"Ich konnte es einfach nicht glauben."

Mein Moment 2018 - Milos Veljkovic

Im Duell mit Neymar: Für Milos Veljkovic war das WM-Spiel gegen Brasilien der Moment 2018 (Foto: imago).
Profis
Donnerstag, 27.12.2018 // 17:04 Uhr

Notiert von Yannik Cischinsky

2018. Ein ereignisreiches Jahr für viele Werderaner. Erfolgreiche Läufe in beiden Halbserien, Tor-Debüts, WM-Premieren, Comebacks und viele denkwürdige Augenblicke. Um auf die vergangenen Monate zurückzublicken, hat WERDER.DE einige Werder-Profis nach ihrem ganz persönlichen Moment des Jahres gefragt. Diese eine Situation, die eine Minute, die ihnen vielleicht für immer in Erinnerung bleiben wird. Im zweiten Teil blickt Milos Veljkovic zurück.

„Außergewöhnlich schön waren definitiv mein erstes Bundesliga-Tor im Spiel gegen den 1. FC Köln, ein wichtiges Tor in einem wichtigen Spiel gegen einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt, und auch mein Tor jetzt vor ein paar Wochen gegen Hertha. Aber der Moment des Jahres, der eine, das war mein Debüt bei der Weltmeisterschaft im Sommer. Und dabei vor allem der Augenblick, in dem mir der Trainer gesagt hat, dass ich gegen Brasilien von Anfang an spielen werde. Das war unglaublich. Ein unbeschreibliches Gefühl.

2018 wurde Milos Veljkovic bei Werder und in der Nationalelf zum Stammspieler (Foto: W.DE).

Plötzlich hat das Nachdenken angefangen. Ehrlich gesagt hatte ich das Spiel schon zweimal, dreimal in meinem Kopf durchgespielt, ohne dass wir überhaupt angefangen hatten. Ziemlich schnell habe ich mir aber vor Augen geführt, dass ich genau davon als Kind geträumt habe, davon gegen die brasilianischen Stars aufzulaufen. Natürlich war es auch überragend, dann auf dem Platz zu stehen, zu spielen, aber der Augenblick, in dem Mladen Krstajic mir mitgeteilt hat, dass ich spiele, war prägnanter. Ich hatte die ersten beiden Spiele nicht gespielt und plötzlich stand ich in der Startelf. Das war klasse, ein sehr schöner Moment. Ich konnte es einfach nicht glauben.

Je näher das Spiel rückte, desto einfacher wurde es. Meine Nervosität ging zurück, ich hab mich sogar richtig darauf freuen können. Als das Spiel begonnen hat, war es fast wie ein völlig normales Spiel. Ich war fokussiert auf meine Aufgaben. Leider haben wir das Spiel verloren.

Die ganze Bedeutung habe ich erst nach dem Spiel realisieren können, abgesehen vielleicht von dieser einen Situation. Da bin ich mit zum Eckball nach vorne gegangen. Neymar war vor mir, wollte mich decken. Direkt bei mir stand zudem Thiago Silva. Und dann habe ich für einen ganz kurzen Moment nachgedacht. Ich habe mir Spiele von Brasilien als kleines Kind angeschaut. Damals im TV. Thiago Silva bewundere ich schon lange als einen super Verteidiger.

Das war der einzige Moment, in dem ich vielleicht kurz mal aus meiner Konzentrationsphase raus bin. Ansonsten darfst du vor und während der Partien ja nicht allzu viel reflektieren, keinen Respekt zeigen. Du musst deine eigene Leistung bringen. Du bist so in der Situation verhaftet. Wenn du da zu viel nachdenkst, kommst du zu spät und bist vielleicht Schuld an einem Gegentor.

Ich würde es schon gerne noch mal sehen
Milos Veljkovic

Realisiert habe ich das wie gesagt erst nach dem Schlusspfiff. Ich habe extrem viele Nachrichten bekommen. Von meiner Familie, meiner Freundin – und von vielen Leuten, Freunden, von denen ich lange nichts gehört hatte. Die haben sich plötzlich gemeldet und mir gratuliert. Das war klasse.

Es ging alles so schnell. Plötzlich waren wir zurück in Serbien, leider. Ausgeschieden. Ehrlich gesagt habe ich mir das Spiel bis heute nicht noch einmal angeschaut. Ich weiß gar nicht, warum. Vielleicht einfach, weil mir die Zeit gefehlt hat. Ich hatte nur eine oder zwei Wochen frei, bin dann direkt wieder in die Vorbereitung eingestiegen und die Saison ging los. Möglicherweise schaffe ich es, wenn ich mal wieder ein bisschen Zeit habe. Irgendwie würde ich es schon gerne noch mal sehen, wenn ich so drüber nachdenke."

Der WERDER.DE-Jahresrückblick: