Eine ganz andere Welt

Joshua Sargent im Interview - Teil I

Joshua Sargent verließ seine Heimat, um in Bremen den nächsten Schritt zu machen (Foto: nordphoto).
Profis
Sonntag, 27.01.2019 // 15:49 Uhr

Das Interview führte Yannik Cischinsky

Aus St. Louis in den USA, ins weit entfernte Bremen nach Deutschland. Für einen damals 17-Jährigen, der kein Wort Deutsch sprach und in eine Stadt kam, die unterschiedlicher nicht hätte sein können, war es eine mehr als mutige Entscheidung. Joshua Sargent hat es trotzdem gewagt, diesen Schritt zu vollziehen, um Bundesliga-Profi zu werden. Der talentierte Fußballer fand in Bremen eine Möglichkeit sich weiterzuentwickeln und zwar nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch. Im Interview mit WERDER.DE spricht der US-Nationalspieler über den gewöhnungsbedürftigen Start an der Weser und seine sportliche Entwicklung beim SVW.

WERDER.DE: Der Winter hat Bremen fest im Griff. Ist das Wetter eine große Umstellung für dich?

Joshua Sargent: „Um ehrlich zu sein, unterscheidet sich das Wetter gar nicht so sehr von meiner Heimatstadt St. Louis. Ich bin an die Kälte gewöhnt. Im Winter ist es sehr kalt, im Sommer ist es sehr heiß. Ich würde sagen, das Wetter ist extremer als hier. Momentan haben wir gerade zwölf Zoll Neuschnee, also so 30 Zentimeter.“

Für Joshua Sargent war die Eingewöhnungsphase nicht immer einfach (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Das wird es in Bremen nicht so schnell geben… Wie schwer war es für dich, sich in Bremen einzuleben?

Joshua Sargent: „Die erste Zeit war sehr hart. Es war ein großer Kultur-Schock für mich. Ich kannte einfach niemanden hier und die Sprache war eine große Herausforderung für mich - obwohl die meisten Menschen Englisch sprechen, was schon mal sehr hilfreich ist. Einfach über nichts Bescheid zu wissen, war am härtesten. In der ersten Woche wusste ich wirklich nicht wohin mit mir. Danach habe ich versucht rauszukommen, in die Stadt zu gehen, mich so oft es geht mit Leuten zu treffen und abzuhängen. Das hat geklappt und mir geholfen. Ich habe viel über die Stadt und die Menschen hier gelernt.“

WERDER.DE: Hat deine Freundin diesen Neustart mit dir zusammen ‚durchgemacht‘?

Joshua Sargent: „Nein, leider nicht. Sie konnte erst zu Beginn dieser Saison nach Bremen ziehen. Die ersten vier, fünf Monate war ich ganz auf mich allein gestellt. Aber jetzt wohnt sie mit mir in Bremen.“

WERDER.DE: Was war sportlich gesehen die größte Herausforderung für dich nach dem Wechsel zu Werder?

Joshua Sargent: „Mich an das Tempo, die Geschwindigkeit des Spiels in der Bundesliga zu gewöhnen, war sicherlich die größte Herausforderung. Aber das tägliche Training mit den Teamkollegen hat mir geholfen und mich gut auf meinen ersten Einsatz vorbereitet.“

Ich musste einfach sicher gehen, dass der Ball rein geht.
Joshua Sargent

WERDER.DE: Dein erstes Bundesliga-Tor hast du abgestaubt. Haben dich die Teamkollegen eigentlich damit aufgezogen, dass du es Martin Harnik geklaut hast?

Joshua Sargent: „Überraschenderweise gab es gar nicht so viele spitze Bemerkungen. Ich hatte mit mehr gerechnet. Sie haben es alle verstanden und sich zum Glück ehrlich mit mir gefreut. Die Stimmung in der Kabine war nach dem Sieg einfach top.“

WERDER.DE: Wohl jeder Stürmer hätte genauso gehandelt…

Joshua Sargent (schmunzelt): „Ich musste einfach sicher gehen, dass der Ball rein geht. Nicht, dass von hinten noch ein Verteidiger kommt.“

WERDER.DE: Wie würdest du die Hinrunde für dich persönlich zusammenfassen?

Joshua Sargent: „Ich habe so hart wie irgendwie möglich gearbeitet, um meine Minuten zu bekommen und als ich sie bekommen habe, wollte ich einfach sichergehen, dass ich das bestmögliche aus dieser Chance mache. Ich denke, das ist mir gelungen. Ich bin ziemlich zufrieden, wie es bisher gelaufen ist.“

Maximilian Eggestein beglückwünscht Joshua Sargent zu seinem ersten Tor (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Wie ungeduldig bist du geworden, als die Hinrunde immer weiter voranschritt und du lediglich Einsätze bei der U23 bekommen hast?

Joshua Sargent: „Es war mit dem Trainerteam besprochen, dass Spielzeit für mich das Wichtigste ist, um in den Rhythmus zu kommen und mich weiterzuentwickeln. Aber natürlich wollte ich am liebsten sofort und dauerhaft mit der ersten Mannschaft trainieren. Das war zeitweise ein bisschen frustrierend. Ich wusste, dass ich in den Spielen zeigen konnte, dass ich zum Bundesliga-Team gehöre und das habe ich versucht. Wichtig war in der Situation, ruhig zu bleiben.“

WERDER.DE: Wie schwer ist dir das gefallen, vor allem mit Blick auf die erfolgreichen Einsätze im Nationaltrikot?

Joshua Sargent: „Wie schon gesagt. Ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer, in denen wir all diese Situationen besprochen und geklärt haben. Das war okay für mich.“

WERDER.DE: Was sind deine Ziele für die Rückrunde?

Joshua Sargent: „Ich möchte mich im Bundesligateam etablieren und an jeden Spieltag im Kader stehen - nicht in der Startelf, aber im Kader. Vielleicht bekomme ich gegen Ende der Saison ein paar Startelf-Einsätze. Aber ich weiß, dass es ein sehr langer und harter Weg für mich ist. Ich kenne die Konkurrenz. Ich muss genau so hart weiterarbeiten, damit dieses Ziel Wirklichkeit wird.“

Am Montag, 28.01.2019, erscheint der zweite Teil des großen Interviews mit Joshua Sargent. Dort berichtet der Stürmer über seine sportliche Begabung und die Gründe, warum der 18-Jährige sich für den Fußball entschieden hat. Dazu gibt er einen Einblick, wie er mit den großen Erwartungen an seiner Person umgeht. Ein Muss für jeden Werder-Fan!