu überprüfen und vor Augen zu führen, was gegebenenfalls falsch läuft.“

Baumann: "Müssen die Kritik der Fans ernst nehmen"

Die Online-Mixed-Zone mit Frank Baumann bei WERDER.TV (Foto: nordphoto).

… ein mögliches Torpedieren der „Spiele ohne Zuschauer“ von Fangruppierungen: „Wir sind über unsere Fanbetreuung und den Fanbeirat mit Fanclubs und der Fanszene im Austausch, aktuell aber leider nicht im Dialog mit den Ultras. Das wäre in der aktuellen Situation sehr wichtig und deshalb können wir nur immer wieder das Angebot aussprechen, in diesen Dialog einzutreten. Wir müssen die Kritik der Fans ernst nehmen, aber keiner von uns möchte Spiele ohne Zuschauer. Dennoch müssen wir der Situation realistisch entgegentreten. Welche Konsequenz hätte es, monatelang gar nicht spielen zu können? Unsere Fans haben oft ein gutes Gespür für die Situation bewiesen und brauchen dieses für ihre gesellschaftliche Verantwortung.“

… ein mögliches Ausweichen in ein anderes Bundesland: „Wir sollten die Entscheidungen der Politik abwarten und dann die Faktenlage bewerten. Wir stehen mit der Politik im regelmäßigen Austausch und versuchen selbstverständlich dafür zu werben, dass wir als Verein hier in Bremen alles tun, um die Gesellschaft zu schützen. Darüber hinaus müssen wir die weiteren Entwicklungen abwarten.“

… die Gültigkeit der Spielerverträge bei Fortsetzung der Liga im Juli: „Unsere Juristen beschäftigen sich damit und stehen im Austausch mit nationalen und internationalen Verbänden. Es ist keine reine Frage von Verbandsregularien, sondern auch des deutschen Arbeitsrechts. Es ist eine sehr komplexe Thematik. Eine Beendigung der Liga bis zum 30.06.2020 würde vieles erleichtern.“

… die Vorschläge Salary Cap und Solidarfonds: „Der Salary Cap ist ein bewährtes Mittel im amerikanischen Sport, der aber einige Besonderheiten mit sich bringt. In den USA mag er umsetzbar, rechtlich möglich und richtig sein, aber ich bin sehr skeptisch, wenn man ein einzelnes Element aus Sportarten eines anderen Kontinents implementieren will. Es bleiben Fragezeichen und die Möglichkeit verschiedener Umgehungstatbestände, wie die Entlohnung der Spieler auf anderem Weg. Bei einem Solidarfond ist die Frage, was damit gemeint ist. Über die die Verteilung der nationalen Fernsehgelder wird das in meiner Auffassung teilweise umgesetzt. Der große Hebel ist nicht das nationale Geld, sondern der internationale Wettbewerb, mit dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Aktuell werden die neuen TV-Verträge verhandelt und anschließend die Verteilung der Erlöse. Ich kann mir vorstellen, dass da der Solidargedanke eine größere Rolle spielen kann.“

Zum WERDER.TV-Video

 

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