Ein Ritual, das Erfolg verspricht

Im ständigen Austausch: Auch bei der WM halten Kohfeldt und Augustinsson Kontakt (Foto: nordphoto).
Profis
Montag, 02.07.2018 // 18:32 Uhr

Von Max Brosta

Es klingelt. Oder vibriert zumindest. 'Florian Kohfeldt' zeigt das Display von Ludwig Augustinsson. Der Trainer ruft an. Es ist fast eine Art Ritual geworden, dass Werders Cheftrainer und 'Ludde' nach den Spielen der schwedischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland telefonieren und sich austauschen. Mit einer Ausnahme. „Nur nach der Partie gegen Deutschland hab ich ihn in Ruhe gelassen“, sagt der Werder-Coach schmunzelnd. Doch wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Nach drei Gruppenspielen sind es schließlich Augustinsson und Co., die als Gruppenerster ins Achtelfinale einziehen, nicht das DFB-Team.

Wie lange die schwedische Nationalmannschaft noch im Turnier bleibt? „Ich bin gespannt, wie weit ihr Weg geht“, hält sich Kohfeldt mit einer Prognose zurück. Mit der bisherigen Leistung seines Schützlings ist er unterdessen mehr als zufrieden. „Plötzlich schießt er sogar Tore“, sagt Kohfeldt mit einem Augenzwinkern. Beim 3:0-Erfolg der Schweden ist der Linksverteidiger Torschütze zum 1:0, wird im Anschluss von der FIFA zum 'Man of the Match' gekürt. Und was durfte nach der Partie nicht fehlen? Der obligatorische Anruf des Cheftrainers. „Ich habe nach jedem Spiel Kontakt mit ihm und freue mich sehr für ihn. Er kommt mit seiner Rolle sehr gut klar“, erklärt Kohfeldt, der den Gefühlszustand seines Schützlings vor dem Achtelfinale gegen die Schweiz am Dienstag, 03.07.2017, um 16 Uhr auf den Punkt bringt: „Ludde geht es extrem gut.“

Florian Kohfeldt baut auf das Selbstverständnis der WM-Fahrer (Foto: nordphoto).

Doch Augustinsson ist nicht der einzige Werderaner, der bei der WM ums Weiterkommen ins Viertelfinale kämpft. Auch Yuya Osako trifft mit der japanischen Nationalelf am heutigen Montag um 20 Uhr im Achtelfinale auf Belgien. Dass die japanische Mannschaft überhaupt die K.o.-Phase erreicht hat, verdankt sie der FairPlay-Wertung. „Yuya hatte im letzten Spiel  schon ein bisschen Glück, aber ich freue mich für ihn“, betont der Werder-Coach. Natürlich steht er nicht nur mit Augustinsson, sondern auch mit Werders Neuzugang, der vom 1. FC Köln an den Osterdeich wechselt, im ständigen Austausch.

Dass die beiden Werder-Profis bei der WM in Russland so erfolgreich sind, freut Kohfeldt - vor allem im Hinblick auf die kommende Saison der Grün-Weißen. Denn genau das, was die beiden Nationalspieler aktuell an den Tag legen, ist elementar für den SV Werder. „Es ist ein gewisses Selbstverständnis, Erfolg zu haben – das wächst mit jeder Runde“, sagt Kohfeldt und ergänzt: „Mit den tollen Erfahrungen, Erfolgserlebnissen und dem Selbstverständnis sollen sie zu uns zurückkehren.“ Dabei spiele es keine Rolle, ob Augustinsson und Osako nach der WM einen Tag mehr oder weniger im Urlaub entspannen. „Da schauen wir nicht auf ein, zwei Tage“, macht Kohfeldt deutlich. Auf beide Werderaner wartet ausreichend Regenerationszeit, unabhängig davon, wie weit sie kommen und wie weit die Vorbereitung der Grün-Weißen zu diesem Zeitpunkt bereits vorangeschritten ist.

Anders als die beiden Achtelfinalisten ist Milos Veljkovic mit der serbischen Nationalmannschaft in der Gruppenphase ausgeschieden. „Es hat mich aber sehr gefreut, dass er im letzten Spiel gegen Brasilien noch zum Einsatz kam. Danach haben wir sehr lange telefoniert und uns ausgetauscht“, verrät Kohfeldt. Aus drei mach also zwei WM-Fahrer. Doch wem gönnt der Cheftrainer den WM-Titel mehr? „Am liebsten wären mir natürlich zwei Weltmeister“, schmunzelt Kohfeldt. Daraus wird ganz sicher nichts, aufeinandertreffen können Osako und Augustinsson allerdings erst im Finale. Sollte es soweit kommen, müsste der Werder-Coach noch so manches Telefongespräch führen.