Wild, glücklich, wichtig

Die Stimmen zum Augsburg-Spiel

Davy Klaassen und Co. freuen sich über den Auswärtsdreier gegen den FC Augsburg (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 22.09.2018 // 19:29 Uhr

Von Yannik Cischinsky und Max Brosta

Werder kämpft, Werder siegt. Die Grün-Weißen haben sich in einer turbulenten Partie mit 3:2 gegen den FC Augsburg durchgesetzt (zum Spielbericht). Doch es war nicht alles Gold, was glänzte. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt zeigte gute und weniger gute Phasen, in denen die notwendige Spielkontrolle fehlte. Und dennoch: „Wir haben eine sehr gute Mentalität in der Mannschaft“, betonte Frank Baumann. Eine Mentalität, die schlussendlich dafür sorgte, dass sich die Werderaner auch nach zwei kalten Duschen nicht aus der Fassung bringen ließen und dem Glück die grün-weiße Brille aufzwangen. Auch in den Stimmen zum Spiel sind sich alle einig, dass Fortuna beim entscheidenden Siegtreffer durch Davy Klaassen half - egal. Am Ende waren es glückliche, aber wichtige drei Punkte in einem wilden Spiel.

WERDER.DE fasst alle Stimmen zum Spiel der Grün-Weißen gegen den FC Augsburg zusammen.

Zum Spielverlauf:

Werder belohnt sich mit drei Punkten für viel Kampf und Einsatz (Foto: nordphoto).

Florian Kohfeldt: „Es war teilweise ein wildes Spiel.  Ich bin erleichtert, dass wir gewonnen haben. Das war kein gutes Auswärtsspiel von uns, mit dem wir zufrieden sind. Allerdings muss man auch sagen, dass wir uns den Sieg nicht erschlichen haben. Wir hatten Chancen, beide Seiten hatten Chancen. Nach der Führung haben wir es nicht ruhig genug ausgespielt, kassieren rund um die Halbzeit die Tore und plötzlich ist es wieder eine mentale Herausforderung. In dieser Phase haben wir viel umgestellt, einiges probiert und am Ende auch wieder Raum für Konter bekommen. Wir müssen uns während des Spiels einfach mehr vom Spielstand lösen, unser eigenes Spiel durchdrücken. Das ist uns heute nicht gelungen.“

Claudio Pizarro: „Ich bin sehr zufrieden nach dem Sieg. Am Ende haben wir die drei Punkte. Das ist das Wichtigste – gerade nach dem Unentschieden gegen Nürnberg. Da wollten wir heute unbedingt etwas nachholen. Wir haben uns aber selbst kurz vor und kurz nach der Pause in Schwierigkeiten gebracht. Nach der 2:0-Führung müssen wir das Spiel unter Kontrolle kriegen. Aber wir haben gut reagiert und gekämpft.“

Max Kruse: „Die Gegentore bekommen wir zu sehr ungünstigen Zeitpunkten und dann verlieren wir einfach die Cleverness. Das war einfach unsouverän. Die eigene Führung müssen wir länger halten, außerdem wollen wir dem Gegner viel mehr unseren Spielstil aufzwängen. Das ist uns heute nicht gelungen. Wir sind dennoch froh, dass wir mit einem Lucky Punch den Sieg einfahren konnten, denn es zählen nur die Punkte. Am Ende hatten wir heute das Quäntchen Glück auf unserer Seite.“

Martin Harnik: „Über das Spiel verteilt haben wir zu häufig den Faden verloren. Nach dem Augsburger Doppelschlag sind wir enorm unter Druck geraten, doch wir sind zum Glück nicht in Rückstand geraten. Als ihnen die Luft ausging, bekamen wir wieder mehr Räume, haben das auch wieder besser gemacht, aber das Tor war natürlich vor allem ein Geschenk des Torhüters.“

Davy Klaassen: „Die erste halbe Stunde war okay, aber rund um die Halbzeit kassieren wir zwei unnötige Tore und dann erleben wir 20 ganz schwere Minuten. Es kann nicht sein, dass wir die Führung so aus der Hand geben. Am Ende war es ein glücklicher, aber auch sehr wichtiger Sieg für uns. Gegen Nürnberg haben wir in der Schlussphase die Punkte hergeschenkt, das ist uns heute nicht nochmal passiert. Gerade am Ende haben wir nichts mehr zugelassen.“

Maximilian Eggestein: „Das war ein sehr glücklicher Sieg und sicher nicht unser bestes Spiel. Uns ist es nicht gelungen, den Plan umzusetzen und Augsburg hat das gut gemacht. Wir hatten Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind. Nach der Halbzeit haben wir uns viel zu sehr beeindrucken lassen. Uns ist allen lieber, schlecht zu spielen und zu gewinnen als in Schönheit zu sterben. Dennoch müssen wir besprechen, was heute falsch gelaufen ist.“

Frank Baumann: „Schade war, dass wir nach der 2:0-Führung zum unglücklichen Zeitpunkt vor der Pause das Tor bekommen haben. Auch nach der Halbzeit hatten wir nicht so den Zugriff zum Spiel. Es war heute ein bisschen so wie in Frankfurt, nur dass das Tor nicht so spät gefallen ist. Die Aktion zum 3:2 war ein bisschen glücklich. Wir hatten aber davor auch schon eine Phase, in der wir sehr gut waren. Wir sind froh, dass wir hier ein ganz schweres Auswärtsspiel gewonnen haben. Ich denke, es wird sehr wenige Mannschaften geben, die hier in Augsburg drei Tore erzielen. In der Bundesliga gibt es eben keine leichten Spiele – gerade in Augsburg. Es ist sehr unangenehm, hier zu spielen. Wir haben eine gute Mentalität in der Mannschaft, wodurch wir uns eben auch nach dem 2:2 und der schwierigen Phase dann auch wieder gefangen haben. Am Ende überwiegt die Freude über den Sieg.“

Zu den Werder-Treffern:

Ihm liegt der FC Augsburg: Max Kruse erzielte den Führungstreffer zum 1:0 (Foto: nordphoto).

Max Kruse: „Erst einmal ein großes Lob an Kainzi: Wie er sich den Ball holt und dann mit seinem schwächeren Fuß flankt, ist einfach weltklasse vorbereitet. Ich bin dann einer, der gerne am zweiten Pfosten lauert. Ich habe gesehen, dass der Ball überragend kommt und musste ihn nur noch reinmachen.“

Claudio Pizarro: „Ich habe Maxi gesagt, dass er mehr schießen muss, weil er einen richtig guten Schuss hat. Ich freue mich sehr für ihn, dass er in letzter Zeit viele Tore aus der Distanz macht.“

Maximilian Eggestein: „Tim Borowski hat mir gesagt, ich soll heute wieder schießen. Es hat jetzt zweimal geklappt. Das Tor von Davy  war natürlich sehr glücklich. Die Reaktion des Augsburger Publikums nach dem Fehler von Fabian Giefer fand ich danach nicht gut. Es tut mir leid für ihn, aber wir sind trotzdem glücklich, dass wir gewonnen haben.“

Zur Punkteausbeute:

Claudio Pizarro: „Der Saisonstart ist ok. Wir haben letzten Sonntag zwei Punkte gegen Nürnberg verloren und wollten deshalb unbedingt gewinnen. Wir sind momentan auf dem vierten Platz. Das ist dort, wo wir am Ende stehen wollen. Aber es ist noch eine lange Saison.“

Florian Kohfeldt: „Zu Beginn der Saison und insbesondere vor der Englischen Woche ziehe ich ungern ein Zwischenfazit. Die Punkteausbeute ist in Ordnung, aber es hätten durchaus mehr sein können. In puncto Leistung gab es gute Phase und Phasen, an denen wir noch arbeiten müssen. Wir brauchen noch Zeit.“

Martin Harnik: „Rein von der Punkteausbeute ist der Start gelungen. Wir haben zweimal auswärts glücklich gewonnen und zweimal zuhause unglücklich Punkte liegen lassen. Das ergibt eine ausgeglichene Bilanz. Spielerisch wollen wir uns noch in vielen Bereichen verbessern.“

Zum Startelf-Einsatz von Pizarro:

Nach 536 Tagen wieder zurück in der Werder-Startelf: Claudio Pizarro (Foto: nordphoto).

Florian Kohfeldt: „Das war kein Geschenk an ihn. Er kann die Bälle vorne halten und bringt ein ganz anderes Element in unser Spiel. Bei dem hohen Pressing der Augsburger wollten wir ihn dort vorne drin haben, um die Abwehr mit langen Bällen mal überspielen zu können. Das hat auch geklappt. Er hatte nicht nur zwei Riesenchancen, sondern auch einen großen Anteil am heutigen Sieg.“

Claudio Piarro: „Ich habe lange nicht mehr von Anfang an gespielt, aber sehr zufrieden. Ich fühle mich einfach gut und es ist gut für mich, wieder zu spielen.“

Zum Hertha-Spiel:

Davy Klaassen: „Hertha hat ganz stark begonnen, aber wie alle Heimspiele wollen wir auch das Duell mit Berlin gewinnen. Es wird ein schwieriges Spiel zweier guter Teams.“

Maximilian Eggestein: „Uns bleibt nicht viel Zeit, uns vorzubereiten. Morgen steht die Regeneration im Vordergrund, am Montag werden wir uns dann ausführlich in der Videoanalyse mit Hertha befassen. Die drei Siege sprechen für sich.“

Martin Harnik: „Hertha wird ein harter Gegner, aber wir spielen zuhause, wollen unsere Serie ausbauen und vor allem spielerisch endlich den nächsten Schritt machen. Da gibt es noch Luft nach oben.“