Der erarbeitete Moment der Ekstase

Stolzer großer Bruder: Maximilian jubelt mit Torschütze Johannes Eggestein (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 06.10.2018 // 09:32 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Ob der Bruder tatsächlich der erste Gratulant war, daran erinnerte sich Johannes Eggestein dann doch nicht mehr so genau. Die „pure Ekstase“ durchströmte den 20-Jährigen schließlich nach seinem ersten Bundesliga-Tor, das gleichzeitig der Siegtreffer beim 2:0-Erfolg gegen Wolfsburg war (zum Spielbericht). „Es ist einfach ein geiles Gefühl, vor allem, weil es auch noch so viel Wert war“, freut sich der jüngere der beiden Eggestein-Brüder.

Vor dem Kasten des Wolfsburger Schlussmanns Koen Casteels blieb der Nachwuchsstürmer eiskalt. Ein kurzer Blick, der erste Kontakt und drin das Ding. Vorlagengeber und „Altmeister“ Claudio Pizarro hätte nicht souveräner vollenden können. Und so gab es von der Sturm-Legende eine Umarmung und ein Lob für den jüngsten Sproß der Kaderschmiede. „Er hat mir gesagt, dass ich das sehr gut gemacht habe“, erklärt Eggestein.

Umarmung vom "Altmeister": Claudio Pizarro freut sich mit Johannes Eggestein (Foto: nph).

Dabei hat der Junioren-Nationalspieler doch nur umgesetzt, was von ihm verlangt wird: „Der Trainer predigt immer wieder die tiefen Läufe, das habe ich beherzigt.“ Mittlerweile ist das einstige Stürmertalent aus dem WERDER Leistungszentrum in der Bundesliga angekommen, es ist seine dritte Saison im Seniorenbereich. Und endlich ist auch vor dem Tor der Knoten geplatzt. Im Pokal in Worms traf Eggestein zum ersten Mal in einem Pflichtspiel, am Freitagabend netzte er erstmals in der Bundesliga.

Für Johannes Eggestein, der mit gleicher Bescheidenheit auftritt wie sein Bruder, ein Grund zur Freude, aber keiner zum Feiern: „Ich möchte die nächsten Schritte machen, es soll ja nicht bei einem Bundesligatreffer bleiben.“ Das betont Werders Siegtorschütze ganz reflektiert. Was ihn auszeichnet? Es ist genau "dieser Fleiß", wie Florian Kohfeldt erläutert. Eggestein musste ackern für diesen Glücksmoment. Nicht nur einige wenigen Wochen, sondern Monate. „Ja“, sagte der Mann des Abends, „das habe ich mir erarbeitet.“ Der kleine Seufzer der Erleichterung war nicht zu überhören.