Entwicklungshilfe Stress

Florian Kohfeldt spricht an der Uni Bremen

Cheftrainer Florian Kohfeldt, im Gespräch mit Andre Pfitzner, war an der Uni Bremen zu Gast (Foto: WERDER.DE).
Profis
Montag, 19.11.2018 // 15:25 Uhr

Von Marcel Kuhnt

Stress? Wenn Florian Kohfeldt in der Bundesliga am Spielfeldrand steht, hat er genau das. Doch unter Druck steht nicht nur Werders Cheftrainer. Auch seine Spieler sind Stresssituationen und dauerhaftem Druck ausgesetzt. Dass diese Situation nicht zwangsläufig negativ zu sehen ist, stellte der 36-jährige Werder-Coach bei einer Podiumsdiskussion am Montag an der Universität Bremen klar. „Nur die negativen Aspekte zu sehen, finde ich nicht richtig. Stress kann durchaus positiv sein. Denn Stress zu empfinden bedeutet auch, dass ich mich mit einer Situation auseinandersetze, die ich nicht gewohnt bin. Nur so entwickelt man sich weiter“, erklärte Kohfeldt.

Es war nicht der einzige Einblick in die Arbeitswelt, die Florian Kohfeldt beim 3. Informationstag Gesundheit des Fachbereichs Human- und Gesundheitswissenschaft der Bremer Universität gab. Der Fußball-Lehrer, der selbst "Public Health" studierte, zog Vergleiche zwischen dem Fußball-Business und der akademischen Welt der Studierenden - auch wenn das auf den ersten Blick nicht immer einfach ist. „Wir müssen uns nichts vormachen: Im Fußball befinden wir uns in einer anderen Lebenswelt, in der wir anderen Problemen und Stressfaktoren ausgesetzt sind. Trotzdem gibt es weitreichende Parallelen. Stress entsteht dann, wenn wir nicht in der Lage sind, Situationen zu bewältigen. Das ist in beiden Bereichen der Fall“, sagte Kohfeldt, der gemeinsam mit Vertretern der Universität vor den Studierenden sprach.

In der Zusammenarbeit mit dem Team kann es zu stressigen Situationen kommen. In diesen Fällen sei es wichtig, auf den Menschen einzugehen, verdeutlichte Kohfeldt seine eigene Herangehensweise. Wie das geschehe, sei jedoch immer verschieden. „Die Vorgehensweise kann ich nicht verallgemeinern. Es gibt Momente, in denen man das klassische Rollenbild 'Spieler-Trainer' verlassen muss. Dabei ist es entscheidend, auf den Menschen und seine persönliche, individuelle Lage einzugehen“, so Kohfeldt, der ergänzt: „Für mich ist die direkte Auseinandersetzung mit den Spielern essenziell. Für mich gehört es zur Aufgabe eines Trainers, zu jedem eine persönliche Beziehung zu haben und mich mit ihm auseinanderzusetzen.“

Und wenn das einmal turbulenter zugeht als angenommen, kann Florian Kohfeldt auf die Erfahrungen seines Studiums bauen. „Das Studium war sehr wichtig, da ich mich mit Themen auseinandersetzen musste, die am Anfang schwierig erschienen. Unerwartete Situationen, die ich meistern musste. Gleiches erlebe ich als Trainer“, erklärte Master-Absolvent Kohfeldt, der für einen Vormittag gerne in die Universität Bremen zurückgekehrt ist.