Harnik und zwei Debütanten lassen SVW jubeln

Werder besiegt Düsseldorf mit 3:1

Erlösung in der 71. Minute: Theo Gebre Selassie bejubelt Joker-Torschütze Martin Harnik (Foto: Nordphoto).
Spielbericht
Freitag, 07.12.2018 // 22:24 Uhr

von Maximilian Hendel

Dank einer enormen Willensleistung beendete der SV Werder zu Beginn des 14. Spieltages die jüngste Durststrecke von zuletzt drei Heimniederlagen in Folge. Gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf gewannen die Grün-Weißen mit 3:1 (1:1). Vor den 42.100 Zuschauern im ausverkauften Weser-Stadion brachte Bundesliga-Startelfdebütant Kevin Möhwald die Gastgeber sehenswert in Führung (20.), ehe Dodi Lukebakio das Ergebnis vor der Pause vom Elfmeterpunkt egalisierte (43.). Aber Werder schlug in der Schlussphase zurück. Zunächst staubte Martin Harnik ab, wenige Minute später drückte der erst Sekunden zuvor eingewechselte Joshua Sargent bei seiner Premiere im Oberhaus den Ball per Kopf aus wenigen Zentimetern über die Linie (71., 78.).

Aufstellung und Formation: Gleich um ein Quintett veränderte Cheftrainer Florian Kohfeldt seine Startelf im Vergleich zur Vorwoche. Wie angekündigt übernahmen Sebastian Langkamp und Marco Friedl die Innenverteidigung des ausfallenden Duos Milos Veljkovic (Muskelfaserriss im Hüftbeuger) und Niklas Moisander (Gelb-Rot-Sperre). Auf den Außen in der Viererkette vor Stammkeeper Jiri Pavlenka blieb mit Theodor Gebre Selassie (r.) und Ludwig Augustinsson (l.) alles beim Alten. Im Mittelfeld brach Kohfeldt das gewohnte Achter-Paar auf, zog Maximilian Eggestein für Nuri Şahin (Bank) vor die letzte Reihe, wodurch Kevin Möhwald an der Seite von Davy Klaassen sein allererstes Bundesliga-Spiel von Beginn an feiern durfte. Zudem gaben Milot Rashica (persönliches Saisondebüt in der Anfangsformation) und Claudio Pizarro für Yuya Osako (Infekt) und Johannes Eggestein (Bank) eine Doppelspitze, während Kapitän Max Kruse aus der Tiefe ankurbeln sollte.

SVW dominant, aber Lukebakio egalisiert

Gleich schlägt's ein: Kevin Möhwald hat für sein erstes Bundesliga-Tor abgezogen (Foto: Nordphoto).

Die Höhepunkte:

2. Min.: Kruse zieht einen Freistoß von halblinks im scharfen Bogen an den Fünfmeterraum, wo sich Pizarro in den Kopfball stürzt, aber dabei von zwei Düsseldorfern entscheidend bedrängt wird – rechts vorbei.

7. Min.: Da will sich jemand beweisen. Rashica ist die ersten Minuten über schon sehr auffällig, probiert es jetzt mit einem Aufsetzer aus der zweiten Reihe, aber Fortuna-Keeper Rensing hat das anvisierte rechte Eck geahnt.

20. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOR, 1:0 für SVW, Kevin Möhwald. Rashica versetzt Bodzek nahe des Mittelkreises mit einem herrlichen Hüftwackler, nimmt direkt Tempo auf, legt nach links zu Kruse, der erst clever einhakt, dann im richtigen Moment an die Strafraumgrenze zurück legt, wo Möhwald schon Anlauf genommen hat, um den Ball aus 18 Metern wunderbar halbhoch ins rechte Eck zu hämmern. Was für ein Knaller!

31. Min.: Die Bremer haben hier weiterhin alles unter Kontrolle und lassen Düsseldorf in den seltensten Fällen bis zum eigenen Strafraum kommen.

34. Min.: Erste Unachtsamkeit! Eggestein schenkt den Ball in der Gefahrenzone vor dem Bremer Sechzechner her, Usami kommt dadurch ins Eins-gegen-Eins mit Gebre Selassie, überwindet diesen mit einem Übersteiger und schließt sogleich von halblinks im Strafraum ab – Pavlenka muss jedoch nicht eingreifen.

42. Min.: Handelfmeter für die Gäste nach Videobeweis! Fritz wird vom Videoassistenten nachträglich zur Seite gerufen und wertet dort beim zweiten Hinschauen Langkamps Handspiel im Luftduell mit Kaminski nach einer Düsseldorfer Ecke als elfmeterwürdig.

43. Min.: TOR, 1:1 für Fortuna, Dodi Lukebakio. Düsseldorfs Top-Angreifer Lukebakio lässt sich die unverhoffte Chance nicht entgehen, verlädt Pavlenka und schiebt flach rechts ein. Das Ergebnis ist egalisiert.

45. + 3 Min.: Halbzeitpfiff in Bremen – eine Viertelstunde Zeit, die Gemüter zu beruhigen nach den hitzigen Schlussminuten des ersten Durchgangs.

Drei Joker entscheiden das Spiel

Yes, Sargent! Der 18-Jährige köpfte Augenblicke nach seiner Einwechslung die Entscheidung (Foto: Nordphoto).

56. Min.: Möhwald kommt in zentraler Position an den Ball, hat viel Raum und nutzt diesen zu einem ansatzlosen Schuss aus gut und gerne 25 Metern, aber Rensing ist aufmerksam und schnell unten in seinem linken Eck.

58. Min.: Auf der anderen Seite hat Werder jetzt richtig viel Glück. Der eingewechselte Hennings legt sich gegen aufgerückte Grün-Weiße den Ball auf halblinker Position zurecht und überrascht Pavlenka beinah mit einer Bogenlampe, die nur hauchzart am rechten oberen Dreiangel vorbeizischt.

71. Min.: TOOOOOOOOOOOOOR, 2:1 für den SVW, Martin Harnik. Werder erzwingt die erneute Führung! Kaminski köpft Kruses halbhohe Flanke von links direkt ins Rückraum-Zentrum, von wo aus der eben erst ins Spiel gekommene Johannes Eggestein volles Risiko geht, Rensing den technisch einwandfreien Gewaltschuss nur abklatschen lassen kann, was der ebenfalls eingewechselte Harnik gedankenschnell zum entscheidenden Abstauber nutzt.

78. Min.: TOOOOOOOOOOOOOR, 3:1 für den SVW, Josh Sargent. Das ist doch der Wahnsinn, erst wenige Sekunden ist der 18-Jährige US-Nationalspieler auf einem Bundesliga-Rasen und köpft dann den Ball aus wenigen Zentimetern über die Linie; ermöglicht hat das Harniks großer Einsatz nach Klaassens Flanke von der linken Strafraumkante.

79. Min.: Puuuuh, fast der umgehende Anschluss, weil die Grün-Weißen nach Wiederanpfiff ungeordnet sind. Lukebakio ist über halblinks allein durch, aber scheitert an Pavlenkas toller Fußabwehr. Im direkten Gegenzug hat Kruse dann das 4:1 auf den Füßen, aber Rensing wehrt glänzend ab.

90. + 4 Min.: Schluss in Bremen! Werder hat in den Schlussminuten nichts mehr anbrennen lassen und einen letztendlich verdienten Heimsieg eingefahren.

 

Fazit: Werder ging mit bewusst durchgetretenem Gaspedal in die Partie, damit sich die erwartungsgemäß tief stehenden und auf geeignete Kontersituationen erpichten Düsseldorfer erst gar nicht richtig in einer abgesicherten defensiven Formation einfinden konnten. Florian Kohfeldt setzte dafür in der taktischen Grundordnung zunächst auf ein angriffslustig ausgerichtetes 4-4-2 mit der Raute im Mittelfeld, das in den Offensivreihen auf fortwährende Positionswechsel ausgelegt war. Allen voran Rashica und der nimmermüde Kruse nahmen sich das zu Herzen, scherten immer wieder aus und wechselten zwischen Zentrale und Außen hin und her. Eben jene beiden Antreiber ebneten beinah folgerichtig den Weg für Möhwalds tolles Führungstor. Allerdings gingen die Gastgeber zur Pause grummelnd in die Kabine, da sie trotz ihrer Dominanz den bitteren Ausgleich vom Elfmeterpunkt schlucken mussten. Die Fortuna agierte nach Wiederanpfiff viel präsenter. Werder hingegen war zwischendurch die Dynamik und Wucht des ersten Durchgangs abhandengekommen. Aber Kruse und Co. fighteten sich beeindruckend zurück und rissen das Zepter abermals an sich. Kohfeldts drei Einwechsler, insbesondere der kaltschnäuzige Martin Harnik, waren maßgeblich daran beteiligt, dass die drei Punkte letztendlich in Bremen blieben.