Klaassen krönt die Achterbahnfahrt

SV Werder gewinnt 3:2 in Augsburg

Riesige Freude bei Siegtorschütze Davy Klaassen. Das erste Saisontor des Neuzugangs bescherte drei Punkte in Augsburg (Foto: Nordphoto).
Profis
Samstag, 22.09.2018 // 17:28 Uhr

von Maximilian Hendel

Der SV Werder hat in einer atemlosen Achterbahnfahrt den zweiten Auswärtssieg in Folge eingesammelt und bleibt damit in der laufenden Bundesliga-Saison weiterhin ungeschlagen. In einer aufreibenden Partie behielten die Grün-Weißen am 4. Spieltag beim FC Augsburg mit 3:2 (2:1) die Oberhand. Vor gut 25.000 Zuschauern in der WWK-Arena erwischten zwar die Gastgeber den besseren Start, doch ein Doppelschlag brachte die Gäste vermeintlich beruhigend in Führung. Nachdem Kapitän Max Kruse sein erstes Saisontor geköpft hatte (34.), gelang Maximilian Eggestein erneut ein phänomenaler Fernschusstreffer (36.). Allerdings kämpfte sich der FCA zurück. Nach Ja-Cheol Koos Anschluss (45. + 3) und dem Ausgleich von Philipp Max (47.) war alles wieder offen. Doch die Grün-Weißen berappelten sich noch einmal. Davy Klaassen gelang der vielumjubelte Siegtreffer nach einem Patzer von Keeper Fabian Giefer (75.).

Aufstellung und Formation: Nach bisher zwei Kurzeinsätzen gab Rückkehrer Claudio Pizarro sein Startelfdebüt in der noch jungen Bundesliga-Saison. Ebenso setzte Cheftrainer Florian Kohfeldt in der vordersten Offensivreihe auf Florian Kainz. Dafür nahm Martin Harnik zunächst auf der Bank Platz, während Yuya Osako (Magen-Darm-Probleme) gleich in Bremen geblieben war. Die neun anderen Akteure in der variablen 4-3-3-Grundformation hatten bereits gegen Nürnberg begonnen. Vor Stammkeeper Jiri Pavlenka bildeten (v. r. n. l.) Theodor Gebre Selassie, Milos Veljkovic, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson die defensive Viererkette. Philipp Bargfrede sicherte zentral im Mittelfeld ab, während Davy Klaassen und Maximilian Eggestein auf den Halbpositionen hinter Kapitän Max Kruse die Offensive ankurbeln sollten.
 

Wermutstropfen mit dem Halbzeitpfiff

Claudio Pizarro gab sein Startelfdebüt und legte für Eggesteins Fernschussknaller auf (Foto: Nordphoto).

Die Höhepunkte:

12. Min.: Klaassens Flachschuss aus 22 Metern geht zwei Meter links daneben – Kainz und Pizarro waren die Initiatoren dieses Versuchs. Wenige Augenblicke vorher klärte Augustinsson in höchster Not gegen Framberger, nachdem sich der FCA über Gregoritsch und Max bis in den Fünfmeterraum der Bremer vorgespielt hatte.

19. Min.: Hahns Steilpass bringt Gregoritsch über halblinks ins Laufduell mit Moisander, der Augsburger geht nicht ins Eins-gegen-Eins, sondern probiert es aus 15 Metern flach und scharf, aber Pavlenka muss nicht eingreifen.

22. Min.: Dafür ist Pavlenka jetzt gefordert; Gregoritsch direkter Freistoß aus bester Position zentral vor der Strafraumgrenze zieht an der Mauer vorbei auf das Torwarteck, Pavlenka sieht den Ball spät, aber lenkt diesen reaktionsschnell zur Seite.

28. Min.: Kruse verschafft sich über links Zeit und Raum für eine gute Eingabe in den Strafraum, die Pizarro aus 12 Metern direkt aus der Luft mit dem linken Innenspann erwischt, aber FCA-Schlussmann Giefer packt sicher zu.

34. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOR, 1:0 für den SVW, Max Kruse. Unter großer Bedrängnis behaupten Augustinsson und Kainz an der linken Außenlinie weit vorn in der Augsburger Hälfte den Ball, Kainz setzt anschließend eine bestens getretene Flanke an den langen Pfosten, wohin sich Kruse geschlichen hat und clever gegen Giefers Laufrichtung per Kopf aus Nahdistanz veredelt.

36. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOOR, 2:0 für den SVW, Maximilian Eggestein. Ja, aber Hallo, die Bremer legen direkt nach! Und wie schon am vergangenen Wochenende zimmert Eggestein einen wunderschönen Fernschuss unhaltbar in die Maschen – diesmal aus gut 20 Metern zentimetergenau halbhoch rechts nach Pizarros Ablage.

45. + 1 Min.: Puuuuuh, großes Glück. Veljkovic bügelt Moisanders etwas leichtsinnigen Stockfehler im allerletzten Moment gegen Hahn aus, der ansonsten im Strafraum freie Bahn für einen eventuellen Anschlusstreffer gehabt hätte.

45. + 3 Min.: TOR, 1:2-Anschluss des FCA, Ja-Cheol Koo. Arrrr, wie unnötig. Sekunden vor der Pause lassen sich die Grün-Weißen doch noch überrumpeln. Caiuby überspringt Gebre Selassie nach einem langen Ball von Khedira, köpft in den Lauf des unbeachteten Koo, der den Ball elegant verarbeitet und volley im rechten Eck unterbringt. Danach pfeift Schiri Zwayer zur Halbzeit.  

Das Spiel steht auf der Kippe, bis Klaassen abstaubt

Augsburgs Philipp Max trifft zum 2:2, doch Klaassen schlug später zurück (Foto: Nordphoto).

47. Min.: TOR, 2:2 für den FCA, Philipp Max. Die Gastgeber erwischen Werder gleich wieder auf den vollkommen falschen Füßen. Keiner verhindert Hahns Flankenlauf über die rechte Bahn – Gebre Selassie unterläuft den Ball, wodurch der genauso unbewacht einlaufende Außenverteidiger Max am langen Pfosten keine Mühe hat, mit links volley zu vollenden.

53. Min.: Die Augsburger spüren den Aufwind, Werder ist noch nicht wieder wirklich da. Koo legt den Ball nur allzu knapp am kurzen Pfosten vorbei. Keine Minute vorher hatte Max für Hahn aufgelegt, der jedoch Pavlenka nicht überwinden konnte.

54. Min.: Endlich wieder ein Bremer Ausrufezeichen. Kruse spielt Kainz über Linksaußen herrlich frei; der tanzt nahe der Eckfahne Framberger aus, bringt eine lang gezogene Flanke, die Pizarro aus spitzen Winkel an den rechten Außenpfosten köpft.

62. Min.: Defensiv bieten die Grün-Weißen weiterhin große Lücken. Baiers hoher Ball hebelt die letzte Reihe aus, doch Pavlenka verhindert gegen Gregoritsch Schlimmeres. Der zweite Ball landet bei Framberger, der den völlig freien Koo entdeckt, doch der Südkoreaner schaufelt überhastet drüber.

75. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOOOR, 3:2 für den SVW, Davy Klaassen. Jetzt ist der FCA nachlässig und wird von den Grün-Weißen dafür sofort bestraft. Harnik rettet einen Ball auf der Grundlinie, den Kruse anschließend scharf und flach in den Fünfmeterraum bringt, wo Keeper Giefer den Ball plötzlich durch die eigenen Beine rutschen lässt, was Klaassen den völlig freien Abstauber beschert.

88. Min.: Puuuuh, das Aluminium ist auf Bremer Seite. Gregoritsch steigt nach einer Ecke von Max am höchsten und köpft den Ball an den linken Pfosten. Großes Glück für Werder.

90. + 5 Min.: Schluss in Augsburg. Die Grün-Weißen haben in der Schlussphase die Nerven behalten und den Sieg über die Zeit gebracht.


Fazit: Die Grün-Weißen hatten zunächst doch einige Zeitlang an wie immer aggressiven und unangenehm zu bespielenden Augsburgern zu knabbern, die wiederholt sehr hoch anliefen, um jegliche Kombinationslaune der Bremer gleich gar nicht erst aufkeimen zu lassen. Auch besaßen die Gastgeber in der ersten halben Stunde die deutlich gefährlicheren Offensiv- und Abschlussaktionen. Doch Werders in dieser Phase sich nicht unbedingt abzeichnender Führungstreffer brachte den FCA ins Wanken. Max Kruse hatte sich sein erstes Saisontor aber mehr als verdient. Der Bremer Kapitän ging ganz weite Wege und war immer wieder Impulsgeber für beinah jede Abschlussaktion. Mit Eggesteins anschließendem Traumtor hatte der SVW die Szenerie einstweilen komplett auf die eigene Seite gezogen, nur um eigentlich sichtlich beeindruckte Gastgeber dann unerklärlicherweise und zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten wieder richtig stark zu machen. Zwei fahrlässige Schlafeinlagen verhalfen Koo kurz vor und Max kurz nach der Pause dazu, das Ergebnis zu egalisieren. Die Abstimmungsprobleme und Unkonzentriertheiten in der eigenen Defensive hätten sogar beinah noch einen Rückstand begünstigt. Gregoritsch und Koo besaßen riesige Möglichkeiten. Aber Kohfeldts Elf zog sich gemeinsam aus diesem Loch und kam unter gütiger Mithilfe von FCA-Keeper Giefer zum vielumjubelten Siegtreffer.