"Ich kannte nicht mal alle Namen"

Mein Moment 2018 - Davy Klaassen

Nur ein paar Stunden nach seinem Wechsel durfte Davy Klaassen schon für Werder jubeln (Foto: nordphoto).
Profis
Dienstag, 25.12.2018 // 16:36 Uhr

Notiert von Yannik Cischinsky

2018. Ein ereignisreiches Jahr für viele Werderaner. Erfolgreiche Läufe in beiden Halbserien, Tor-Debüts, WM-Premieren, Comebacks und viele denkwürdige Augenblicke. Um auf die vergangenen Monate zurückzublicken, hat WERDER.DE einige Werder-Profis nach ihrem ganz persönlichen Moment des Jahres gefragt. Diese eine Situation, diese eine Minute, die ihnen vielleicht für immer in Erinnerung bleiben wird. Den Anfang macht Davy Klaassen.

„Ich habe zwei Momente, die ich nennen muss. Der erste Teil war meine Ankunft in Bremen, zwei sehr hektische Tage. Schon der Donnerstag war hektisch und eine total neue Erfahrung für mich. Am Morgen saß ich noch in Manchester beim Friseur. Ich hatte die wichtigsten Sachen für die Reise nach Bremen mitgenommen. Ich wusste da schon, dass ich wechseln werde, und war froh, dass alles fix ist. Ich habe mich auf Bremen gefreut, aber ich war auch ein bisschen nervös. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet.

Moin: Davy Klaassen wurde direkt auf dem Rollfeld abgeholt (Foto: WERDER.DE).

Als ich gelandet bin, war der erste Eindruck, mein Bauchgefühl, sehr gut. Es war schön, dass Tim Steidten mich schon auf der Rollbahn in Empfang genommen hat. Für mich war das wirklich ein Zeichen großer Wertschätzung. Der ganze Tag hat sich gut angefühlt, auch wenn es hektisch und stressig war. Alle meine medizinischen Checks habe ich an diesem Tag absolviert. Das war ein sehr langer Tag, aber ich hatte direkt das Gefühl, willkommen zu sein.

Na und dann der Freitag... Wir hatten drei Spiele in vier Tagen, unter anderem gegen Bielefeld keine 24 Stunden nachdem ich meinen Vertrag unterzeichnet hatte. Ich dachte: Mal schauen, vielleicht spiele ich ja eine halbe Stunde. Und plötzlich sagt mir Florian, dass ich von Beginn an auflaufe und in den drei Partien sechzig, dreißig und wieder sechzig Minute spielen werde. Uff!

Das war eine komische Situation. Ich kannte noch nicht mal die Namen aller Teamkollegen, die habe ich erst in den Tagen darauf gelernt. Es ging alles etwas schnell. Aber es war gut für mich, weil ich direkt integriert wurde. Auch das Tor gegen Bielefeld hat geholfen. Ich habe mich wirklich gefreut, obwohl es nur ein Testspiel war. Es war speziell, weil ich in meinem ersten Spiel sofort getroffen habe und davor ein halbes Jahr quasi nicht gespielt habe.

Den zweiten, ebenfalls echt bedeutenden Moment, hatte ich im Heimspiel gegen Wolfsburg. Mein Opa war hier in Bremen. Zum allerersten – und bisher leider auch einzigen – Mal. Und was passiert: Ich treffe.

Mit ihm spreche ich über alles
Davy Klaassen

Zu ihm habe ich wirklich eine gute Bindung. Mit ihm spreche ich über alles, über das Leben hier in Bremen. Er ist ein wichtiger Mensch für mich. Mit zehn Jahren bin ich damals zu Ajax Amsterdam gewechselt. Einen Shuttle-Service gab es für uns im ersten Jahr noch nicht. Mein Opa hat mich damals jeden Tag zum Training gefahren und wieder abgeholt. Eigentlich jeden Tag. Erst im darauffolgenden Jahr wurde ein Fahrdienst eingerichtet. Er hat trotzdem zumindest alle Spiele gesehen, er war immer dabei.

Diese beiden Tore waren spezielle Momente für mich nach einem schwierigen ersten Halbjahr. Wobei ich sagen muss: Fußballerisch war ein halbes Jahr gut, ein halbes nicht so. Das Leben war aber auch in Manchester gut, ich habe viele tolle Erfahrungen gemacht und Leute kennengelernt. Das möchte ich wirklich betonen.“