Krieger, Alphatier, Werderaner

Torsten Frings feiert seinen 42. Geburtstag

Elf Jahre als Spieler, zwei Jahre als Co-Trainer: Torsten Frings (Foto: nordphoto).
Profis
Donnerstag, 22.11.2018 // 14:32 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Vielleicht bleibt ihm an seinem heutigen Geburtstag ein Moment Zeit, um seine grün-weißen Jahre Revue passieren zu lassen. Woran Torsten Frings, der am Donnerstag 42 Jahre alt wird, in seinem Haus in Bremen-Oberneuland wohl als erstes zurückdenkt. WERDER.DE ruft über 449 Pflichtspiele in Werders Vereinsfarben, Titel, Grätschen, Kapitänsbinde und einen Typen, der sich nicht verbiegen ließ, in Erinnerung.

Für den in Alsdorf bei Aachen aufgewachsenen Ex-Profi ist Bremen zur Heimat geworden. Wie viele andere Werderaner, die als Aktive aus ganz Deutschland an den Osterdeich kamen, ist auch Frings bei Rathaus, Roland und Weser schwach geworden. Und geblieben. Zu seinen Nachbarn in Oberneuland darf der ehemalige Nationalspieler heute Tim Wiese, Martin Harnik, Frank Baumann oder auch Tim Borowski zählen. Schon 2007, als Frings seinen Werder-Kontrakt letztmals verlängerte, unterstrich er bei WERDER.TV: „Es ist kein Geheimnis, dass ich mich hier überaus wohlfühle.“

Mit seiner Spielweise eroberte Torsten Frings die Herzen der Fans, Frank Baumann beerbte er als Werder-Kapitän.

Bei Werder schaffte Frings seinen Karrieredurchbruch, absolvierte 326 Bundesligapartien und holte drei Titel – das alles verteilt auf die beiden wohl wichtigsten Phasen seiner Fußballerkarriere. Episode eins startete 1997 und gipfelte nur zwei Jahre später im sensationellen Pokalsieg. Den 6:5-Finalerfolg über Meister Bayern absolvierte Frings, der sich kontinuierlich zum Stammspieler mauserte, über die volle Distanz. Es war sein erster großer Triumph.

Die Münchner, die in der gleichen Saison auch das Champions League-Finale gegen Manchester dramatisch verloren, wurden fünf Jahre später Frings neue sportliche Heimat. Zum Nationalspieler gereift, verließ der „Lutscher“, wie ihn einst Andreas Herzog taufte, Bremen jedoch zunächst um bei Borussia Dortmund einen großen Karriereschritt zu gehen.

Doch nach nur zwei Jahren in Schwarz-Gelb und einer Saison im Bayern-Trikot kehrte Frings 2005/06 zurück in die Schaaf-Elf. Als „Leitwolf“ und „aggresive leader“ prägte Frings auf dem Platz das Spiel des SV Werder, überzeugte neben unbändiger Einsatzbereitschaft und brachialer Schussgewalt durch Flexibilität. Als Stürmer gestartet bekleidete der Mann mit seiner "Glücksrückennummer 22" nicht nur sämtliche Positionen im Mittelfeld, sondern agierte auch als Außenverteidiger, wenngleich das zweikampfbetonte Spiel im Zentrum seine Fähigkeiten am ehesten zur Geltung brachte.

Ich bin überwältigt
Torsten Frings

Vom unbedarften Beobachter auf dem Platz dank Kämpferherz, den vor einigen Jahren noch weniger inflationär auftretenden Unterarm-Tattoos und langer Mähne für einen wilden Krieger gehalten, blieb Frings abseits des Grüns doch meist zurückhaltend. Frings wollte kicken, auf dem Platz stehen, in leidenschaftlicher Manier dem Ball nachjagen. Den immer wichtiger werdenden medialen Begleiterscheinungen wie Interviews oder später Social Media konnte er dagegen kaum etwas abgewinnen. Darauf verzichtet, geradeheraus seine Meinung zu sagen, hat Frings dennoch selten.

Highlight als Co-Trainer: Torsten Frings feiert mit Werder den Klassenerhalt 2016 (Foto: nph).

Man könnte sagen, er war ein schroffer Typ, mit denen nicht alle klar kamen. Und so war beispielsweise das sprichwörtliche Tischtuch mit Joachim Löw spätestens 2010 zerschnitten, als der Bundestrainer für die WM 2010 ohne Frings plante. 78 Länderspiele bestritt Frings, bis dahin. Auch die überzeugenden Leistungen des „einfachen Mannes“, wie ihn die FAZ einst bezeichnete, ebneten nicht den Weg zurück ins DFB-Trikot. Seine zweite Phase an der Weser krönte Frings nichtsdestotrotz mit dem Pokalsieg 2009 (zu den WERDER.TV-Highlights), in dessen Folge er die Kapitänsbinde von Frank Baumann übernahm. Zwei Spielzeiten führte er Werder: als Alphatier, als Krieger, als Inbegriff eines Führungsspielers.

Seine aktive Laufbahn beschloss er als kanadischer Pokalsieger. 2013, nach zwei erlebnisreichen Jahren bei Toronto FC, sagte Frings aufgrund anhaltender Verletzungssorgen  auf seine Weise "goodbye". Wo sonst, außer im Bremer Weser-Stadion, seiner Heimat, hätte Frings mit einem furios inszenierten Abschiedsspiel das Karriereende feiern sollen? „Ich bin überwältigt“, sagte der spätere Fußball-Lehrer, der als Co-Trainer unter Viktor Skripnik in zwei Jahren weitere emotionale Momente seiner Werder-Karriere hinzufügte.

Und mit Sicherheit wird an seinem Geburtstag am heutigen Donnerstag Zeit bleiben, an legendäre Augenblicke wie das Herzschlagfinale gegen Frankfurt 2016 (zu den WERDER.TV-Highlights), sein Tor im WM-Eröffnungsspiel oder den Freistoßhammer gegen Hoffenheim zurückzudenken. WERDER.DE wünscht alles erdenklich Gute zum Geburtstag, Torsten!